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Salzbachtalbrücke : Stunde der Wahrheit

  • -Aktualisiert am

Ruine: die südliche Hälfte der gesperrten Salzbachtalbrücke Bild: Frank Röth

An diesem Freitag will die bundeseigene Autobahn GmbH die nächsten Schritte vor dem Neubau der Salzbachtalbrücke vorstellen. Derweil kritisieren die Amtsvorgänger Verkehrsminister Al-Wazir.

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          Sorgsamer Abriss oder schnelle Sprengung? Die staugeplagten Pendler im Westen der Rhein-Main-Region werden vermutlich an diesem Freitag erfahren, wie lange sie sich aller Voraussicht nach auf die prekäre Verkehrssituation nach der Sperrung der Salzbachtalbrücke (A 66), der Mainzer Straße (B 263) und der zum Wiesbadener Kopfbahnhof führenden Bahngleise einstellen müssen. Die Autobahn GmbH will den Stand der Dinge, das weitere Vorgehen und Maßnahmen zur Entlastung des Straßennetzes vorstellen. Vermutlich besteht dann auch Klarheit, ob die Nordbrücke beim überraschenden Absacken der Südbrücke beschädigt wurde und ob die Gefahr tatsächlich so groß ist, dass die Nordhälfte bis nach dem Abriss der Südhälfte gesperrt bleiben muss. Bislang deuten alle Zeichen und Verlautbarungen darauf hin, dass es bis zu einer grundlegenden Verbesserung der Lage eher Monate als Wochen dauern könnte.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Unterdessen hat sich der Wirtschaftsrat der CDU für die Bildung einer „Taskforce Salzbachtalbrücke“ ausgesprochen, um zu einer „schnellen und pragmatischen“ Lösung zu kommen, und die Bereitschaft zur fachlichen Unterstützung erklärt. Vorstandsmitglied Steffen Gurdulic vom Entsorgungsunternehmen Knettenbrech + Gurdulic spricht von einem „Super-GAU“ für sein Unternehmen. Die Bürger und Unternehmen in Wiesbaden seien bei der Abfallentsorgung auf funktionierende Verkehrswege angewiesen. Eine so drastische Verlängerung der An- und Zufahrtswege sei nicht lange hinnehmbar: „Wir brauchen zügig ein Ergebnis.“ Wirtschaftsrat-Sektionssprecher Andreas Steinbauer hat Informationen, wonach allein die Vorbereitung einer Sprengung der Südbrücke mindestens vier Wochen in Anspruch nehmen würde. Dies zeige, wie wichtig es sei, nun umgehend eine Entscheidung zu treffen, sagt Steinbauer. Ein anhaltendes Verkehrschaos müsse mit allen Mitteln vermieden werden.

          Hohe Kosten der Sperrung

          Für die Wiesbadener FDP hat die Wiederanbindung des Hauptbahnhofs Priorität. Nach Ansicht des Vorsitzenden der Rathausfraktion, Christian Diers, steht die Stadt ein weiteres Mal „vor den Trümmern der Verkehrspolitik von Bund und Land“. Es räche sich zudem die vom kommunalen Verkehrsdezernat vorangetriebene Verknappung des Straßenraums. Einen weiteren Wegfall von Parkplätzen dürfe es nicht mehr geben. Für die Pendlerströme müssten alle Möglichkeiten zur besseren Anbindung des Hauptbahnhofes geprüft werden.

          Wegen der hohen volkswirtschaftlichen und ökologischen Kosten der Sperrung dürften die Kosten einer Stabilisierung oder eines Abrisses der Brücke nur eine untergeordnete Rolle spielen. Nach einem Ortstermin an der Brücke hat Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) die mit der Brückensperrung verbundenen Einschränkungen abermals als „enorme Herausforderung“ beschrieben. Die Stadt will auf ihrer Internetseite in Kürze alle wichtigen Informationen rund um die Brückensperrung zusammenfassen.

          Unterdessen haben sich die beiden früheren Verkehrsminister Dieter Posch und Florian Rentsch (beide FDP) gegen öffentlich erhobene Schuldzuweisungen ihres Nachfolgers Tarek Al-Wazir (Die Grünen) gewehrt. Dieser wolle die Öffentlichkeit täuschen und von seiner eigenen Verantwortung in den vergangenen sieben Jahren ablenken. Als Grünen-Fraktionschef habe Al-Wazir regelmäßig drastische Kürzungen des Straßenbauetats gefordert, kritisierten Posch und Rentsch. Unter ihrer Verantwortung seien die Mittel für den Straßenbau deutlich erhöht worden. Zudem seien die Vorarbeiten für den Neubau der Salzbachtalbrücke angelaufen, auf denen Al-Wazir nun aufbauen könne. Sieben Jahre habe Al-Wazir die Verantwortung getragen, eher er das Projekt „in massiver Schieflage“ an die Autobahngesellschaft übergeben habe. Dieser Verantwortung müsse sich Al-Wazir nun stellen.

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