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Kommentar zum Bahnhof : Tor zur Stadt, Tor zur Hölle

  • -Aktualisiert am

Verstecken muss sich in Frankfurt niemand. Bild: dpa

Polizei und Sicherheitskräfte haben die Kontrolle über den Bahnhof verloren. Die Frage muss erlaubt sein, ob der „Frankfurter Weg“ heute noch der richtige ist.

          Die Kontrolle über die Kriminalität in Frankfurt ist in diesem Sommer verlorengegangen. Das lässt sich weniger an Zahlen ausmachen, zumal, wenn man bedenkt, dass gerade Drogenhandel ein reines Kontrolldelikt ist und demnach nur die Fälle, die man auch registriert, in die Statistik einfließen.

          Vielmehr macht sich dieser Eindruck an Szenen wie diesen fest: Wenn ein Reisender am Hauptbahnhof ankommt, ist das Erste, was er hört, eine Durchsage, dass er auf seine Wertsachen aufpassen soll, weil es offenbar ein Problem mit Taschendieben gibt. Als Nächstes fährt er hinunter in die B-Ebene, weil er mit dem Nahverkehr weiterfahren will. Er stößt auf Junkies, die dort auf den Treppen sitzen, und auf Dealer, die ihm entweder etwas verkaufen wollen oder, wenn er das nicht will, ihm aggressiv zurufen: „Was guckst du so?“

          Dazu strömt dem Reisenden ein beißender Geruch nach Urin entgegen, den auch die Reinigungsmaschine, die mehrfach am Tag über den Boden gleitet, nicht neutralisieren kann. Und wenn er Pech hat, gerät er noch an organisierte Bettler, die seit einiger Zeit verstärkt an den Ticketschaltern zur S-Bahn stehen. Dieser Reisende wird später sagen: Fahr nicht nach Frankfurt, das ist ein Moloch. Es gibt internationale Gäste, die beteuern, Zustände wie diese hätten sie lange in keiner Großstadt mehr erlebt.

          Der Zustand ist eine Zumutung

          Das, was sich täglich in Teilen des Hauptbahnhofs, aber auch drumherum abspielt, ist eine Zumutung. Aber das bedeutet nicht, dass es nicht noch viel schlimmer werden könnte. Die Strukturen, die sich dort in den vergangenen Monaten entwickelt haben, lassen das befürchten.

          Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) wird nicht nur, wie er selbst sagt, einen langem Atem brauchen, sondern auch einen breiten Rücken und die nötige Unterstützung von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der dem Zerfall eines zentralen Ortes seiner Stadt in aller Ruhe zuzusehen scheint.

          Angesichts dieser Entwicklung muss auch noch einmal neu darüber diskutiert werden, ob die Instrumente, die in den neunziger Jahren zur Bekämpfung der Drogenszene entwickelt wurden, heute noch greifen. Die Frage muss erlaubt sein, ob der „Frankfurter Weg“ noch der richtige ist. Denn wenn die Drückerstuben so gut funktionieren, warum nimmt dann der offene Konsum auf der Straße immer weiter zu? Und wie verhält es sich mit den vielen Konsumenten aus anderen Städten und sogar Bundesländern, die berichten, sie kämen nur deshalb nach Frankfurt, weil hier so leicht und so billig an Drogen heranzukommen ist?

          Diese Fragen sind zu beantworten, von allen Beteiligten. Ohne Schuldzuweisungen. Aber mit einem Ergebnis.

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