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Opernball 2010 : Delon als Rosenkavalier - J.R. als Turnschuh-Mephisto

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Wer tanzt da so beschwingt durch Licht und Nacht? Wer sich durchklickt, findet die Antwort! Bild: Wonge Bergmann

Einmal im Jahr hat Frankfurt die Chance, Stoff für die Klatschpresse zu liefern. Beim 28. Deutschen Opernball war wieder so weit. Von Patricia Andreae und Wonge Bergmann (Fotos)

          3 Min.

          Rote Rosen sind ja an sich schon ein Geschenk, das Frauenherzen höher schlagen lässt. Wenn sie aber von einem Galan überreicht werden, der einst so umschwärmt war wie heute Brad Pitt und George Clooney zusammen, dann schmilzt sogar eine gestandene Rock-Lady dahin. Oder wenigstens kokettierte Bonnie Tyler damit, als der Vierundsiebzigjährige sie nach ihrem Auftritt herzte: „Oh no, er hat mich geküsst!“, sagte die 16 Jahre Jüngere und verdrehte die Augen.

          Mit ihren Hits aus den Siebzigern hatte sie den mehr als 2000 Ballgästen zuvor ordentlich eingeheizt. Lieder wie „It's a Heartache“, „Lost in France“, „To Love Somebody“ oder „Total Eclypse of the Heart“ fanden vielstimmiges Echo im Publikum. Doch nicht alle riss es vor Begeisterung von den Stühlen, manchen war es einfach zu laut. So ließ auch der Frankfurter Ehrenbürger Bankier Friedrich von Metzler seine Frau Silvia mit Sohn Franz und Tochter Elena im Parkett zurück und flüchtete zum Plaudern mit Bekannten in die oberen Ränge der Alten Oper.

          „Ganz toll, Bonnie reißt es immer noch“

          Doch selbst dort musste er wie viele andere feststellen, dass der zuweilen etwas schrille Klang der „Rockröhre“ und ihrer Band bis in den letzten Winkel des Großen Saals vordrang und auch manch anderen Gast in die Foyers vertrieb. Vor der Bühne aber gab es reichlich Begeisterung. So mancher lächelte selig und fühlte sich scheinbar auf den Abschlussball der Tanzstunde zurückversetzt. Und selbst der 79 Jahre alte Mario Adorf war beeindruckt: „Ganz toll, Bonnie reißt es immer noch.“

          Alles in lila: Blick auf das Opernball-Publikum
          Alles in lila: Blick auf das Opernball-Publikum : Bild: Wonge Bergmann

          Weniger glücklich war Adorf offenbar, den Abend in einem Raum mit Dieter Wedel verbringen zu müssen. Der Schauspieler pflegt eine Intimfeindschaft mit dem Regisseur, mit dem er einst so erfolgreich zusammengearbeitet hat. Protokollchef Dieter Beine hatte deshalb seine liebe Mühe mit der Sitzordnung am Tisch von Ministerpräsident Roland Koch gehabt, denn dort musste Wedel so plaziert werden, dass er keinen Blickkontakt mit Adorf haben konnte. Auch das wurde elegant gelöst, und so plauderte der gebürtige Frankfurter in munterer Runde mit Oberbürgermeisterin Petra Roth oder dem ehemaligen Wirtschaftsweisen Bert Rürup.

          Die Wirtschaft war überhaupt wieder gut vertreten mit Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte, Sparkassenoberhaupt Gerhard Grandke, dem Banker und Frankfurter Stadtrat Lutz Raettig, Deutsche Bank-Vorstandsmitglied Rainer Neske, Helaba-Vorstandschef Hans-Dieter Brenner, Binding-Vorstand Otto Völker, Messe-Chef Michael von Zitzewitz sowie Hotelbesitzerin Anne-Marie Steigenberger, die mit dem früheren Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann kam. Denn auch wenn manch Klatschreporter gerne mehr Prominenz, möglichst direkt aus Hollywood, vor die Linse bekommen hätte, waren auch so wieder reichlich bekannte Gesichter zu sehen: von der schier alterslosen Fernsehärztin Antje-Katrin Kühnemann in hellrosa Traumrobe (Größe 34) über Nonstop-Moderator Dieter Thomas Heck (zum 28. Mal dabei), Milliardärswitwe Ingrid Flick, Modemacher Otto Kern, die Serien-Stars Katerina Jacob, Daniela Ziegler und Mark Keller bis zu Dallas-Ekel J.R. alias Larry Hagman, der die Reporter mit dem Zitat beglückte: „Ich bin nicht im Ruhestand, ich bin nur arbeitslos.“

          „Mir fehlt nur Guttenberg“

          Nur gut, dass Guido Westerwelle das nicht gehört hat, er hätte es sicher in die nächste Hartz-IV-Debatte eingebracht. Sein Amtsvorgänger in der FDP, Wolfgang Gerhardt, wollte darauf lieber nicht angesprochen werden. Politik war an diesem Abend kein Thema. Und auch das Getuschel um Absagen von Prominenten schien die Gäste wenig zu interessieren. „Mir fehlt nur Guttenberg“, sagte einer am Weinstand. Und er wollte damit wohl ausdrücken, dass das eleganteste Mitglied des Berliner Kabinetts gut in diesen Rahmen gepasst hätte.

          Eine langatmige Preisverleihung zu Ehren von Al Martino aber hat sicher niemand vermisst, die jedoch hatten Al Pacino und Andy MacDowell zur Bedingung für ihr Kommen gemacht und kurzfristig auch noch einen Privatjet verlangt. Daraufhin hat Ballveranstalter Manfred Pasenau sie schweren Herzens von der Gästeliste gestrichen. Dass dann auch noch Moderatorin Christine Kaufmann wegen einer Erkältung ausfiel, war Pech. Deren Tochter Allegra Curtis durfte daraufhin etwas Bühnenerfahrung sammeln und einen Hauch von Hollywood-Glanz verströmen, wirklich nötig war das nicht. Das durch das Motto hochgesteckte Ziel „Eleganz und Harmonie“ hat der Ball beim Publikum ohnehin erreicht.

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