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Investitionen : Ein Jahrzehnt des öffentlichen Nahverkehrs

Ausbau: Der Verkehrsdezernent kündigt eine „Investitionsoffensive“ für den öffentlichen Nahverkehr in Frankfurt an Bild: Maximilian von Lachner

In den öffentlichen Nahverkehr in Frankfurt soll in den nächsten Jahren viel investiert werden. Wichtigstes Projekt ist der Lückenschluss der U4. Für Diskussionen sorgt die mögliche Untertunnelung von Parkanlagen.

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          In Frankfurt wird sich in den nächsten Jahren viel zugunsten des öffentlichen Nahverkehrs verändern. Vor allem wird es zahlreiche neue Schienenprojekte geben. „Dieses Jahrzehnt wird ein Jahrzehnt des Bauens und der Inbetriebnahme“, kündigt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) an. Der öffentliche Nahverkehr in Frankfurt stehe vor einer „Investitionsoffensive“. Zu den geplanten Projekten gehören kleinere Vorhaben wie die geplante Reaktivierung von Straßenbahn-Betriebsstrecken, um Praunheim und Hausen direkt mit der Messe und dem Hauptbahnhof zu verbinden, und Großprojekte wie die Fertigstellung der U-Bahn-Strecke ins Europaviertel, die nach Angaben des Stadtrats 2024 in Betrieb gehen soll.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Als „wichtigstes Projekt“ für den innerstädtischen öffentlichen Nahverkehr sieht Oesterling den geplanten Lückenschluss der U4 zwischen der Bockenheimer Warte und der Endhaltestelle in Ginnheim. Denn der soll, darüber ist man sich in der Stadtregierung einig, den Uni-Campus Westend mit seinen derzeit 30 000 Personen, die auf dem Gelände studieren, forschen und arbeiten, anbinden. Damit werde eine hochattraktive Verbindung zwischen dem Uni-Campus und dem Hauptbahnhof geschaffen, schließlich sei für diese Strecke mit einer Fahrzeit von nur sechs Minuten zu rechnen, sagt der Stadtrat.

          Nach den Prognosen sei zwischen dem Uni-Campus und der Bockenheimer Warte mit einer sogenannten Querschnittsbelastung von mehr als 70.000 Fahrten am Tag zu rechnen, teilt Oesterling mit. Das mache die neue Strecke zu einer der wichtigsten im Frankfurter U-Bahn-Netz. Darüber hinaus bekäme die nördlich des Campus gelegene Bundesbank mit ihren mehreren tausend Beschäftigten erstmals überhaupt eine attraktive Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

          Keine Bedenken gegen Untertunnlung

          Für Oesterling gibt es offensichtlich keinerlei Bedenken, für diese neue U-Bahn-Strecke Parkanlagen wie den Palmengarten mitsamt Botanischem Garten sowie den historischen und unter Denkmalschutz stehenden Grüneburgpark zu untertunneln. Der Stadtrat teilt mit, dass er „keine Probleme mit der Grundwasserhaltung unter dem Grüneburgpark im Zusammenhang mit dem Tunnelbau erwartet“.

          Das sehen die Grünen, Koalitionspartner von CDU und SPD im Römer, anders. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) fordert die Prüfung einer Alternativ-Trasse zur Untertunnelung der Parks. Sie regt an, die neue Trasse von der Bockenheimer Warte unter der Bebauung des Westends hindurch zu führen und so die Grünanlagen zu schützen. Daneben lässt Heilig derzeit prüfen, welche Auswirkungen eine Untertunnelung für den alten Baumbestand des Grüneburgparks hätte. Unabhängig davon lehnt die Grünen-Politikerin es ab, dass die zu einem U-Bahn-Tunnel gehörende Infrastruktur wie Belüftungen und Notausstiege innerhalb der Parks errichtet werden. „Ich bin die Dezernentin, die das Grün bewahrt“, hatte Heilig kürzlich mitgeteilt.

          Jenseits dieses wegen des Trassenverlaufs noch umstrittenen U-Bahn-Projektes weist Oesterling darauf hin, dass der Verlängerung der U 5 von Preungesheim zum Frankfurter Berg nichts mehr im Wege stehe. Eine neuerliche Nutzen-Kosten-Analyse hatte ergeben, dass die Strecke gebaut und finanziert werden kann. Die vor einigen Jahren abgebrochene Planung sei inzwischen wiederaufgenommen worden, so Oesterling. Und die rechtskräftig planfestgestellte und durch Bürgerentscheid bestätigte Verlängerung der U 2 von Gonzenheim nach Bad Homburg werde ebenfalls bald realisiert. „Damit wird eine vor 50 Jahren zerrissene Verbindung im Netz des öffentlichen Nahverkehrs in der Region wieder geschlossen.“

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          Als „Mammutprojekt“ bezeichnet Oesterling die Regionaltangente-West. Er rechnet mit einem Baubeginn innerhalb der nächsten zwei Jahre und der Inbetriebnahme des 1,1 Milliarden Euro teuren Projektes innerhalb der nächsten zehn Jahre.

          Dass alle diese Vorhaben in greifbare Nähe gerückt sind, hat mit der auch in Frankfurt angestrebten Verkehrswende zu tun. Zudem fördern Bund und Land den öffentlichen Nahverkehr stärker denn je. Oesterling erwartet entsprechend hohe Zuschüsse von bis zu 90 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten.

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