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Orbán und Europa : Die Freiheit, die wir meinen

  • -Aktualisiert am

Fühlt sich zu Höchstem berufen: der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán Bild: Reuters

Infantile Appelle geben Auskunft über die Charakterzüge von Viktor Orbáns Machtausübung: Nirgendwo in Europa werden die Begriffe Freiheit und Souveränität so systematisch sinnentleert wie in Ungarn. Ein Gastbeitrag.

          6 Min.

          Auf der Busfahrt zur Universität dröhnen mir Lügen und Hetze von den Litfaßsäulen und den Hauswänden durchs Fenster entgegen. Ich lebe in einer Stadt, in der Plakate zum Stadtbild gehören, die an die schrecklichsten Zeiten des 20. Jahrhunderts erinnern. Sie sind wie die Karyatiden an den Fassaden, die Nymphen, Ungeheuer, Pan- und Poseidonköpfe, Teil des urbanen Raums. Wer hier aufgewachsen ist, dem bleibt kaum etwas anderes übrig, als dem Schwindel gegenüber indolent zu werden, von dem er früher nicht einmal einen Bruchteil ertragen hätte. Hier werden die nächsten und übernächsten Phasen der Anpassung, des Opportunismus, des Sich-Abfindens zur mentalen Errungenschaft: „Man muss irgendwie über die Runden kommen.“

          Es ist früher Morgen. Resignierte, müde Blicke der Insassen. Würden sie sprechen, würden sie darum bitten, in Ruhe gelassen zu werden. Die Bitte würde gereizt klingen, aggressiv. Ich kenne sie allzu gut, diese halb verschluckten Wörter, und ich gehöre zu diesen betretenen Gesichtern.

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