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Frankfurter Polizei ermittelt : Hat ein Serienbrandstifter linke Projekte im Visier?

  • -Aktualisiert am

Zehn Mal gab es in den vergangenen Monaten Anschläge auf alternative Zentren – steckt hinter den Bränden ein und dieselbe Person? (Symbolbild) Bild: dpa

Nach zehn Anschlägen gegen alternative Wohngemeinschaften und linke Zentren in Frankfurt ermittelt der Staatsschutz. Die Betroffenen vermuten, dass sie den Täter kennen – und setzen die Polizei deshalb unter Druck.

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          Etwas schwerfällig lässt sich das hölzerne Tor nach innen drücken, dann ist der Weg zum Wohnprojekt „Assenheimer Straße“ frei. 14 Menschen leben dort in einer Kommune, dem „Assenland“, im Stadtteil Rödelheim. Rein kommt hier jeder. Theoretisch. „Wir schotten uns trotz der Brandanschläge nicht ab“, sagt Eliad Novack, die vor sieben Jahren dort eingezogen ist. Zwar seien die Bewohner des Hauses in „Alarmbereitschaft“. „Einmauern“ werde man sich aber nicht. Die junge Frau mit dem braunen Kurzhaarschnitt, die derzeit in Gesellschaftswissenschaften promoviert, vertritt den Verein „Mietshäuser Syndikat“. Das Syndikat, das deutschlandweit Häuser erwirbt, um sie in selbstorganisiertes Gemeineigentum umzuwandeln, hat Redebedarf. Vor allem an der Polizei übt Eliad Novack heftige Kritik: „Wie oft soll es noch zu Bränden kommen? Wir haben den Eindruck, dass die Serie von den Ermittlungsbehörden immer noch nicht ernst genommen wird.“

          Was war passiert? Im Herbst 2018 geht in Schwalbach am Taunus das Wohnprojekt „Knotenpunkt“ in Flammen auf. Das Feuer greift auf die benachbarte Scheune über, im Wohnhaus selbst brennt ein Stockwerk aus. Den Schaden beziffert die Polizei auf 200.000 Euro, die Feuerwehr ist stundenlang im Einsatz. Verletzt wird niemand. Es folgten weitere Brände: Eliad Novack hat auf einer der Couchen im Gemeinschaftszimmer der Kommune Platz genommen und zieht eine Liste hervor, auf der sie die „Anschlagserie“ festgehalten hat. „15. November: Gegen 23 Uhr wird eine Hütte im Vorgarten des Wohnprojekts ,Au‘ angezündet. Der Brand wird sofort entdeckt und gelöscht“, steht dort. Das nächste Feuer am 3. Dezember 2018 in Hanau: „Ein Bauwagen auf dem Gelände des Wohnprojekts ,Schwarze 79‘ wird in Brand gesetzt.“ Nur wenige Tage später: „Frankfurt-Bockenheim. An zwei aufeinanderfolgenden Abenden werden Brände am ,Café Exzess‘ gelegt, die jeweils von Besuchern gelöscht werden.“

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