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Städtische Bühnen : „Gute Schauspieler. Punkt. Lange Pause“

„Schöner geht´s nicht“: Oliver Reese hält den Standort der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz für ideal. Bild: Birgit Hupfeld

Antike und Gegenwart: Ein Gespräch mit Schauspiel-Intendant Oliver Reese vor dem Beginn seiner letzten Spielzeit in Frankfurt.

          Wer aus dem Intendantenbüro von Oliver Reese nach draußen schaut, hat ein urbanes Ambiente vor Augen. Städtische Verdichtung einerseits, das Grün am Anlagenring andererseits, Hochhaussockel in unmittelbarer Nähe und hochaufragende Wolkenkrater in der Ferne. Die Theaterdoppelanlage, wie das Gebäude der Städtischen Bühnen wenig poetisch genannt wird, liegt an zentraler innerstädtischer Stelle. „Dieser Standort“, sagt der Schauspiel-Chef, „ist mit keinem Neubau aufzuwiegen.“

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Diskussion um die Sanierung von Sprech- und Musiktheater, um den temporären oder womöglich dauerhaften Wechsel von Oper und Schauspiel anderswohin betrifft ihn nur am Rand. Denn er steht vor seiner letzten Saison in Frankfurt, und diese wird ebenso wie die anderen sieben Spielzeiten, für die er in der kleinen Großstadt am Main für das Schauspiel verantwortlich war, in Ruhe über die Bühnen gehen. Aber aus seiner Meinung macht er keinen Hehl: „Ich fände es fahrlässig, wenn man den Standort preisgeben würde, um ein Filetgrundstück gewinnbringend an den Investor zu bringen. Schöner als hier geht’s nicht.“

          Reese ist nicht für den Totalabriss

          Das Theater, sagt er, brumme auch deshalb so, weil es mitten in der Stadt liege. „Frankfurt tickt da anders als Berlin. Schon das Bockenheimer Depot hat es schwer, wahrgenommen zu werden. Bocckenheim ist kein Zentrum, Bockenheim ist nicht Charlottenburg, und die Leipziger Straße ist nicht der Ku’damm.“ Aber nicht nur die Lage der Bühnen hält Reese für optimal. Er schätzt auch die Größe des Schauspielhauses, von dem manche meinen, es sei schwierig, dort zu inszenieren. „Regisseure, die’s draufhaben, sind sehr glücklich damit. Hier kann man Cinemascope machen.“ Auch aus einem anderen Grund findet er einen Totalabriss nicht sinnvoll. Viele Teile des Gebäudes seien bestens in Schuss. „Ich habe die Eröffnung des Werkstattneubaus miterlebt, die Sanierung der Obermaschinerie, eine perfekte Untermaschinerie habe ich schon vorgefunden.“

          Und doch weiß er, dass eine Sanierung unumgänglich ist. „Ein großes Problem sind die Wasserleitungen, ein anderes ist die Klimaanlage, die überhaupt nicht mehr zu betreiben ist, weil man nicht einmal mehr die Kühlmittel dafür kaufen kann.“ Außerdem müsse die gesamte Glasfront herausgerissen werden. „Es fallen Platten von den Wänden, bei jedem Starkregen stellen wir 20 Eimer in den Gang, weil es durch die Decke tropft.“

          „Wir haben eigene Stars kreiert.“

          Reese hat im Lauf seiner Frankfurter Jahre eine kontinuierliche Steigerung der Zuschauerzahlen erreicht. In der vorigen Saison kamen etwa 190 000 Besucher zu zirka 700 Vorstellungen. „Die Leute haben uns die Bude eingerannt, obwohl wir überhaupt nicht kompromisslerisch sind.“ Gibt es ein Rezept für diesen Erfolg? „Ich glaube ja. Gute Schauspieler. Punkt. Lange Pause.“ Er habe für Frankfurt vor sieben Jahre das Motto ausgegeben: „Der Schauspieler steht im Mittelpunkt des Theaters.“ Es habe sich herausgestellt, dass dies die richtige Botschaft gewesen sei. „Wir haben keine Stars nach Frankfurt eingeflogen, sondern eigene Stars kreiert.“ So sei Konstanze Becker beispielsweise in Frankfurt hochbeliebt. „Wir haben Schauspieler, wegen denen man ins Theater geht, und dann schaut man sich auch einmal ein neues Stück an, in dem sie spielen.“

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