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Neuer Standort in der Innenstadt : Umzugspläne für Museum Giersch

Zentral: Das frühere Gebäude eines Kreditinstituts im Frankfurter Bankenviertel soll Museumsstandort werden Bild: Wolfgang Eilmes

Das Museum Giersch soll vom Frankfurter Mainufer in die Innenstadt umziehen. Als neuer Standort wurde nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Neorenaissance-Palast an der Ecke von Neuer Mainzer Straße und Kaiserstraße ausgewählt.

          Das Museum Giersch soll vom Frankfurter Mainufer in die Innenstadt umziehen. Diesen Plan verfolgt die Stiftung Giersch, die Träger des Museums ist. Als neuer Standort wurde nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Neorenaissance-Palast an der Ecke von Neuer Mainzer Straße und Kaiserstraße ausgewählt. Das denkmalgeschützte Gebäude von 1875, das vom Architekten des Reichstags in Berlin, Paul Wallot, entworfen wurde, war zuletzt Sitz der italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena. Das Museum Giersch präsentiert Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts aus dem Rhein-Main-Gebiet und widmet sich deren wissenschaftlicher Erforschung.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Wie zu hören ist, soll das Haus nach Plänen von Christoph Mäckler umgebaut werden. Äußerlich wird sich vergleichsweise wenig ändern, vor allem wird die Attika wieder mit einer Balustrade versehen werden. Mäckler hat sich in einer Parallelbeauftragung gegen die Entwürfe von fünf anderen Büros durchgesetzt, zu denen auch die Frankfurter Büros Scheffler und Partner sowie Braun und Schlockermann gehörten. Der Bauantrag ist schon im Dezember eingereicht worden, in diesen Tagen haben Vertreter des Magistrats und der Fraktionen die Unterlagen des Projekts erhalten.

          Anspruchsvolles Angebot im Bistro

          Demnach wird im Erdgeschoss die Dauerausstellung gezeigt, im ersten und im zweiten Stock wäre Platz für Wechselausstellungen. Im dritten Obergeschoss sollen Archiv, Depot, Schulungsräume und die Restaurationswerkstatt untergebracht werden. In der obersten Etage ist Platz für die Büros des Museums und der Stiftung. Im Erdgeschoss soll dem Vernehmen nach ein Bistro mit 80 Plätzen eingerichtet werden; tagsüber soll es mit einfacher Küche aufwarten, abends soll es ein kulinarisch anspruchsvolleres Angebot geben. Auch Flächen für Veranstaltungen und ein Museumsladen sind vorgesehen.

          Carlo Giersch, der sich auf Anfrage nicht detailliert zu den Plänen äußern wollte, will dem Vernehmen nach Ende des Jahres mit dem Umbau fertig sein. Wie aus der Stadtverwaltung verlautet, knüpft Giersch die Verwirklichung seiner Pläne allerdings an eine Bedingung. Um den Umzug finanzieren zu können, müsse er den bisherigen Sitz des Museums am Mainufer vermieten können. In Frage käme vor allem eine Nutzung als repräsentativer Unternehmenssitz.

          Kommt das Kindermuseum in das Haus am Mainufer?

          Dazu wiederum müsste die Stadt einen Eintrag im Grundbuch aufheben, der die Nutzung der repräsentativen Villa für kulturelle Zwecke festschreibt. Diese sogenannte Dienstbarkeit war eingetragen worden, als die Stadt Giersch das neoklassizistische Gebäude im Jahr 1997 zu einem vergleichsweise günstigen Preis von etwa 1,5 Millionen Mark verkauft hatte. Giersch hatte anschließend rund sieben Millionen Mark in Sanierung und Umbau der denkmalgeschützten Holzmann-Villa investiert.

          Die Stiftung Giersch, die von Carlo Giersch und seiner Frau Karin eingerichtet wurde, erhält von der Stadt keine finanzielle Unterstützung für das Museum, das im Jahr 2000 eröffnet wurde; das bliebe offenbar auch am neuen Standort so. Denkbar wäre jedoch, dass die Stadt das Haus am Mainufer mietet, um dort ein anderes Museum unterzubringen; in Frage kämen beispielsweise das Kindermuseum und das Ikonenmuseum.

          Mehr Platz in der Innenstadt

          Über Gierschs Motivation für den Umzug lässt sich vorerst nur spekulieren. Dem Vernehmen nach bietet das Haus in der Innenstadt deutlich mehr Platz. Dort stehen statt bisher 1000 fast 3000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. Giersch verspricht sich wohl auch mehr Besucher für sein Haus, das bisher am westlichen Ende der „Perlenkette“ der Ausstellungshäuser am Museumsufer liegt. Dort gibt es vergleichsweise wenige Passanten, außerdem konkurrieren etliche Museen um die knappe Zeit der kulturell interessierten Klientel. Der Flohmarkt am Museumsufer, für dessen Verlagerung sich Giersch immer wieder ausgesprochen hat, weil er ihn als unpassend empfindet, spielt offenbar bei seinem Umzugswunsch keine Rolle, wie es aus dem Römer heißt.

          Giersch hat sich schon länger mit dem Gedanken getragen, sein Museum an einen innerstädtischen Standort zu verlegen. Zwischenzeitlich hatte er sich schon für die Nutzung des Wallot-Baus als Büro- und Geschäftshaus entschieden, sich dann aber gemeinsam mit dem Beirat seiner Stiftung eines Besseren besonnen.

          Viele Veränderungen in der westlichen Innenstadt

          Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel sagte, dass er von dem Wunsch Gierschs nach einem Standortwechsel informiert sei. Über die Frage, ob die Dienstbarkeit für das jetzige Museum aus dem Grundbuch gelöscht werde, müssten die Politiker entscheiden. Wie zu hören ist, haben sich Planungsdezernent Edwin Schwarz und Kulturdezernent Felix Semmelroth (beide CDU) aufgeschlossen zu den Plänen Gierschs geäußert.

          Für die westliche Innenstadt steht in den nächsten Jahren eine Reihe von Veränderungen an. Das Degussa-Areal wird neu bebaut, der Eurotower muss nach dem Auszug der Europäischen Zentralbank revitalisiert werden, auf dem Grundstück der Rheinischen Hypothekenbank soll der Taunusturm entstehen, und auch das Areal der Deutschen Bank zwischen Junghofstraße und Großer Gallusstraße könnte mittelfristig völlig neu bebaut werden.

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