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Neuer Frankfurter Stadtdekan zu Eltz : „Ich habe einen Horror vor einer langweiligen Kirche“

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Fährt Rad: der neue Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Johannes zu Eltz ist neuer katholischer Stadtdekan von Frankfurt. Im Interview spricht er über seine Aufgabe, die Lage der Kirche und die Lust an Auseinandersetzungen. „Der Dienst verheirateter Priester wäre auf jeden Fall eine wichtige Ergänzung“, sagte er etwa.

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          Was reizt Sie an Ihrem Amt, das Sie morgen antreten?

          Sehr vieles, auch wenn ich angesichts der großen Aufgabe einigermaßen nervös bin. Als ausgesprochen attraktiv empfinde ich es, dass aus dem Dom, dem Haus am Dom und dem Dompfarrhaus, das gastfreundlich sein soll, ein geistliches Kraftzentrum mitten in der Stadt werden kann.

          Bischöfe haben Wahlsprüche. Welches wäre Ihr Motto, könnten Sie als Stadtdekan eines aussuchen?

          „Honor tribus unus“, wie es im Marienlied „Ave maris stella“ heißt. Zu Deutsch: „Dem dreifaltigen Gott sei ein einziger Lobpreis“.

          Warum gerade dieser Satz?

          Weil ich ein geistliches Amt bekleide und möglichst wenig über Gott reden, aber viel von ihm sprechen will.

          Gleichwohl finden Sie, dass in Frankfurt „alles viel politischer“ sei als in Wiesbaden, wo Sie vier Jahre lang Stadtdekan waren. So haben Sie es im „Wiesbadener Kurier“ vor kurzem gesagt. Wie meinen Sie das?

          Das ist kein Gegensatz. Die Rede von Gott spielt sich ja nicht in der Privatsphäre ab, sondern ist öffentlich von Belang. Die Kirchen in Frankfurt sind viel mehr ein Teil der Stadtgesellschaft und werden mehr gehört als in Wiesbaden.

          Was haben Sie Politikern denn zu sagen?

          Die Politik hat eine relative Autonomie, ich werde Politiker also nicht belehren. Wenn es um die Werte in unserer Gesellschaft geht, werde ich aber immer von deren Grund sprechen: dem Glauben an Gott. Dafür sind wir als Kirche zuständig. Werte sind Derivate des Glaubens, der schon deshalb politisch relevant ist, weil er ein Interesse an der Gestaltung der Welt hat.

          Zur Prägung der Kirche in Frankfurt gehört der Sozialkatholizismus. Was verbinden Sie mit diesem Begriff?

          Er ist mir im Laufe der Jahre immer sympathischer geworden. Ich habe besonders deutlich in Wiesbaden wahrgenommen, dass wir erhebliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens nur noch mit unserer Caritas erreichen, mit der die Kirche Nöte aufspürt und systematisch Menschen hilft. Das ist eine überzeugende und für wirklich viele Leute die einzig überzeugende Weise, in der Kirche heute noch auftritt. Die Caritas ist tatsächlich eine wesentliche Ausdrucksform der Kirche und eine erstrangige missionarische Unternehmung, vielleicht die beste, die wir im Moment überhaupt haben.

          Sie sind ein Mann, der gelegentlich markig daherkommt. Erinnert sei nur an eines Ihrer jüngsten Worte in Wiesbaden, wonach ein Kirchenaustritt ein „spiritueller Selbstmordanschlag“ sei.

          Dieses Wort habe ich öffentlich korrigiert, es war misslungen.

          So, wie es ein Fehler war, einem Mann gegenüber handgreiflich zu werden, der bei der Kommunion die Hostie nicht konsumierte, sondern in seine Tasche steckte?

          Ich habe das vielfach öffentlich bedauert, denn es muss klar sein, dass ein Priester nicht gewaltsam handelt. Das ist drei Jahre her, der Streit wurde beigelegt. Ich habe dazugelernt, mein Schwert an den Nagel gehängt.

          Ein Bild, das nur einem einfallen kann, der wie Sie einem alten Adelsgeschlecht entstammt.

          Ja, das mag an ritterlichen Traditionen meiner Familie liegen. Wichtiger aber ist mir die Sache: Der Gottesdienstbesucher hatte einen Frevel am Heiligen begangen, der einen Priester nicht kaltlassen kann. Allerdings hätte ich nicht auf diese Weise einschreiten dürfen. Auf der anderen Seite ist es nicht meine Sache, stets „politisch korrekt“ zu reden. So ist nun einmal mein Temperament, ich habe Lust an Zuspitzungen, an Auseinandersetzungen, ohne dabei Menschen kränken zu wollen. Außerdem weiß ich, dass man sich gelegentlich deutlich zu Wort melden muss, um in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Ich habe einen Horror vor einer langweiligen Kirche.

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