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Frankfurter Hauptbahnhof : Noch einmal sechs Jahre warten

Der Vorplatz des Frankfurter Hauptbahnhofs: Ein Ort mit ungenutztem Potential? Bild: Michael Braunschädel

Vor zehn Jahren wurde die Neugestaltung des Frankfurter Bahnhofsvorplatzes entschieden, seither herrscht Stillstand. Bis 2024 wird das so bleiben. Dafür gibt es Gründe, aber keine guten.

          Der Platz vor dem Hauptbahnhof, dem Eingang in die Stadt, den täglich Tausende Reisende und Pendler nutzen, ist in einem desolaten Zustand. Das betrifft sowohl das Pflaster als auch die Art und Weise, wie die Passanten geführt werden und Sichtachsen zugestellt sind. Die Lage der Straßenbahnhaltestelle und der Taxistände ist ungünstig, die zahlreichen Abgänge in die B-Ebene empfinden viele Bürger als irritierend. Und angesichts der steigenden Verkehrszahlen erscheint die Aufteilung der Platzfläche unter Fußgängern, Rad-, Auto- oder Straßenbahnfahrern als nicht mehr zeitgemäß.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kurz: Der Platz, potentiell einer der attraktivsten der Stadt, wird seiner urbanen Bedeutung nicht gerecht. Darüber, dass dringender Handlungsbedarf besteht, waren sich die Teilnehmer des „Frankfurter Metropolengesprächs“ einig. Zu diesem hatte das „Urban Future Forum“ kürzlich Stadtplaner, Architekten und Vertreter der Bahn in die Industrie- und Handelskammer eingeladen.

          Es sei unbefriedigend, dass zehn Jahre nachdem sich Stadt und Bahn angeschickt haben, den Platz neu zu ordnen und aufzuwerten, der Zustand unverändert sei, räumte der Leiter des Stadtplanungsamts, Martin Hunscher, ein. Der 2008 aus einem Architekten-Wettbewerb als Sieger hervorgegangene Entwurf des Frankfurter Büros Schneider + Schumacher harre immer noch der Realisierung.

          Erst muss unterirdisch gebaut werden

          Schuld an der Misere seien mehrere Faktoren, sagte Hunscher, der von einem „komplexen Vorhaben“ sprach. Das beginne bei den Eigentumsverhältnissen. Während Straßen und Schienen der Stadt gehörten, befinde sich die unmittelbar vor dem denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude gelegene Fläche im Eigentum der Deutschen Bahn.

          Stadt und Bahn hätten sich darauf geeinigt, dass die Stadt sich um die oberirdischen Flächen kümmere, während die Bahn den Umbau der B-Ebene organisiere. Dass es mit der Neugestaltung des Platzes nicht vorangehe, habe damit zu tun, dass zunächst die B-Ebene umgebaut werden solle, bevor oberirdisch auch nur ein Stein neu verlegt werde.

          „Die Arbeiten in der B-Ebene und am Nordflügel des Hauptbahnhofs haben oberste Priorität“, sagte der für Hessen zuständige Konzernbevollmächtigte der Bahn, Klaus Vornhusen. 100 Millionen Euro würden verbaut. Die Genehmigung der Pläne durch das Eisenbahn-Bundesamt werde bis 2019 erwartet.

          Teilprojekte als Antwort auf Chaos?

          Man habe beim Thema Brandschutz im Untergrund nachbessern müssen, das habe Zeit gekostet. Der Umbau werde wohl vier bis fünf Jahre dauern, kündigte Vornhusen an. Vor dem Jahr 2024 werde der Platz schon deshalb nicht umgebaut werden können, da man dort das Baumaterial lagern müsse. Er warnte davor, an der Ablaufplanung etwas zu ändern. Dann würde die Zustimmung des Eisenbahnbundesamtes hinfällig.

          Hunscher berichtete von Überlegungen, angesichts der Planungen der Bahn im nördlichen Abschnitt auf der Südseite des Bahnhofs mit dem Umbau zu beginnen. Doch Vornhusen winkte ab: Die umzubauende B-Ebene erstrecke sich unter dem ganzen Platz. Der frühere Planungsdezernent Martin Wentz regte trotzdem an, den gesamten Platzumbau weiter in Teilprojekte zu zerlegen. „Es muss handhabbarer gemacht werden.“

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