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Neuer Stadtteil in Frankfurt : Wo, wenn nicht hier?

Realisierbar? An der A5 in Frankfurt könnte ein neuer Stadtteil entstehen. Bild: Simulation Arup

Im Frankfurter Nordwesten soll ein grüner Stadtteil entstehen. Es gibt gute Gründe, an der Sinnhaftigkeit des Projekts zu zweifeln. Dennoch braucht Frankfurt dringend ein Ventil, um die hohe Nachfrage nach Wohnraum zu stillen.

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          Wenn am Mittwoch eine Jury entscheidet, nach welchem Entwurf der geplante neue Stadtteil im Frankfurter Nordwesten entstehen soll, hat das Urteil des Preisgerichts noch keine bindende Wirkung. Die Stadtverordneten werden erst Ende des nächsten Jahres entscheiden, ob das Projekt tatsächlich realisiert wird. Das Urteil der Jury ist als Empfehlung zu verstehen. Unter den sieben konkurrierenden Entwürfen sind allerdings einige, die zeigen, dass der neue Stadtteil durchaus funktionieren könnte.

          Es gibt dennoch gute Gründe, an der Sinnhaftigkeit des Projekts zu zweifeln. Das liegt vor allem an der Lage: Eine Autobahn und mehrere Hochspannungsleitungen kreuzen das Gebiet. In diesem Umfeld attraktive Wohnviertel mit einer hohen Lebensqualität zu schaffen ist nicht leicht. Außerdem gehen landwirtschaftlich genutzte Flächen verloren.

          Wer das Projekt allerdings ablehnt, der sollte auch sagen, wie und an welcher Stelle die Stadt stattdessen wachsen könnte. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt hat sich auch in der Pandemie nicht spürbar verbessert, Frankfurt braucht dringend ein Ventil, um die hohe Nachfrage nach Wohnraum zu stillen. Die Fläche im Nordwesten ist die einzige, die als Neubaugebiet innerhalb der Frankfurter Koalition politisch konsensfähig war.

          Es sei denn, man verlagert sich ganz auf die Innenentwicklung, also die Verdichtung und Umnutzung bestehender Stadtteile. Doch es gibt kaum noch größere Konversionsgebiete, die in Wohngebiete umgewandelt werden könnten – mit Ausnahme des Osthafens, aber die Widerstände dagegen sind bekannt. Und die Proteste gegen die Bebauung von Grünflächen sind derart groß, dass sich auf diese Weise kaum nennenswerte Entlastung schaffen lässt. Abgesehen davon, dass es nicht nur unter ökologischen, sondern auch sozialen Aspekten gute Gründe dagegen gibt, den Mietern ihre Kleingärten zu nehmen.

          Durch die weitere Verdichtung der Stadt können hier und da gewiss noch einige hundert Wohnungen entstehen. Aber das ist nicht der große Wurf und reicht mittelfristig nicht aus. Es bleibt also vermutlich nur beides, Innen- und Außenentwicklung. Wenn die Stadt aber schon unbebaute Flächen versiegelt, dann sollte sie möglichst kompakt bauen, um Freiflächen zu schonen. Sinnvoll wäre es auch, an die bestehenden Stadtteile anzuknüpfen und die vorhandene S-Bahn-Trasse zu nutzen, um Pendlerverkehr mit dem Auto zu vermeiden. In Höhe von Steinbach fährt die S5 durch Felder. Von neuen Quartieren an dieser Stelle könnte auch die Nachbarkommune profitieren.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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