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Notaufnahme in der Klinik : Lotsen weisen den Weg zum richtigen Arzt

Modellprojekt: Das Klinikum Höchst geht in der Notaufnahme neue Wege Bild: Lukas Kreibig

Soll es eine Gebühr für den Besuch in der Notaufnahme einer Klinik geben? Das Klinikum Höchst versucht, Notfälle von weniger dringlichen Fällen zu trennen.

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          Wenn Peter-Friedrich Petersen eines gelernt hat, dann Pragmatismus. „Den meisten Leuten ist egal, wer ihnen hilft. Hauptsache, ihnen wird geholfen“, sagt der Chefarzt der Zentralen Notaufnahme im Klinikum Höchst. Den Vorstoß der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, eine Gebühr von Patienten zu verlangen, die sich in der Notaufnahme vorstellen, ohne ein echter Notfall zu sein, hält er allerdings für „völlig realitätsfern“. „Sie können nicht eine Rentnerin, die eine sehr geringe Rente hat, abschrecken, ins Krankenhaus zu gehen, wenn sie ein Stechen in der Brust spürt.“

          Marie Lisa Kehler

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aber auch er beobachtet seit Jahren, dass die Menschen immer weniger in der Lage seien, medizinische Notfälle richtig einzuschätzen. „Heute erbricht man einmal und fährt sofort in die Klinik. Früher hat die Oma eine Suppe gekocht.“ Die Folge: überfüllte Notfallambulanzen, lange Wartezeiten, unzufriedene Patienten. Die Situation ist besonders in den Abendstunden und an den Wochenenden angespannt. Immer dann, wenn die Haus- und Fachärzte geschlossen haben. Den Weg zum ärztlichen Bereitschaftsdienst, der sich außerhalb der Praxisöffnungszeiten um weniger dringliche Fälle kümmert, finden längst noch nicht alle Patienten.

          Die erste Klinik in Hessen

          In Höchst hat sich in den vergangenen Monaten die Situation in der Notaufnahme trotzdem entspannt. Als erstes Krankenhaus in Hessen nimmt das Klinikum in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung an einem Modellprojekt teil. Patienten, die auf eigene Initiative in die Notaufnahme kommen, müssen sich an einem Tresen melden. Eine Pflegekraft versucht anhand eines Fragebogens festzustellen, ob es sich um einen Notfall handelt, der in der Klinik behandelt werden muss, oder ob dem Patienten mit einem Besuch beim ärztlichen Bereitschaftsdienst geholfen werden kann.

          Das Besondere in Höchst: Der ambulante Bereitschaftsdienst befindet sich direkt im Haus. „Einen gemeinsamen Anmeldetresen gibt es in anderen Krankenhäusern noch nicht. Da entscheidet der Patient, wo er hingeht.“ Und der wähle nun einmal in den meisten Fällen das Krankenhaus. „Die Patienten umzuerziehen funktioniert nicht.“ Also sei es an der Zeit, die Strukturen anzupassen. In Höchst scheint das zu funktionieren. Petersen rechnet damit, dass durch das Lotsensystem bis zum Ende des Jahres rund 30 Prozent weniger Patienten über die ambulante Notaufnahme in die Klinik kommen. Dadurch sei ein ruhigeres Arbeiten und eine Konzentration auf die schweren Fälle möglich.

          So, wie es in Höchst laufe, sei es der „Königsweg“, lobt Eckhard Starke von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Ein ähnliches System auf alle Notfallambulanzen zu übertragen, sei trotzdem nicht denkbar. „Es setzt voraus, dass das Krankenhaus eine gewisse Größe hat und der höchsten Versorgungsstufe entspricht.“ Also müsse es erlaubt sein, über Alternativen nachzudenken. „Wir halten eine Gebühr als letzte Möglichkeit durchaus denkbar für Patienten, die die Notaufnahmen mit Beschwerden aufsuchen, die nicht dringend im Krankenhaus behandelt werden müssten. Das Angebot des ambulanten Systems darf nicht von der Mentalität mancher Patienten unterlaufen werden.“

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