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Flüchtlingsunterkunft : Rückkehr zur Ruhe

In der Flüchtlingsunterkunft Am Alten Flugplatz haben Bewohner gegen die Unterbringungsbedingungen protestiert. Bild: F.A.Z.

Die Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt haben mit ihren Protesten erreicht, was den Verantwortlichen nicht gelungen ist: eine vorläufige Verbesserung der Wohnsituation.

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          Aufzuatmen – das traut sich Michael Frase noch nicht. Denn noch immer ist die Stimmung in der Flüchtlingsunterkunft in Bonames angespannt. „Aber wir befinden uns auf einer hoffnungsvollen Zielgeraden“, sagt der Leiter des Diakonischen Werkes für Frankfurt und Offenbach. Die vergangenen Wochen seien kräftezehrend gewesen – für alle Beteiligten. Die öffentlichen Proteste der Flüchtlinge hätten ihre Wirkung aber nicht verfehlt. Die Belegungszahl in der Unterkunft am Alten Flugplatz soll reduziert werden. „Das ist ein Ergebnis, das nicht wir, sondern die Bewohner erreicht haben“, sagt Frase.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Das Diakonische Werk betreibt die Unterkunft, die in den vergangenen Wochen immer wieder in die Kritik geraten war. Die Situation aus Sicht der Mitarbeiter zu schildern, das ist das Anliegen, mit dem Frase zusammen mit Stadtdekan Achim Knecht sowie der Leiterin des Arbeitsbereichs Flucht und Integration bei der Diakonie, Sabine Kalinock, am Freitag vor die Presse getreten ist.

          Hartes Durchgreifen bei Regelverletzung

          Im Juni war bekanntgeworden, dass viele der Bewohner der Unterkunft unter Krätze leiden. Zudem prangerten die Flüchtlinge die beengten Wohnverhältnisse an. Hauptkonflikt aber war die Aufforderung, die Herde und Öfen, die sich viele Bewohner auf eigene Kosten organisiert hatten, wieder abzugeben. Denn die Stromversorgung im Landschaftsschutzgebiet, in dem die Unterkunft steht, ist schwierig. Die Leitungen sind oft überlastet, es besteht Brandgefahr. „Die höchste Verantwortung liegt darin, Gefahren abzuwenden. Auch gegen den Widerstand der betroffenen Menschen“, sagt Frase.

          Nach den öffentlichen Protesten und mehreren Gesprächen zwischen den Flüchtlingen und der Diakonie hat die Stadt Frankfurt zugesichert, die Elektrik nachzurüsten. Außerdem sollen vorerst keine neuen Bewohner in die Unterkunft ziehen. Auch dann nicht, wenn Plätze frei werden. Erst am Donnerstag waren zwei Familien aus der Unterkunft gewiesen worden, nachdem sie sich geweigert hatten, ihre Herde abzugeben. Sie wurden in anderen Einrichtungen untergebracht.

          Dass der Konflikt sich hochschaukeln konnte, habe auch daran gelegen, dass die Herde zu lange geduldet worden seien, meint Stadtdekan Knecht. Auch den Mitarbeitern der Unterkunft scheint die Gefahr lange Zeit nicht bewusst gewesen zu sein. „Vielleicht hätte man von Anfang an konsequenter reagieren müssen.“ Im Streit um die Öfen habe sich eine schon länger schwelende Grundspannung entladen, die die Diakonie allein nicht lösen könne. „Wir haben Übergangsunterkünfte, die überlang genutzt werden“, so Knecht. Auch die Unterkunft in Bonames war ursprünglich nur für eine Belegungsdauer von zwei Jahren ausgelegt. Nun soll sie bis Ende 2021 bestehen bleiben. „Das eigentliche Problem ist, dass es zu wenige Wohnungen in Frankfurt gibt“, sagt Knecht. Frase fügt hinzu: „Es müssen heute schon die Weichen gestellt werden, wenn es Nachfolgeeinrichtungen geben soll. Wir können nicht wieder in eine Verlängerung laufen, nur weil man noch nichts anderes hat.“

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