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Plastische Chirurgie : Vergrößern, straffen, optimieren

  • -Aktualisiert am

Hygiene:Ronald Batze desinfiziert ein Brustimplantat, bevor er es einsetzt. Größe und Form sind genau auf die Patientin abgestimmt. Bild: Cornelia Sick

Nasenkorrekturen, Fettabsaugungen und Brustvergrößerungen: Der Tagesablauf des Plastischen Chirurgen Ronald Batze wird von Schönheitsidealen seiner Kundinnen bestimmt.

          Mit zwei aufeinandergestapelten Boxen, voll mit Brustimplantaten, steigt Ronald Batze die Treppen zu den Operationssälen der Maingauklinik am Scheffeleck hinauf. Es ist Viertel vor sieben am frühen Morgen. Die Pakete lassen erahnen, wie sein weiterer Tag verlaufen wird. Batze ist Facharzt für Plastische Chirurgie. Zwei Brustvergrößerungen wird er heute machen, eine verbunden mit einer Bruststraffung. Der Achtundvierzigjährige rauscht durch die Sicherheitsschleuse der Chirurgie, man kennt ihn, direkt in die Umkleide. Montags und dienstags operiert er in dem Belegkrankenhaus; seine Praxis befindet sich in der Innenstadt.

          Während der schlanke gepflegte Mann die blaue Kleidung für den Operationssaal anlegt, diskutiert er mit Kollegen den Fall „Cora“, der in den vergangenen Wochen ein großes Medienecho hervorrief. Die 23 Jahre alte Cora Wosnitza, die einem begrenzten Publikum aus Reality-Fernsehserien bekannt war, starb Anfang Januar an den Komplikationen ihrer sechsten Brustvergrößerung. Batze meint, er würde keine übergroßen Implantate einsetzen. Damit warb der behandelnde Arzt von Cora Wosnitza im Internet.

          Schwarzer Filzstift markiert die Schnittlinien

          Batze eilt zu seiner ersten Patientin, bespricht sich vor der Narkose noch einmal mit ihr. Vor vier Wochen kam sie das erste Mal in seine Sprechstunde. Unter den buschigen Brauen betrachten seine grünen Augen ihren Körper. Seine fülligen, braunen Haare trägt er nach hinten geföhnt, streicht sich die Strähnen, die in die Stirn hängen aus dem Gesicht. Mit schwarzem Filzstift zeichnet er Striche und Bögen auf die Brust der Patientin, markiert, wo die Einschnitte erfolgen werden.

          Präzision: Mit einem elektrischen Skalpell wird ein Einschnitt unterhalb der Brust gesetzt.

          Keine zehn Minuten später wird die Patientin narkotisiert. Batze vertreibt sich die Zeit im Aufenthaltsraum, der wie der Rest der Räumlichkeiten steril wirkt: weißer Boden, weiße Wände, weiße Schränke. Auf dem runden Tisch in der Mitte des Raumes finden sich offene Teepackungen, mit Namen beschriftete Kaffeetassen und zwei Brötchenhälften mit Schinken und zerlaufenem Käse darauf.

          „Nicht jede Brustvergrößerung ist eine Schönheitsoperation“

          Es ist kurz vor acht. Im weiß gekachelten Operationssaal drei spielt die Musikanlage einen Song von Robbie Williams. Die narkotisierte Patientin liegt auf dem Behandlungstisch mit einem Beatmungsschlauch im Hals und Infusionen in den Armen. Fünf Ärzte und Schwestern assistieren Batze bei der Operation, huschen um EKG, Beatmungsgerät und andere Gerätschaften. Eine Schwester hilft ihm den grünen Operationskittel anzulegen und sterile Handschuhe überzustreifen. Die Musik wird leiser gedreht.

          Batze desinfiziert die Brustpartie und injiziert ein Gemisch aus Kochsalzlösung und Betäubungsmitteln in die Brust, um diese zu dehnen. Er setzt das Skalpell an – etwas Druck braucht er, um die Haut unterhalb der Brust zu durchtrennen. Anschließend hebt er mit seinen Fingern den Brustmuskel von den Rippen ab und formt eine Tasche, in die später das Implantat eingesetzt wird.

          Jetzt nimmt der Chirurg den „Klitschko“ zu Hilfe, so nennt er den gebogenen Metallhaken, mit dessen Hilfe er die Tasche unter dem Brustmuskel formt. Obschon die Prozedur martialisch anmutet – mit einer breiten Metallklammer hält sein Assistent den Einschnitt offen – blutet die Wunde überraschend wenig. „Frauen, die gar keinen Busen mehr haben, fallen für mich unter die Kategorie Rekonstruktion. Nicht jede Brustvergrößerung ist eine Schönheitsoperation“, sagt Batze, während sein Finger an der offenen Wunde vorbeigleitet.

          Eine Dreiviertelstunde nach dem ersten Schnitt ist die erste Brust fertig

          Er führt das Probeimplantat ein und füllt es mit Hilfe einer Spritze mit Wasser, um zu sehen, ob die vereinbarte Größe des Implantats passt. „Die Form der Tasche ist entscheidend, ob die Brust später gut aussieht oder nicht“, sagt er und lugt unter der Lampe hervor, die auf seiner Stirn sitzt. 1995 begann Batze mit seiner Ausbildung zum Facharzt für Plastische Chirurgie. Seit elf Jahren ist er selbständig, hat nach eigenen Angaben mehr als 1000 Brustoperationen gemacht.

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