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Boehlepark in Frankfurt : Paradies hinter verschlossenen Toren

Gekachelt: Tunnel im unterirdischen Wasserreservoir im Boehlepark Bild: Jonas Wresch

Grün, so weit das Auge reicht. Der Boehlepark in Frankfurt Sachsenhausen ist eine kleine Oase am Rande der großen Stadt. Wie schön der Park wirklich ist, wissen die wenigsten. Denn der Zutritt zu dem Gelände ist verboten.

          In der charmanten Parkanlage in Sachsenhausen gibt es viele Wiesen und verschlungene Spazierwege. Das zwei Hektar große Areal liegt in Höhe der Sachsenhäuser Warte westlich der Darmstädter Landstraße. Wenn unten in der Stadt die Straßen aufgeheizt sind und die Luft steht, dann wäre der Boehlepark oben auf dem Sachsenhäuser Berg ein potentieller Naherholungsort. Doch in der Grünanlage flanieren keine Spaziergänger, spielen keine Kinder und liegen keine Picknick-Decken auf den Wiesen – denn ein Zaun verwehrt den Zutritt.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass man eine Grünanlage in einer Stadt wie Frankfurt verschließt, dieser Zustand dürfte viele Bürger verwundern. Zumal der Boehlepark in jedem Stadtplan namentlich verzeichnet ist. Doch der Park, der nach dem 1916 in Frankfurt verstorbenen Maler, Zeichner und Bildhauer Fritz Boehle benannt ist, ist kein städtischer Park – zumindest nicht unmittelbar. Eigentümer ist der regionale Wasserversorger Hessenwasser GmbH. Das Tochterunternehmen der Mainova AG unterhält unter dem Park einen Hochbehälter als Wasserreservoir. Von dort aus wird das Netz der Wasserleitungen gespeist.

          Prachtvoll gestaltete Gebäude

          Zu der 1902 in Betrieb genommenen Anlage gehören mehrere über den Park verteilte Sandsteinbauten. Die prachtvoll gestalteten Gebäude beherbergen technische Anlagen und Zugänge zum Hochbehälter. Nach Angaben von Hessenwasser-Sprecher Hubert Schreiber war den Bürgern der Zutritt zum Boehlepark nicht immer verwehrt. Vielmehr wurde das Areal erst 2004 geschlossen. Seither ist es möglich, den Hochbehälter von der Leitwarte in Niederrad aus zu steuern. Im Boehlepark sei mit Einführung der technischen Änderung kein Personal mehr vor Ort nötig gewesen. Somit habe aber auch niemand mehr das Parktor morgens auf- und abends wieder zugeschlossen.

          Die Grünanlage sei damals der Stadt zur Übernahme angeboten worden. Diese habe jedoch mit Blick auf die Folgekosten für Pflege und Instandhaltung des Geländes abgelehnt. Daraufhin sei der öffentliche Zutritt nicht mehr zu gewährleisten gewesen, sagt der Sprecher von Hessenwasser. Die unpopuläre Entscheidung hatte Bürger und Stadtteilpolitiker auf den Plan gerufen. Der für Sachsenhausen zuständige Ortsbeirat 5 unternahm mehrere Vorstöße, um eine Wiederöffnung zu erreichen. Allesamt vergebens. Auch eine Initiative aus dem Jahr 2016 scheiterte.

          Der Allgemeinheit gemeinhin verborgen: Eingangs-Bauwerke zum Wasserreservoir im Boehlepark

          Mittlerweile werde der Status quo als zementiert angesehen, heißt es bei Hessenwasser. Das Unternehmen pflegt laut Hubert Schreiber weiter die Wiesen und Bäume des Parks. Jedoch haben die Sandsteingebäude in den vergangenen Jahren Schaden genommen. Steine sind brüchig geworden, ihre Tragfähigkeit ist eingeschränkt und somit die Sicherheit für Besucher nicht mehr gewährleistet. In die sanierungsbedürftigen Gebäude müsste vor einer Wiederöffnung des Parks erheblich investiert werden. Nach Angaben des Hessenwasser-Sprechers stehen einer Freigabe des Parks zwischenzeitlich aber noch andere Gründe entgegen.

          So erwäge der regionale Wasserversorger mit Blick auf das anhaltende Bevölkerungswachstum von Frankfurt, den Standort Boehlepark „an die Bedarfsentwicklung beim Trinkwasser anzupassen“, also das Reservoir zu vergrößern. Dies gelte auch für den zweiten Hochbehälter, den Hessenwasser auf der gegenüberliegenden Seite der Darmstädter Landstraße betreibt. Einen Zeitplan hierfür gebe es aber noch nicht.

          Beispiel Wasserpark

          Welchen Freizeitwert der Boehlepark jedoch entfalten könnte, zeigt der Blick in den Wasserpark an der Friedberger Landstraße im Nordend. Das grüne Pendant gehört ebenso Hessenwasser. Auch dort ist ein Wasserreservoir untergebracht. Der Park ist jedoch frei zugänglich, kann für kleine Spaziergänge abseits der vielbefahrenen Ausfallstraße genutzt werden. Der Park ist ein Geheimtipp für jeden Bürger, der den benachbarten und zumeist überfüllten Günthersburgpark meiden möchte. Auch bietet der Wasserpark seit zwei Jahren einen Wasserlehrpfad, der besonders Schulklassen als Ausflugsziel dient.

          Auch angesichts dieses positiven Beispiels wird beim städtischen Grünflächenamt der Umgang mit dem Boehlepark durchaus bedauert. Die stellvertretende Amtsleiterin Heike Appel schwärmt von der „verwunschenen Atmosphäre im Park“ und vor allem von dessen prachtvollen Betriebsgebäuden. Die Sanierungskosten seien aber zu hoch, sagt auch sie. Auch wäre der Bau einer Toilettenanlage zwingend notwendig, was die Kosten noch weiter nach oben treiben würde. Zum Schutz vor Vandalismus müsste der Park zudem nachts verschlossen bleiben.

          Aus Sicht der Stadt wäre derzeit allenfalls ein Zugang für Gruppen-Führungen denkbar, sagt Appel. Letztlich böten sich zur reinen Naherholung aber auch in unmittelbarer Nachbarschaft zum Boehlepark andere Optionen an. Der Stadtwald ist nur einen Steinwurf weit entfernt.

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