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Porträt : Hohe Erwartungen an die Rückkehrerin

Sabine Thurau, stellvertretende Polizeichefin Frankfurts Bild: dpa/dpaweb

Mutter dreier Kinder, Frankfurterin und Polizistin von der Pike auf, Rückkehr als Quereinstieg nach Jura-Studium: Die neue stellvertretende Polizeipräsidentin Sabine Thurau erfüllt die Kriterien moderner Führungskräfte überreichlich.

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          Mutter dreier Kinder, Frankfurterin und Polizistin von der Pike auf, Rückkehr als Quereinstieg nach Jura-Studium: Die neue stellvertretende Polizeipräsidentin Sabine Thurau erfüllt die Kriterien moderner Führungskräfte überreichlich. Gestern, bei der Amtseinführung, mußte Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) daher nur aus der Biographie der Fünfzigjährigen zitieren, um seine Entscheidung plausibel zu machen. Tatkraft, Entschlossenheit und Sensibilität erwartet er von der ersten Frau auf dieser Ebene im hessischen Polizeidienst, die die Ära Wolfgang Daschner definitiv beendet.

          Helmut Schwan

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Ohne näher auf die Affäre einzugehen, sprach der Minister von einer Zeit, in der das Präsidium mehr als sonst im Fokus der Öffentlichkeit gestanden habe. Daschner war vor mehr als eineinhalb Jahren, nach Erhebung der Anklage wegen seiner „Folterdrohung“ gegen den Entführer Jakob von Metzlers, ins Innenministerium abgeordnet worden; inzwischen leitet er das Präsidium für Technik, Logistik und Verwaltung.

          Neubeginn personell abgeschlossen

          Die Zuversicht, mit der Berufung von Sabine Thurau den Neubeginn personell abgeschlossen zu haben, erscheint begründet. Nachdem schon vor einigen Wochen Achim Thiel dem pensionierten Harald Weiss-Bollandt an der Spitze des mit 3500 Mitarbeitern mit Abstand größten Polizeipräsidiums Hessens folgte, löst nun die Fünfzigjährige Eckart Sauer ab, der kommissarisch die Geschäfte geführt hatte und als Vize-Präsident wieder nach Kassel zurückkehrt.

          Von angeblicher Kritik seitens hoher Polizeibeamter an der Personalentscheidung war gestern bei der kleinen Feier nichts zu spüren, die Abteilungsleiter des Präsidiums standen zur Gratulationscour für die neue Kollegin Schlange. Sabine Thurau, Tochter eines Kriminalbeamten und im Stadtteil Eschersheim aufgewachsen, kennt viele noch, mit der Personalratsvorsitzenden Sibylle Perrot duzt sie sich. 1974 begann sie ihre Karriere im sogenannten mittleren Dienst bei der Kripo, nach der Geburt ihres ersten Kindes nahm sie das Jurastudium auf, arbeitete allerdings halbtags weiter bei der Polizei.

          Zuletzt Personalchefin des Landespolizeipräsidiums

          Nach dem zweiten Staatsexamen wechselte sie 1991 in die Justiz und wurde stellvertretende Leiterin der Vollzugsanstalt Frankfurt IV. Ein Jahr später kehrte sie ins Polizeipräsidium zurück, diesmal allerdings eine Ebene höher. Unter anderem leitete sie das Betrugsdezernat, ehe sie ins Ministerium abgeordnet wurde. Als frühere Frauenbeauftragte und zuletzt als Personalchefin des Landespolizeipräsidiums ist sie seit Jahren mit den Verhältnissen in Frankfurt vertraut.

          Sabine Thurau will ihre Berufung nicht überinterpretiert wissen: Das Ergebnis der Arbeit zähle, nicht das Geschlecht. Sie will leistungsstarke Frauen und Männer fördern und eine „reichhaltige und offene“ Kommunikation pflegen. Denn ein Gespräch, zitierte sie Goethe, führe weiter „als jegliche Aktensendung“. Aus der Affäre ihres Vorvorgängers Daschner hat sie die Erkenntnis gezogen: „Nichts steht über dem Gesetz, auch nicht die Polizei.“

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