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Peter Feldmann : Frankfurts friedlicher Oberbürgermeister

Gut, dass Markus Frank nicht in der Jury saß: Oberbürgermeister Peter Feldmann wird mit dem Preis „Basis für Frieden“ ausgezeichnet. Bild: Lucas Bäuml

Ein Verein aus Muggensturm verleiht Peter Feldmann den Preis „Basis für Frieden“. Die Menschheit wird durch Preisträger wie ihn dem Weltfrieden wohl ein Stück näherkommen - wenn Feldmann an seine Merksprüche denkt.

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          Wie gut, dass Markus Frank nicht in der Jury saß. Sonst hätte sich Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann seine Auszeichnung mit dem „Basis für Frieden“ Preis wohl abschminken können. Legendär ist der Abend, als Feldmann in der Stadtverordnetenversammlung aus allen Rohren auf Frank feuerte, der Ordnungsdezernent sich aber nicht verteidigen konnte, weil ihm der Oberbürgermeister das Rederecht entzogen hatte. Wahrscheinlich wird Feldmann in solchen Momenten künftig einfach ein kleines Kärtchen mit Merksprüchen zücken, das Friedenspreisträger wie er immer bei sich führen sollen. Und mit sich ins Gebet gehen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          So empfiehlt es der Verein Basis für Frieden, der die Urkunde samt hübscher Holzskulptur am Donnerstag an Feldmann verleihen will. „Weltfrieden beginnt in jedem Einzelnen“, lautet das Credo des Vereins. Wer das auch so sieht, soll sich ein Kärtchen mit Verhaltensregeln in die Geldbörse stecken. „Wenn ich also mit mir selbst friedlicher umgehe, ist das ein wichtiger Beitrag zum Weltfrieden“, heißt es auf der Karte. Und weiter: „Deshalb vereinbare ich mit mir selbst: mich zu achten, meinen Wert zu schätzen, so wie ich bin; zu mir selbst ehrlich zu sein; mich selbst nicht durch Gedanken oder Worte zu verletzen; Verantwortung für meine Zufriedenheit zu übernehmen; mir zu verzeihen, wenn mir das alles wieder mal nicht gelingt.“ Ach, so geht das? Wenn Feldmann mit Feldmann vereinbart, respektvoll, einfühlsam und friedlich mit sich selbst umzugehen, kommen wir alle dem Weltfrieden ein Stück näher. Sollen seine politischen Gegner halt nicht so dünnhäutig sein.

          Bürgermeister für den Frieden

          Wie aber verdient man sich diesen Friedensnobelpreis für Stadtoberhäupter? Man wird nicht ganz schlau aus den Kriterien, aber das, was die meisten Preisträger bisher einte, war, aus dem badischen Landkreis Rastatt zu kommen, wo die Orte so lustige Namen tragen wie Gaggenau, Muggensturm, Ötigheim und Bietigheim. Die Chefs dieser Kommunen dürfen sich Bürgermeister für den Frieden nennen. In diesem Jahr wuchs der Verein aus jenem Muggensturm über die lokale Ebene hinaus, indem auch die Stadtoberhäupter von Göttingen und Freiburg aufgenommen wurden. Und nun also: Frankfurt! Die Stadt der Paulskirche, der Nationalversammlung, die sich den Rastattern schon durch die Märzrevolution verbunden fühlt. Wie Wilfried Ludwigs vom Verein Basis für Frieden erläutert, qualifizieren sich die Stadtoberhäupter weniger durch ihre Amts- und Lebensführung als durch ihre Eigenschaft, einer Gemeinde vorzustehen, die dem internationalen Städtebündnis „Mayors for Peace“ angehört. Die Organisation wurde 1982 gegründet und setzt sich für eine Abschaffung atomarer Waffen ein. 600 Gemeinden in Deutschland sind dabei, 7800 weltweit. Frankfurt ist schon 1984 beigetreten.

          Aber nicht nur Stadtoberhäupter können Botschafter für den Weltfrieden werden. Der Verein ehrt auch die sogenannten kleinen Leute, als deren Anwalt sich Feldmann sieht. Diese „Vorbilder im Umgang mit sich selbst und im täglichen Einsatz für ein friedvolles Miteinander“ werden auf der Internetseite des Vereins porträtiert. Da ist ein früherer Realschul-Hausmeister aus Marxzell-Burbach, der für seine „humorgeladene und wertschätzende Art“ gepriesen wird. Zu seinen Gegenkandidaten gehörte 2013 eine Frau, die Essenzen und Symbole herstellt, „die Menschen Heilung und Frieden bringen sollen“. Und auch eine Dozentin für bewusste Raumkultur, die für „gute Resonanzen“ zwischen Menschen und den Räumen sorge, in denen sie lebten. Über eine andere Preisträgerin aus Muggensturm heißt es schlicht: „Sie fühlt sich besonders wohl, wenn es in ihrer Familie harmonisch zugeht.“

          Das ist bei Ihnen auch so? Sie gehören auch in diese Reihe? Dann sollten Sie sich mit Ihrer Bewerbung aber beeilen. Auf der Internetseite verkündet der Verein, sich zum Jahresende aufzulösen – ganz friedlich.

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