https://www.faz.net/-gzg-zpty

Palmengarten : Neue Hallen für Palmen und Schmetterlinge

Stillstand auf der 35-Millionen-Euro-Baustelle: das Gesellschaftshaus Bild: F.A.Z. - Frank Röth

Der Umbau des Gesellschaftshauses im Palmengarten verzögert sich und wird teurer. Aber auch ein neues Schauhaus soll gebaut und die Ökobilanz verbessert werden.

          3 Min.

          Den Rosengarten haben die Besucher längst zurückerobert. Seit diesem Frühling sind die Beete neu angelegt, akkurat eingefasst und mit herrlich duftenden Rosen bepflanzt. Mit diesem Projekt also ist der Palmengarten fertig – rund 200.000 Euro hat der neue Rosengarten gekostet.

          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

          Stillstand herrscht allerdings auf der derzeit größten Baustelle: Die Umgestaltung des Gesellschaftshauses, das rekonstruiert und mit einem Anbau des Architekten David Chipperfield versehen werden soll, um danach als Restaurant und Veranstaltungsort unter der Leitung von Johnny Klinkes „Tigerpalast“ zu dienen, wird wohl fast 35 Millionen Euro kosten. Und obwohl schon im Herbst der Baubeginn vorgesehen war, ist außer einigen Vorarbeiten nichts geschehen.

          „Farben in der Natur“ auf 2009 verschoben

          In der vergangenen Woche hatte Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen) angekündigt, der geplante Umbau des Gesellschaftshauses werde voraussichtlich um 5,5 Millionen Euro teurer. Das liegt nicht nur an den generell gestiegenen Baukosten. Palmengarten-Direktor Matthias Jenny führt die Steigerung unter anderem darauf zurück, dass entgegen den ursprünglichen Pläne aus Gründen des Denkmalschutzes auch das Glasdach des Saales wiederhergestellt werden soll. Außerdem sollen die Fenster verstärkt werden, und die Frontseite zum Eingang Palmengartenstraße hin werde „kleinteiliger“ als zunächst vorgesehen, so Jenny: „Viele Kosten waren nicht absehbar.“ Aus den denkmalpflegerischen Überlegungen ergibt sich ein Aufschlag von 1,2 Millionen Euro. Die Mehrkostenvorlage über 5,5 Millionen Euro ist im Geschäftsgang des Magistrats.

          Bei getrennter Ausschreibung könnten die Galerien (vorne) und das Gesellschaftshaus (hinten) bald nacheinander saniert werden
          Bei getrennter Ausschreibung könnten die Galerien (vorne) und das Gesellschaftshaus (hinten) bald nacheinander saniert werden : Bild: F.A.Z. - Helmut Fricke

          Für den Palmengarten allerdings wiegt noch schwerer, dass die Umbauten sich verzögern. Denn auch das Palmenhaus und vor allem die ebenfalls sanierungsbedürftigen Galerien sind davon betroffen. Eine wichtige Ausstellung, „Farben in der Natur“, habe schon auf 2009 verschoben werden müssen, sagt Jenny: „Wir können es uns nicht leisten, keine Ausstellungen zu veranstalten.“ Auf jeden Fall soll deshalb ein Zeltbau aufgestellt werden, wie schon für die Pyramiden-Schau im vergangenen Jahr.

          Die europaweite Ausschreibung des Gesamtprojekts Gesellschaftshaus war gescheitert: Das einzige Angebot war wegen eines Formfehlers von der Stadt abgewiesen worden. Der Bieter hatte daraufhin Einspruch bei der Vergabekammer erhoben. Noch in diesem Monat soll laut Auskunft Wendelin Friedels, des Referenten Rottmanns, eine Anhörung vor dem Oberlandesgericht stattfinden. Jenny erhofft sich nun eine abschnittsweise Ausschreibung, bei der einzelne Vorhaben vorgezogen werden könnten, etwa der Umbau der Galerien. Schon im Januar nächsten Jahres könne dieser beginnen. Wenn alles klappe, so Jenny, werde das Gesellschaftshaus 2011 fertig sein.

          Energiemanagement soll Kosten sparen

          Schon früher soll ein weiterer Bau am südwestlichen Ende des Gartens stehen: In dem von Jenny seit langem gewünschten „Merianhaus“ soll die erfolgreiche Schmetterlingsschau permanent zu sehen sein. Da Jenny keine weiteren Flächen versiegeln will, soll eine Restrukturierung der angrenzenden Glashäuser für mehr Platz sorgen. „Mit viel Glück schon Ende 2009“ könne der Bau beginnen, sagt Friedel – Jenny aber will im Sommer bauen, da alle Pflanzen ausgelagert werden müssten. Zu einer Großbaustelle solle der Garten jedoch nicht werden. Vielleicht also wird es doch 2010, bis das Schmetterlingshaus errichtet ist: Rund zwei Millionen Euro hat Rottmann für den Bau im Haushaltsentwurf vorgesehen. Er soll das alte Blütenhaus ersetzen, das laut Jenny „energetisch eine mittlere Katastrophe“ ist.

          Überhaupt wird demnächst einiges investiert, damit der Palmengarten nicht weiter „halb Frankfurt heizt“: Beträchtliche Sanierungen, etwa der Fenster und der klemmenden Türen, sollen im Tropicarium schon jetzt beginnen – bei laufendem Betrieb. Die Kosten dürften laut Jenny „jenseits der Millionengrenze“ liegen. Schließlich sind die Anlagen zum Teil 20 Jahre alt. Dass es der Umweltdezernentin und dem Garten ernst ist mit der Umstrukturierung nach ökologischen Kriterien, zeigt sich auch in drei neuen Ingenieur- und Technikerstellen:

          Ein eigenes Gebäude- und Energiemanagement soll Kosten sparen und Aufgaben neu verteilen. Schließlich können, auch dank der neuen städtischen Buchführung, Investitionen und Abschreibungen anders geplant und verwaltet werden. „Einen Palmengarten als Passivhaus“ werde man wohl nicht bekommen, so Friedel. Aber einen „Investitionsstau“, wie er nun schon seit Jahren herrscht, wird es vielleicht bald nicht mehr geben. Hofft Jenny.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Schock für viele Bauherren: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz stellt die Förderung energieeffizienter Gebäude durch die KfW vorläufig ein.

          Gebäudeförderung : Habecks Manöver

          Die staatliche Förderung für energieeffiziente Gebäude quasi über Nacht einzustellen, lässt Zehntausende im Land frustriert zurück. Es hätte eine bessere Alternative gegeben.