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Gestaltung der Paulskirche : Ein Wimmelbuch der Demokratie

  • -Aktualisiert am

Diskussionsgegenstand: Die Frankfurter Paulskirche Bild: dpa

Der „Zug der Volksvertreter“ in der Frankfurter Paulskirche lehrt uns, wie schutzbedürftig Einheit und Demokratie sind. Der Standort könnte besser nicht sein. Ein Gastbeitrag des Frankfurter Stadtältesten.

          6 Min.

          Der F.A.Z. gebührt Dank dafür, dass sie die Frage, wie das Jubiläum „175 Jahre Paulskirchenparlament“ gestaltet werden soll, ausführlich behandelt. Ich war überrascht, dass es dabei auch darum geht, ob das Rondell-Wandgemälde von Johannes Grützke „Zug der Volksvertreter“ an seinem jetzigen Standort in der Wandelhalle im Erdgeschoss der Paulskirche richtig platziert ist. Stadtrat Bernd Heidenreich hat dies in einem Interview mit der F.A.Z. in Frage gestellt – das Gemälde lenke den Besucher ab, entspreche nicht dem Willen des Architekten und verzerre die Geschichte. Dem hat die frühere Stadtverordnetenvorsteherin Bernadette Weyland in der F.A.Z. widersprochen. Neben Ausführungen zu Darstellung und Stil von Grützke schreibt sie, das Gemälde sei nach der Wiedervereinigung entstanden, es sei Ausdruck des geeinten Deutschlands und weise als Darstellung des Kreislaufs der Geschichte zurück auf den Gedanken der Nationalversammlung und eines deutschen Nationalstaats. In diese Diskussion möchte ich mit diesem Beitrag neue Aspekte einbringen.

          Das Gemälde ist in der Tat zwischen 1989 und 1991 entstanden. Für unsere Diskussion ist jedoch von entscheidender Bedeutung, wie mir scheint, die Vorgeschichte, die ich als kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Römer miterlebt habe. Bereits im Oktober 1986 hatte der Frankfurter Magistrat einen „Beschränkten Ideen- und Gestaltungswettbewerb Fresko für die Paulskirche“ ausgelobt. Verwaltungsintern zuständig war das Hochbauamt unter der Ägide des Stadtrats Hans-Erhard Haverkampf, der bereits beim Neubau für das Kunstgewerbemuseum (heute Museum für Angewandte Kunst) das Instrument eines solchen Wettbewerbs auf Einladung überaus erfolgreich eingesetzt hatte – das Ergebnis war der spektakuläre Bau von Richard Meier.

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