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Partei distanzierte sich : Fragida-Organisator Brill verlässt AfD

Brill ist nicht mehr Mitglied: Ein Wahlplakat der Alternative für Deutschland Bild: dpa

Der Planer der Frankfurter Pegida-Proteste Hans-Peter Brill ist aus der AfD ausgetreten. Die Partei hatte ihm zuvor vorgeworfen, gemeinsame Sache mit einem NPD-Funktionär zu machen und Konsequenzen angedroht.

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          Das AfD-Mitglied Hans-Peter Brill ist nach massiver Kritik an seiner geplanten Fragida-Demonstration und der damit verbundenen mutmaßlichen Kooperation mit der NPD aus der „Alternative für Deutschland“ ausgetreten. In einer Stellungnahme äußerte er abermals, er habe nicht gewusst, dass an dem Treffen potentieller Mit-Organisatoren von Fragida der hessische NPD-Politiker Stefan Jagsch teilgenommen habe. Das habe er „erst hinterher herausgefunden“, als er die Anwesenheitsliste durchgesehen habe. Er habe Jagsch daraufhin angerufen und ihm mitgeteilt, dass er ihn als Mit-Organisator von Fragida ausschließe.

          Katharina Iskandar
          (isk. ), Rhein-Main-Zeitung

          Zudem warf Brill Mittwoch der AfD seinerseits vor, „in eine Ecke abgerutscht“ zu sein. Es sei „eine bittere Erkenntnis“, dass in den vergangenen Jahren „einer inzwischen von mir als rechtsextrem einzuschätzenden Partei die notwendigen Strukturen und finanziellen Ressourcen“ beschafft worden seien, äußerte Brill. Sein Austritt sei auch eine Reaktion darauf, dass die AfD am Dienstag mitgeteilt habe, sie wolle eine „Ordnungsmaßnahme“ gegen ihn einleiten.

          Gerüchte um NPD-Eintritt zurückgewiesen

          Dass die Partei ihm damit gedroht hat, lastet Brill dem AfD-Mitglied Peter Münch an, der früher Mitglied der rechtsextremen Republikaner gewesen war und darüber offenbar falsche Angaben gemacht hatte, was Brill seinerzeit kritisiert hatte, wie er sagt. Brill sprach von einer „Retourkutsche“, die ihm widerfahre. Gerüchte, wonach Brill nun in die NPD eintrete oder von ihr „umworben“ werde, wies der 56 Jahre alte Frankfurter zurück. Auch ließ er weiter offen, ob es eine Fragida-Demonstration geben werde. Das hänge von der Einschätzung der Polizei im Hinblick auf mögliche Ausschreitungen ab.

          Der Kreisvorsitzende der AfD, Ralf Dedermann, bedauerte den Rückzug Brills, nannte ihn aber zugleich konsequent. Brill habe das Thema Fragida auf eine vernünftige Art und Weise ansprechen wollen, doch sei ihm das nicht gelungen. Offenbar sei ihm entgangen, dass an dem Organisationstreffen auch ein NPD-Mitglied teilgenommen habe. „Unsere Partei ist mit solchen Tendenzen bundesweit immer sehr strikt umgegangen“, sagte Dedermann. Doch sei Brill gerade nicht dem rechtsextremen Lager zuzuordnen. Dass er wegen eines NPD-Mitglieds jetzt die Partei verlasse, sei deshalb „Ironie des Schicksals“. Im Kreisverband habe Brill keine offizielle Funktion gehabt. Außerdem habe er während seiner Fragida-Aktivität stets darauf hingewiesen, dass er sie nicht als AfD-Mitglied betreibe.

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