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Öffentlicher Nahverkehr : Frankfurt lehnt geplantes neues Tarifsystem des RMV ab

Fahrkarten: Mit dem neuen Tarif RMV-Smart werden fast alle Strecken deutlich teurer. Bild: dpa

Der Verkehrsdezernent warnt vor deutlich höheren Ticketpreisen. Auch die CDU ist dagegen.

          Das vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) geplante neue Tarifsystem verteuert nach Berechnungen des Frankfurter Verkehrsdezernats das Fahren mit U-Bahnen und S-Bahnen in der Mainmetropole erheblich. Deshalb hat gestern Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) klargestellt, dass Frankfurt einer Übernahme der neuen Preisstruktur in den Regelbetrieb nicht zustimmen werde. Er forderte den RMV auf, den zurzeit laufenden und auf drei Jahre angelegten Modellversuch RMV-Smart zur Erprobung der neuen Entfernungstarife abzubrechen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Damit dürfte das Vorhaben in seiner geplanten Form gescheitert sein. Denn nicht nur die Frankfurter SPD lehnt das Vorhaben ab, auch die CDU stellt sich gegen die Smart-Tarife, bei denen die tatsächlich zurückgelegte Strecke das wichtigste Kriterium bei der Preisberechnung sein soll. Ausschlaggebend dürfte sein, dass auch Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der Aufsichtsratsvorsitzender des RMV ist, die teilweise recht hohen Preissteigerungen nicht hinnehmen will, wie Oesterling gestern mitteilte. Darüber hinaus hat auch Frankfurts CDU-Vorsitzender und Stadtkämmerer Uwe Becker den RMV aufgefordert, das geplante Tarifsystem einzustampfen.

          Fast alle Strecken deutlich teurer

          Auf Anfrage sagte ein Sprecher des RMV, wenn grundsätzliche Änderung am RMV-Smart-Tarif gewünscht würden, müsse dies durch den Aufsichtsrat beschlossen werden. Zudem müsse eine solche Änderung mit der Genehmigungsbehörde, dem Regierungspräsidium Darmstadt, abgesprochen werden. Zum Beleg der von ihm monierten Preissteigerungen legte Oesterling gestern die geplante Tarifentwicklung auf der Frankfurter U-Bahn-Linie U2 vor. Bei einer Fahrt zur Hauptwache verteuern sich danach die Fahrpreise für Fahrgäste aus Nieder-Erlenbach von 2,80 Euro auf 5,74 Euro. Steigt man in Bonames ein, würde ein Ticket nach dem Smart-Tarif künftig statt 2,80 Euro dann 4,52 Euro kosten, von Heddernheim zur Hauptwache immerhin noch 3,45 Euro und von der Hügelstraße dorthin 3,11 Euro. Lediglich von der Miquel-/Adickesallee ins Zentrum würde der Preis von 2,80 Euro auf 2,67 Euro sinken. Bei den folgenden drei Stationen Holzhausenstraße, Grüneburgweg und Eschenheimer Tor würde er dagegen wieder steigen, weil es keine Kurzstrecke mehr gäbe.

          Auch im S-Bahn-Verkehr würden die Tickets sich nach Angaben Oesterlings teurer. Statt wie bisher 2,80 Euro würde die Fahrt von Sindlingen zur Hauptwache 4,63 Euro kosten, von Höchst dorthin 4,20 Euro, von Rödelheim 3,43 Euro und vom Westbahnhof 3,22 Euro. Dagegen sänke der Preis für eine Fahrt vom Buchrainplatz in Oberrad zum Marktplatz Offenbach mit der Straßenbahn oder dem Bus von 4,65 Euro auf 4,04 Euro. Der durch den Smart-Tarif beabsichtigte Abbau der Tarifsprünge, etwa zwischen Frankfurt und Offenbach, falle weit geringer aus als erwartet, sagte Oesterling dazu.

          „Der RMV-Smart-Tarif ist verkehrspolitisch falsch“

          Der Verkehrsdezernent sprach von „deutlichen bis dramatischen Preissteigerungen“, die nicht vermittelbar seien: „Der RMV-Smart-Tarif ist verkehrspolitisch falsch.“ Mit einer solchen Tarifstruktur würde der RMV unzählige Fahrgäste verprellen. Oesterling geht davon aus, dass die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung demnächst über einen Antrag abstimmen werde, in dem der Magistrat aufgefordert werde, in der Sache aktiv zu werden. Der RMV sei gut beraten, das Vorhaben nicht gegen den Willen Frankfurts weiterzuführen.

          Oesterling wies darauf hin, dass Beschlüsse im RMV-Aufsichtsrat einstimmig gefällt werden müssen. Einen neuen Anlauf für RMV-Smart kann es nach Meinung des Frankfurter Verkehrsdezernenten nur geben, wenn die Parameter der Preisgestaltung so verändert würden, dass es nicht mehr zu exorbitanten Preissteigerungen komme. Eine andere Möglichkeit sei es, sich an Tarifgrenzen mit hohen Tarifsprüngen bilateral zu einigen und Nachbarschaftstickets einzuführen.

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