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Arsen und Seidenbänder : Frankfurter Giftmörder mit Doppelleben

  • -Aktualisiert am

Die Hinrichtung: Karl Hopf wurde am 23. März 1914 im Preungesheimer Gefängnis enthauptet. Für das besprochene Buch hat ein Zeichner die Szene dargestellt. Bild: Werner Hartmann, Mainz

Der Hundezüchter Karl Hopf wurde 1914 als Giftmörder hingerichtet. Vier Menschen könnte er auf dem Gewissen haben. Ein neues Buch widmet sich dem spektakulären Kriminalfall.

          5 Min.

          Ein rotseidenes Band und eine Rute unter der Chaiselongue. Wally Hopf ist damals, im Juli 1912, über diesen Fund in ihrer ehelichen Wohnung an der Bülowstraße, heute Heidelberger Straße, irritiert gewesen. Was hatte ihr Gatte Karl Hopf getrieben, während sie für einige Tage bei ihrer Schwester in Glashütten im Taunus zu Besuch gewesen war? Argwöhnisch öffnete sie den Sekretär ihres Mannes. Was sie entdeckte, verunsicherte Wally noch mehr: intime Briefe an fremde Frauen, zum Teil noch geschrieben während der Zeit ihrer Verlobung.

          Zu ihrer Überraschung fand sie zudem Urkunden, die besagten, dass ihr Mann zuvor schon zweimal verheiratet gewesen war. Wally wusste nur von einer Ehe; die Frau, so hatte Hopf ihr gesagt, sei gestorben. Vollends schockiert war die ahnungslose Gattin, als sie in einem kleinen Karton pornographische Bilder fand, die Karl Hopf bei sadomasochistischen Praktiken mit einem nackten Mädchen zeigten. Als Wally ihn nach seiner Rückkehr in die gemeinsame Wohnung zur Rede stellte, weigerte sich der Ehemann, eine Erklärung abzugeben. Doch als sie am nächsten Morgen beim Frühstück ihren Tee trank, wurde ihr augenblicklich schwarz vor Augen, und sie fühlte sich sterbenselend. Der Verdacht stieg in ihr auf, dass ihr Mann sie zu vergiften versucht hatte. Wieder zu Kräften gekommen, brachte sie den Rest des Tees zum Labor eines Chemikers an der Langen Straße, wo man indes keinerlei Giftstoff in dem Getränk finden konnte. Tag später wurde Wally wieder von Kopfschmerzen, Durchfall und Erbrechen befallen. Weil die Beschwerden nicht nachließen, wurde sie wochenlang zu Hause von einer Krankenschwester und ihrem Mann gepflegt. Schließlich setzte ihr Hausarzt durch, dass sie ins Diakonissenkrankenhaus an der Eschersheimer Landstraße gebracht wurde, wo sie sieben Tage lang um ihr Leben kämpfte.

          Spektakulärer Prozess im Kaiserreich

          Nachdem die Ärzte dort alle Fieberkurven und Pulsdiagramme analysiert und die Krankheit in allen Details studiert hatten, stand ihr Befund fest: Wally Hopf, geborene Siewic, sei ohne Zweifel vergiftet worden. Damit war das Schicksal des Giftmischers Karl Hopf besiegelt. Seine Frau erstattete Anzeige, und Hopf wurde am 14. April 1913 vor dem Diakonissenkrankenhaus verhaftet. Beim Verhör stellte Kriminalinspektor von Salomon die Vermutung in den Raum, Hopf habe seiner Frau heimlich Gift verabreicht, um nach ihrem Tod eine Lebensversicherung in Höhe von 80.000 Reichsmark einzustreichen. Und nicht nur das. Er habe schon seine erste Frau mit Gift getötet und dann ihre Lebensversicherung einkassiert. Der überraschte Hopf gab zu: „Ja, es stimmt, ich habe meiner Frau Gift gegeben, und zwar Digitalis. Aber es geschah aus Versehen, ich wollte sie nie vergiften.“

          Der versuchte Giftmord an seiner dritten Frau war nicht die einzige Schandtat, die Hopf danach in einem der spektakulärsten Prozesse des Kaiserreichs vorgeworfen wurde. Der Staatsanwalt beschuldigte den Angeklagten des siebenfachen Mordes und Mordversuches mit Arsen oder Fingerhutgift und – damals einzigartig – mit Typhus-, Cholera- und anderen todbringenden Bakterien. Der frühere badische Richter Thomas Schnepf hat nun anhand der Gerichtsakten und der damaligen Presseberichte den aufsehenerregenden Kriminalfall aufgeschrieben und unter dem Titel „Frankfurter Giftmorde. Der Fall Karl Hopf“ als Buch herausgegeben.

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