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Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt : Unbedingter Wille zum Amt

Die Gesten stimmen schon: Michael Paris will für die SPD Frankfurt ebenso OB-Kandidat werden... Bild: dapd

Die SPD geht nicht gerade als Favoritin in das Rennen um den Frankfurter Oberbürgermeisterposten, der in zwei Jahren neu zu besetzen ist. Nicht einmal die Bewerber um die Oberbürgermeisterkandidatur finden den Beifall der eigenen Führung.

          Die SPD geht nicht gerade als Favoritin in das Rennen um den Frankfurter Oberbürgermeisterposten, der in zwei Jahren neu zu besetzen ist. Das Abschneiden bei der Kommunalwahl im März war mit rund 21 Prozent ein Desaster, und nach der Niederlage haben die Genossen nicht die Kraft für einen Neuanfang aufgebracht. Nicht einmal die Bewerber um die Oberbürgermeisterkandidatur finden den Beifall der eigenen Führung.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Dabei haben beide, was sich noch als großer Vorteil erweisen könnte: Sowohl der ehrenamtliche Stadtrat Michael Paris als auch der Stadtverordnete Peter Feldmann brennen vor Ehrgeiz. An ihrer Eignung für den schönen, aber auch sehr kräftezehrenden Job mögen Zweifel bestehen, die sie auch mit ihren jüngsten Interviews nicht ausräumen konnten. Aber dass sie unbedingt Oberbürgermeister werden wollen, steht außer Frage.

          Sollte sich Rottmann gegen eine Kandidatur entscheiden, stünden die Frankfurter Grünen ziemlich blank da

          Bei den Grünen sieht es anders aus. Ihnen fehlt ein Kandidat, der das Amt mit aller Macht anstrebt, so wie etwa die erfolgreichen Parteifreunde Michael Korwisi in Bad Homburg und Jochen Partsch in Darmstadt. Hoch gehandelt wird Umweltdezernentin Manuela Rottmann, doch hat sie bisher jede Festlegung vermieden. Dahinter steckt offenkundig nicht die Überlegung, dass es noch reichlich früh für eine Kandidatur ist – vielmehr scheint Rottmann nicht sicher zu sein, ob sie das Amt anstreben soll.

          ...sein Parteifreund Peter Feldmann

          Sollte sich Rottmann gegen eine Kandidatur entscheiden, stünden die Frankfurter Grünen ziemlich blank da. Spätestens im Frühjahr 2012 müsste der Kandidat gekürt sein. Kurzfristig einen Prominenten aus Wiesbaden oder Berlin zu verpflichten, wäre schwer, da alle größeren Kaliber mit interessanten Aufgaben auf Landes- und Bundesebene rechnen können.

          Sollte Rhein verzichten, käme Kämmerer Uwe Becker zum Zug

          In der CDU ist die Situation noch komplizierter. Der Parteivorsitzende Boris Rhein ringt offenkundig noch mit sich, ob er in die Kommunalpolitik zurückkehren soll. Die Tätigkeit als hessischer Innenminister macht ihm Freude. Er könnte in Wiesbaden bleiben und auf die irgendwann anstehende Nachfolge von Ministerpräsident Volker Bouffier spekulieren – oder wenigstens auf die Oppositionsführung.

          Sollte Rhein verzichten, käme Kämmerer Uwe Becker zum Zug, der sich derzeit in einem schwierigen Spagat übt: Einerseits lässt er durchblicken, dass er in jedem Fall kandidieren möchte, andererseits muss er es erdulden, auf Rheins Entscheidung zu warten. Den Makel, zweite Wahl zu sein, müsste er im Fall der Fälle erst einmal abstreifen.

          Die Chancen der SPD stehen gar nicht so schlecht

          Angesichts dieser Ausgangslage sollte man die SPD nicht abschreiben. Der Wähler spürt innere Vorbehalte gegen ein Amt, und schätzt jene, die es von Herzen anstreben. Vor allem vor einer möglichen Kandidatur von Michael Paris haben erfahrene Politiker von CDU und Grünen gehörigen Respekt. Der ehemalige Landtagsabgeordnete gilt zwar als nicht besonders fleißig und inhaltlich wenig beschlagen. „Aber er hat Charme und keine Angst vor den Leuten“, sagt ein CDU-Mann mit Respekt. Mehrfach hat Paris bewiesen, dass er im Wahlkampf ein Menschenfänger ist. Rhein gilt als derjenige, der ihm auf dieser Ebene am ehesten Paroli bieten kann, Becker und Rottmann dagegen sind weniger leutselig.

          So wie die Dinge jetzt stehen, wird es im Frühjahr 2013 eine Stichwahl geben. Das ist nicht neu. Doch noch nie seit Einführung der Direktwahl hat es in Frankfurt drei Kandidaten mit Siegchance gegeben. Seriöse Prognosen darüber, wer in den zweiten Wahlgang einzieht, könnten noch kurz vor der Wahl schwierig sein. Erst recht gilt das für den Ausgang des entscheidenden Wahlgangs. Die Stichwahlempfehlung des unterlegenen Kandidaten – und eines möglichen FDP-Kandidaten – werden eine gewisse Rolle spielen.

          Die Chancen der SPD stehen also gar nicht so schlecht, die Frage ist nur: Würde ihr der Sieg eines der Ihren nutzen? Der eigene Mann hätte es zunächst mit einer schwarz-grünen Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung zu tun. Auch alle hauptamtlichen Stadträte gehören entweder der CDU oder den Grünen an. Ein sozialdemokratischer Oberbürgermeister könnte darauf hinarbeiten, das die Koalition um seine Partei erweitert wird. Er könnte sich aber genauso gut mit den herrschenden Verhältnissen arrangieren, sich auf die Rolle des repräsentierenden Gute-Laune-Onkels beschränken und die Stadträte die eigentliche Arbeit machen lassen. Gerade Michael Paris könnte sich mit einem solchen Amtsverständnis zufriedengeben, und damit sogar noch subtil Rache an seiner eigenen Partei nehmen, deren Führung ihn nie gemocht hat.

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