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Personelle Spekulationen : Frankfurt ist regierungswillig

Gilt als ministrabel: Michael Boddenberg, Generalsekretär der CDU Bild: F.A.Z. - Michael Kretzer

Frankfurt, die einzige Metropole in Hessen, stellt keinen einzigen Politiker in der Landesregierung. Das führt zu Spekulationen in der Frankfurter CDU für den Fall, dass es am 18. Januar für eine Mehrheit reichen sollte.

          Es gibt in Hessen eine Stadt, die erwirtschaftet 40 Prozent der Gewerbesteuersumme, ist mehr als doppelt so groß wie die Nummer zwei, Wiesbaden, und gilt als wichtigstes Finanzzentrum in Deutschland. Und wie ist diese Stadt in der hessischen Regierung vertreten? Gar nicht. Keinen Minister, keinen Staatssekretär stellt Frankfurt, die einzige hessische Metropole. Seit im Frühjahr der damalige Wissenschaftsminister und frühere Frankfurter CDU-Vorsitzende Udo Corts in die Wirtschaft wechselte, ist der Frankfurt qua Bedeutung zustehende Stammplatz im Kabinett verwaist.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das führt zu Spekulationen in der Frankfurter CDU für den Fall, dass es am 18. Januar für eine bürgerliche Mehrheit reichen sollte. Spekuliert wird bisher allerdings nur intern, weshalb der Parteivorsitzende Boris Rhein auch gar nicht so gerne reden möchte über dieses wichtige Personalthema. „Ich bin dagegen, vor einer Wahl, die wir noch nicht gewonnen haben, zu spekulieren“, sagt der Sechsunddreißigjährige. Außerdem sei jeder im Frankfurter Kreisverband, dem größten in Hessen nach Fulda, „sehr glücklich“ mit dem, was er gerade mache. Und dann spricht Rhein noch von dem Fell des Bären, das nicht verteilt werden dürfe, bevor der Bär überhaupt erlegt sei. Immerhin einmal wird er dann doch etwas deutlicher: „Selbstverständlich wird es nicht möglich sein, dass die größte und wichtigste Stadt Hessens nicht an führender Stelle vertreten ist.“

          Rochaden werden erwogen

          Rheins Abneigung zu spekulieren mag daran liegen, dass er selbst zuweilen ins Gespräch gebracht wird, wenn es um einen Wechselwilligen für Wiesbaden geht. Vor gut einem Jahr musste er das populäre Sicherheitsdezernat in Frankfurt abgeben, seitdem hat er als Wirtschaftsdezernent unerfreuliche Abwanderungen von Traditionsunternehmen zu kommentieren. Seine Stellung im Magistrat ist nicht schwach, aber vielleicht nicht mehr stark genug, um sich über den Dezernentenposten und sein Spitzenamt in der Partei für eine Aufgabe zu profilieren, die 2013 vergeben wird: die des Frankfurter Oberbürgermeisters.

          Ein Weg Rheins über Wiesbaden zum Römer-Chefsessel scheint dennoch vielen unwahrscheinlich. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass einer von den jungen CDU-Stadträten, Uwe Becker oder Boris Rhein, wechseln werden. Die wollen sich bestimmt erst im Magistrat profilieren“, vermutet einer, der schon lange hessische Politik macht. Während Rhein in der Landtagsfraktion der CDU zudem nicht übermäßig beliebt sein soll, wird der Name von Kämmerer Becker dort gar nicht erst genannt. „Wir sind froh, dass die guten Leute in Frankfurt sind“, sagt der Frankfurter CDU-Fraktionschef Markus Frank und klingt auch ziemlich froh dabei. Dann erwähnt er noch das Fell des Bären, das noch nicht verteilt werden dürfe.

          Spekuliert wird trotzdem. Oft fällt dabei der Name Michael Boddenberg. Der Generalsekretär der hessischen CDU ist Frankfurter, tritt im Südwesten der Stadt an und scheint als einziger der sechs hiesigen Landtagskandidaten ministrabel. „Ich kann mir vorstellen, dass Michael Boddenberg in die Landesregierung aufrückt“, meint denn auch ein Abgeordneter. Und ein Kollege hält die Personalie ebenfalls für „durchaus möglich“. Das Wichtigste für die Union sei aber im Moment, alles für einen Wahlsieg zu tun.

          Auch in Wiesbaden macht man sich natürlich Gedanken über ein künftiges Kabinett unter CDU-Führung. Eine Revolution soll es zwar bei einem Wahlsieg nicht geben, ein paar Rochaden aber werden erwogen. Um zum Beispiel einen Ministersessel für Boddenberg zu finden, so heißt es, muss eventuell Wilhelm Dietzel, Minister für Landwirtschaft für Umwelt, gehen. Der kommt zwar aus Nordhessen, einer Region, die ebenfalls zu berücksichtigen ist. Aber so wichtig, dass ein CDU-Ministerpräsident Frankfurt übergehen dürfte, ist Nordhessen nun auch wieder nicht.

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