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Festnahme in Frankfurt : Polizei verhindert mögliche Amok-Tat eines wohl geistig Verwirrten

Waffentisch: Die Polizei präsentiert ihre Funde. Bild: Polizeipräsidium Frankfurt

Die Polizei hat einen möglichen Anschlag verhindert. Am Freitag hat sie einen Mann in Frankfurt festgenommen, der angekündigt hatte, eine Amok-Tat begehen zu wollen. Nun heißt es, er stehe doch nicht den Reichsbürgern nahe.

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          Hat ein geistig verwirrter Mann einen Anschlag oder eine Amoktat geplant und konnte gerade noch rechtzeitig aufgehalten werden, bevor er seine Pläne verwirklichte? Darauf deutet laut Frankfurter Staatsanwaltschaft und Polizei einiges hin. Am vergangenen Donnerstag hatten Polizeibeamte in einem Schrebergarten im Frankfurter Norden einen Dreiundfünfzigjährigen vorläufig festgenommen, der in mehreren wirren Briefen einen Anschlag für den 20. Juli angekündigt hatte. Mittlerweile befindet er sich in Untersuchungshaft.

          Alexander Jürgs
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aufgefallen war der Mann bereits seit Längerem dadurch, dass er sehr lange und handschriftlich verfasste Briefe mit wirren, unverständlichen Inhalten an Behörden und Gerichte schickte, meistens an solche in Hessen. In seinen Schreiben beschwerte er sich über angebliche Ungerechtigkeiten staatlicher Stellen und reicherte sie wahllos mit Zitaten aus Gesetzestexten an.

          Doch kein Reichsbürger

          Die Begriffe, die der Mann dabei verwendete, die Diktion seiner Schreiben sowie ihre Aufmachung deuteten laut Polizei auf eine geistige Verwirrtheit und zunächst auch auf eine Nähe des Mannes zur Szene der Reichsbürger und Selbstverwalter hin. Sogenannte Reichsbürger eint eine Ablehnung des demokratischen Staats, in ihren Reihen sammeln sich viele Rechtsextreme und Antisemiten. Eine solche Verbindung sehen die Ermittler vom Staatsschutzkommissariat mittlerweile jedoch nicht mehr als gegeben an. Was sie im Detail dazu veranlasst, will die Polizei zurzeit noch nicht preisgeben. 
          Vor rund einer Woche verschärfte sich die Situation um den Mann, als er an mehrere Behörden gleichlautende Schreiben verschickte. Darin kündigte er an, am 20. Juli einen Anschlag begehen zu wollen. Konkret wurde er in seinen Drohungen dabei jedoch nicht. Alarmiert durch die zahlreichen Drohbriefe wurden daraufhin Ermittlungen gegen ihn aufgenommen.


          Der Aufenthaltsort des Mannes war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt. Trotzdem konnte die Polizei ihn drei Tage später aufspüren: auf einem Gartengrundstück im Norden Frankfurts. Auch dazu, wie der Verwirrte so schnell gefunden werden konnte, gibt das Polizeipräsidium aktuell keine Details bekannt, gesprochen wird lediglich von „einer Fülle an Maßnahmen“.

          Das Gartengrundstück, auf dem der Mann sich seit einiger Zeit aufhielt, wird von Polizei und Staatsanwaltschaft als „verwahrlost“ beschrieben. Ein Bauwagen, mehrere Stahlcontainer und heruntergekommene Fahrzeuge befanden sich dort, wo der Mann am Donnerstag auch festgenommen wurde. 
          Bei der anschließenden Durchsuchung wurden auf dem Gelände zahlreiche Waffen sichergestellt: Gas- und Luftdruckwaffen, eine Armbrust, Dolche, Schwerter und weitere Gegenstände. Für das Verüben eines gefährlichen Anschlags wären die sichergestellten Waffen geeignet gewesen, heißt es von den Behörden. Darum gehen die Ermittler nun davon aus, einen möglichen Anschlag verhindert zu haben. Der vorläufig festgenommene Dreiundfünfzigjährige wurde am Freitag dem Haftrichter vorgeführt und kam anschließend in Untersuchungshaft. Vorgeworfen wird ihm die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

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