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Opernturm : 170 Meter in Crème Royale

Vorwärts: Der Opernturm als neues Mitglied des elitären Clubs der Riesenhochhäuser Bild: F.A.Z. - Wolfgang Eilmes

Es ist eine der größten Baustellen der Stadt: der Opernturm im Herzen Frankfurts. Das Hochhaus, das rund 170 Meter hoch wird, ist zügig gewachsen. Die Fassadenbauer sind bereits im achten Geschoss angelangt.

          Baustellengebärdensprache zu dolmetschen ist für Kranführer Wlodzimierz Hirsz ein Leichtes. Ein Kollege in grüner Latzhose deutet nach oben und beschreibt mit dem Finger einen Kreis. Der Kranführer und der Arbeiter verstehen sich ohne Worte. Das müssen sie auch, denn nicht nur etliche Meter trennen sie, sondern auch eine Wolke aus Lärm und Geschrei steht zwischen ihnen. Hirsz lehnt sich im Führerhaus des roten Krans zurück, bewegt einen Hebel, und schon schwebt das Fassadenelement aus Naturstein und Glas nach oben. Für den Kranführer aus Danzig ist das Routine. Etwa 20 dieser Elemente hat er jeden Tag am Haken. Drei Monate wird er hier arbeiten. Dann geht es für den polnischen Wanderarbeiter weiter, auf eine andere Baustelle.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gegenüber der Alten Oper liegt eine der größten Baustellen der Stadt. Bis Ende 2009 wächst hier der von Christoph Mäckler entworfene Opernturm, der Bauherr ist die internationale Projektentwicklungsgesellschaft Tishman Speyer. 31 000 Quadratmeter sind bisher an die UBS-Bank vermietet, die 2010 in die oberen Geschosse einziehen wird. Das Hochhaus, das 170 Meter hoch wird, ist zügig gewachsen. Gemessen an der Höhe, ist die Halbzeit schon überschritten: Derzeit wird am 23. Geschoss gewerkelt, 42 Geschosse sollen es einmal werden. Vier bis fünf Tage dauert es, bis die Kletterplattform, die die Grenze markiert, eine Etage höher gestiegen ist.

          Jedes Element muss beim ersten Versuch passen

          Die Tür des Fahrstuhls schließt sich ratternd. Der orangefarbene Korb rumpelt an der Außenseite des Opernturms nach oben, begleitet von einem leichten Luftzug. Im achten Obergeschoss bremst der Fahrstuhl ab. Auf dieser Höhe nehmen gerade zwei Arbeiter das Fassadenelement in Empfang, das Hirsz eben noch am Kranhaken hatte. Mittlerweile hängt es an einer Metallschiene, die, im 15. Stockwerk befestigt, die einzelnen Fassadenelemente zu ihrem Bestimmungsort verschiebt.

          Himmelwärts: Gegenüber Pegasus auf dem Dach der Alten Oper

          Die Arbeiter knien auf dem Boden und ziehen das Fassadenelement mit Sauggriffen in die richtige Position. Dann geben sie ein Kommando. Ein Stockwerk über ihnen steht ein Kollege und lässt die Fassade langsam mit einer Fernbedienung hinab, bis sie in der Verankerung sitzt. Auf diese Weise werden die einzelnen Elemente am Rohbau befestigt. Jedes Stück muss beim ersten Versuch passen. Sonst muss das Fassadenelement wieder herabgelassen werden, und es droht ein Arbeitsausfall von einem Tag.

          Auch im achten Obergeschoss des Opernturms ist Polnisch die Arbeitssprache. Carsten Arnold, Fachbauleiter der Fassadenbaufirma Gartner, die die 55 000 Quadratmeter große Fassade am Opernturm montiert, schwört auf die Arbeitsmoral der osteuropäischen Nachbarn. „Die Polen sind den Deutschen in puncto Zuverlässigkeit sehr ähnlich.“ Aber weil die Wirtschaft in der polnischen Heimat anzieht und dort die Löhne steigen, wird es schwieriger, Arbeitskräfte von dort anzuwerben: „Sie sind längst nicht mehr so günstig wie früher.“

          „Wir haben uns an der Fassade der Alten Oper orientiert“

          Aus dem achten Stockwerk öffnet sich schon jetzt ein beeindruckender Blick. Das ist zwar nichts gegen die Fernsicht, die die Mitarbeiter von UBS einige Stockwerke höher einmal erwartet. Doch auch aus dieser Höhe sind die Giebel des Westends schon von oben zu betrachten. Auf dem Opernplatz tummelt sich das Leben. Und auf gleicher Höhe ist die wunderschöne Stuckatur der Alten Oper zum Greifen nah.

          „Wir haben uns stark an der Fassade der Alten Oper orientiert“, sagt Andreas Otto, technischer Koordinator bei Tishman Speyer. Der Naturstein aus einem portugiesischen Steinbruch hat einen hellen Farbton. Muschelkalk und Korallen geben ihm diese Anmutung. Der Name klingt ein bisschen wie eine Eissorte: „Crème Royale“ heißt der Stein, der von der portugiesischen Küste stammt. 20 Prozent der Fassade des Turms sind aus diesem Material, etwa zwei Drittel sind aus Glas.

          Am Eingang zur Baustelle, neben dem Drehkreuz, an dem jeder Bauarbeiter sich ausweisen muss, laden Lastwagen jeden Tag zwei Fuhren neuer Fassadenelemente ab. Auf der engen Baustelle kann keine größere Menge gelagert werden. Die Elemente aus Glas und Naturstein sind samt Sonnenschutz, Beschlägen und Lüftungsklappen schon vormontiert. „Sonst müssten wir 5000 Teile einzeln montieren. Das auf der Baustelle in den Griff zu bekommen wäre bei dem geringen Platz das pure Chaos“, sagt Arnold. Die 2,20 mal 3,60 Meter großen Wände werden im Werk in Gundelfingen vorgefertigt, und zwar passgenau. Nur zwei Millimeter Toleranz sind erlaubt.

          Im Februar 2009 soll es die letzten Arbeiten an der Fassade geben

          Die Firma Gartner ist auf die Fassaden von Hochhäusern spezialisiert. Die meisten Frankfurter Türme, von der Commerzbank bis zum Westend Duo, haben ihre Außenhaut aus Gundelfingen an der Donau erhalten. Auch beim Bau der Elbphilharmonie in Hamburg wird Gartner dabei sein. In Hongkong, Schanghai und Taipeh war das 1300 Mitarbeiter zählende Unternehmen schon im Einsatz. Und die Doppeltürme der Deutschen Bank verwandelt das Unternehmen mit einer neuen, energieeffizienten Glasfassade in ein „grünes Gebäude“, wie die Bank wirbt.

          Im achten Stock des Opernturms müssen die Glasscheiben noch geputzt werden. Von außen werden noch die 40 Zentimeter tiefen Lisenen (die Mauerstreifen zwischen den Fenstern) befestigt. Dann ist die Fassade eigentlich schon fertig. Im August werden 150 Mitarbeiter an der Fassade beschäftigt sein. Bis Weihnachten will die Firma Gartner mit der Montage fertig sein. Die letzten Elemente sollen im 39. Stockwerk am 23. Dezember angebracht werden. Dann geht es an das aufwendige Technikgeschoss. In 170 Metern Höhe sollen die Arbeiter im Februar 2009 letzte Hand an die Fassade des Dachgeschosses legen. Eugen Tausend hat schon einige Hochhäuser wachsen sehen. „Der Westhafen, der Skyper – das waren alles meine Bauwerke“, sagt der gemütliche Mann aus Gundelfingen, der die Montage leitet. Auch beim Messeturm war er dabei. Dennoch wird ihm sein Beruf nicht langweilig: „Jedes Hochhaus ist anders.“

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