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50 Jahre OLG-Mitarbeiter : „Bombendrohungen waren an der Tagesordnung“

Mit 17 Jahren ging er zur Ausbildung ans Amtsgericht Offenbach: Jetzt blickt Jürgen Retzel aus der Rente zurück auf viele Jahrzehnte in der Justiz. Bild: Ilkay Karakurt

Fast 50 Jahre lang hat Jürgen Retzel am Oberlandesgericht Frankfurt gearbeitet. Dort hat er RAF-Prozesse erlebt, Kriegsverbrecher, digitalen Wandel, eine Justiz unter Druck. Die Zeit hat ihn einiges gelehrt.

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          Jürgen Retzel kommt nicht weit. Nicht einmal in den Aufzug schafft er es, ohne aufgehalten zu werden. „Ach, was machen Sie denn hier? Wie schön!“ Oben im 6. Stock dann auch wieder großes Hallo. Direkt neben dem Eingang in den Flur des Oberlandesgerichts ist sein altes Büro, da sitzt jetzt Frau Müller. Viele Jahre lang war das seine Aussicht: Auf das Parkhaus am Gericht. „Nicht unbedingt der schönste Ausblick“, sagt Retzel und lacht. Aber daheim hat er sich gefühlt.

          Anna-Sophia Lang
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit 17 Jahren begann seine Karriere in der Justiz. Vater und Onkel arbeiteten bei der Deutschen Post, es herrschte ein gewisser Druck, einen guten Beruf im öffentlichen Dienst zu erlernen. Fünf Bewerbungen schickte der junge Retzel los, fünf Zusagen bekam er. Die erste kam vom Amtsgericht Offenbach. In einer Zeitungsannonce hatte es für die Ausbildung zum Justizangestellten geworben. Damit war die Sache besiegelt. Zwei Jahre später, 1975, kam er als Schreibdienst ans OLG nach Frankfurt. Von da an nahm er von Offenbach-Bieber aus erst den Bus und dann die Tram zum Südbahnhof, stieg dort in die nächste Tram um. Eigentlich, sagt Retzel, wäre er gern in seiner Heimatstadt geblieben. Das Amtsgericht sei wie eine große Familie gewesen, überschaubar. Dagegen war am OLG alles riesig.

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