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Porträt : Gernot Grumbach: Gründlich, konzentriert und links von der Mitte

Links von der links verorteten SPD-Landeschefin Ypsilanti: Gernot Grumbach Bild: picture-alliance/ dpa

Karl May oder Karl Marx? Gernot Grumbach hat in jungen Jahren Karl May den Vorzug gegeben. Bei der Karl-May-Gesellschaft veröffentlichte der künftige Frankfurter SPD-Vorsitzende seine Examensarbeit über das Alterswerk des Abenteuerschriftstellers.

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          Karl May oder Karl Marx? Der künftige Frankfurter SPD-Vorsitzende Gernot Grumbach hat in jungen Jahren Karl May den Vorzug gegeben. Im Sonderheft 26 der Karl-May-Gesellschaft veröffentlichte Grumbach nach erfolgreich beendetem Germanistik-Studium seine Examensarbeit über das Alterswerk des Abenteuerschriftstellers. Danach war das Kapitel Karl May für ihn allerdings beendet: Winnetou und Old Shatterhand mussten den Weg in die ewigen Jagdgründe antreten, sie ruhen seither in Grumbachs Bücherregal.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bücher verschlingt der Berufspolitiker immer noch - von Krimis über Klassiker bis zu Sachbüchern quer durch den literarischen Garten. Allein, die Zeit ist knapp, und der Pflichten sind viele: Nicht nur, dass Grumbach als Vorsitzender des mitgliederstarken SPD-Verbands Hessen-Süd darum kämpfen muss, den schleichenden Niedergang der Volkspartei zu stoppen; nicht nur, dass er als Landtagsabgeordneter und umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion alle Hände voll zu tun hat, Hessen vor der Klimakatastrophe zu retten - nein, jetzt halst er sich auch noch das Amt des SPD-Vorsitzenden in Frankfurt auf.

          „Habe mich nicht vorgedrängt“

          Oder hat Grumbach diesen Coup vielleicht von langer Hand geplant, träumte er schon lange davon, Franz Frey, den gescheiterten Oberbürgermeister-Kandidaten an der Spitze der Partei, zu beerben, weil dieses Amt erheblich mehr öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zieht als das an für sich ranghöhere Vorsitzenden-Amt in Hessen Süd? Nein, vorgedrängt habe er sich nicht, weist Grumbach derlei Vermutungen zurück. Man habe ihn vielmehr nach der Ankündigung Freys, er werde nicht mehr kandidieren, gefragt. Er habe aber zuerst abgelehnt und eine Frankfurter Lösung empfohlen. Erst als diese sich nicht fand, habe er sich zu einer Kandidatur auf dem Parteitag am 16. März bereiterklärt. Mit den anderen potentiellen Bewerbern hat er - dies entspricht seinem dialogischen Politikstil - seine Bewerbung abgesprochen. Und die wichtigen Leute in der Frankfurter SPD stimmten zu, dass Grumbach den Vorsitz des Unterbezirks übernimmt und Elke Tafel sowie Gregor Amann - links und rechts schön austariert - seine Stellvertreter werden.

          Landtagsabgeordneter, Hessen-Süd-Chef und Vorsitzender in Frankfurt: Wie will Grumbach das alles schaffen? Er lächelt nur und sagt knapp: „Ich bin gut organisiert.“ Dass dies nicht übertrieben ist, sieht man seinem Arbeitszimmer in der SPD-Zentrale an der Fischerfeldstraße an: aufgeräumt wie ein preußisches Büro, auf dem Schreibtisch nur ein Computer und ein Terminkalender. So ist auch Grumbachs Arbeitsstil: aufgeräumt und gründlich. Er vergleicht ihn mit dem eines Computers, zuerst bearbeite er diese Zeitscheibe, danach jene, und dann wieder eine andere - gründlich und konzentriert. Wie im Gespräch: Immer wieder klingelt das Telefon, doch wenn Grumbach mit jemandem redet, lässt er sich nicht ablenken.

          Er wollte früh mitreden

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