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Opernball Frankfurt : Küßchen von Miss World, Small talk mit Geraldine Chaplin

  • -Aktualisiert am

Viel Prominenz beim Opernball: Stargast Gloria Gaynor Bild: AP

Beim Frankfurter Opernball waren Stars wie Chris de Burgh und Gloria Gaynor hautnah zu erleben. Berührungsängste gab es keine. Auch randalierende Linksextreme konnten einen nahezu perfekten Abend nicht stören.

          Die schönste Szene des Abends spielt sich kurz vor Mitternacht auf der Bühne im Großen Saal ab. Chris de Burgh, eigentlich nur normaler Gast des Opernballs, kniet mit Blumen vor Gloria Gaynor und singt den Refrain seines größten Hits "Lady in Red" für die Disco-Queen in der roten Bluse.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gaynor, die das Publikum eben noch mit ihren eigenen Liedern von den Sitzen gerissen hat, ist gerührt, und der Opernball hat einen jener ungekünstelten Momente, die ihn aus der Vielzahl der großen Galas in Deutschland herausheben.

          Berührungsängste gibt es nicht

          Wo sonst ist es einem durchschnittlich aussehenden Mann möglich, einer "Miss World" Blumen in die Hand zu drücken, sich zum Dank von ihr auf die Wange küssen und sich dann auch noch mit ihr im Arm fotografieren zu lassen?

          Begehrtes Fotomotiv: „Miss World” Rosanna Davison, Tochter des irischen Popsängers Chris de Burgh

          Wo kann sich ein Gast zu später Stunde neben einen Weltstar wie Chris de Burgh an den Tisch setzen und zehn Minuten lang über Rugby und die IRA diskutieren? Berührungsängste gibt es beim Frankfurter Opernball nicht.

          „Einfach ein wundervolles Erlebnis“

          Junge Männer, das Cocktailglas mit Strohhalm in der Hand, flanieren zu später Stunde locker-lässig durch die Tischreihen. Links läßt die Frau des ehemaligen Schweizer Botschafters in Berlin, Shawne Borer-Fielding, ihren tiefen Ausschnitt blitzen, rechts grüßt der Ex-SPD-Vorsitzende, Ex-Bundesverteidigungsminister und künftige Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, Rudolf Scharping, mit der erhobenen Rechten huldvoll in die Runde, und auf der Tanzfläche schwingt eine gut Sechzigjährige in grauem Rock, pinkfarbener Bluse und mit Sonnenbrille die Hüften.

          Arabella Kiesbauer, Moderatorin des Wiener Opernballs, ist voll des Lobes für die deutsche Konkurrenz. "In Wien arbeite ich, hierher komme ich zum Privatvergnügen." Für Weltstar Geraldine Chaplin, mit ihrem Mann zum dritten Mal in Folge Gast in Frankfurt, ist der Ball "einfach ein wundervolles Erlebnis".

          Tischgeplauder

          "Einen deutschen Ball genehmige ich mir jedes Jahr", sagt Lebkuchenkönig Hermann Bühlbecker, Alleininhaber der Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Lambertz, "und der Frankfurter ist einfach der beste."

          Chaplin schwärmt von ihrem Vater, dem großen Charles, und von den Gemälden ihres Ehemanns. Deutschlands Musical-König Uwe Kröger erzählt von den Proben zu "Die drei Musketiere" im Berliner "Theater des Westens", wo er allerdings keinen der Helden, sondern Kardinal Richelieu spielt ("Eine schöne, intrigante Rolle").

          Wettbewerb um die schmalste Taille

          Der Ministerpräsident freut sich, daß er in Chris de Burgh einen kenntnisreichen Weinliebhaber und in dessen Tochter, "Miss World" Rosanna Davison, eine der attraktivsten Frauen des Abends als Tischnachbarn bekommen hat; zudem ist Kochs Frau Anke seit langem Fan des irischen Barden.

          Fernsehärztin Antje-Katrin Kühnemann und Rudolf Scharpings Frau Kristina Gräfin Pilati konkurrieren im Wettbewerb um die schmalste Taille.

          Zwischen 130 und 600 Euro

          2300 Gäste erleben am Samstag das Spektakel in der Alten Oper unter dem Motto "Viva la Vita". Die Karten kosten zwischen 130 und 600 Euro, aber der Ball ist wie immer ausverkauft.

          Rund 800 Frauen und Männer sorgen hinter und neben den Kulissen für einen reibungslosen Ablauf; fast 200 Künstler, Jongleure, Musiker, Tänzer und Zauberer, eine Wahrsagerin und Tattoo-Maler unterhalten die Gäste auf den Fluren, 72000 Blumenblüten schmücken die Säle.

          Traditionelle Tombola mußte ausfallen

          Gloria Gaynor ("I will survive", "Never can say good-bye") legt auf der Bühne den stärksten Frauenauftritt seit Shirley Bassey hin, und im obersten Stock geht bei der Disco wie immer die Post ab. Wer nicht nur tanzen möchte, kann zum Beispiel zwischen Steinbutt mit Olivenöl und Kräutern, Rinderfilet oder Tagliatelle mit Trüffelsauce wählen.

          Ein paar enttäuschte Gesichter gibt es, weil die traditionelle Tombola mangels attraktiver, gespendeter Gewinne diesmal ausfallen muß.

          Ein Beamter und zwei Randalierer verletzt

          "Luxus für alle" und "freien Eintritt zum Opernball" fordern die nach Angaben der Polizei rund 250 linksextremen Demonstranten vor dem Gebäude. Als sie versuchen, die Absperrungen zu durchbrechen, schreitet die Polizei ein.

          Zwei Wasserwerfer fahren auf, es gibt Rangeleien zwischen Polizisten und Protestierenden. Ein Beamter und zwei Randalierer werden einem Polizeisprecher zufolge durch Bisse von Polizeihunden verletzt, acht Demonstranten werden vorübergehend festgenommen. Einige Gäste, die zu Fuß zur Alten Oper kommen, werden angepöbelt und angerempelt.

          Roland Koch nimmt den Seiteneingang

          Ministerpräsident Koch und der hessische Innenminister Volker Bouffier ziehen es vor, durch einen Seiteneingang in die Alte Oper zu gelangen. Er habe kein Interesse daran, die Situation durch seine Vorfahrt eskalieren zu lassen, sagt Koch anschließend.

          "Mir fällt kein Zacken aus der Krone, wenn ich mal nicht durch den Haupteingang komme." Auch Bouffier nimmt die Proteste gegen die Gala, deren Erlös den "Special Olympics" für geistig Behinderte zugute kommt, gelassen: "Wenn der Ball nicht stattfinden würde, wäre nichts gewonnen, aber die Region hätte eine Menge verloren."

          Veranstalter Manfred Pasenau sieht seinen Ball durch die Demonstranten sogar geadelt. "Irgendwie heißt das ja auch: Wir werden wichtig genommen."

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