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Hohe Nachfrage in Hotels : Frankfurt als „Eintritt nach Europa“

Frankfurt wandelt sich vom vornehmlichen Geschäftstourismus-Standort auch zur Freizeitdestination. Bild: dpa

Der Boom der Hotelbranche in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet dauert an. Es gibt jedoch auch starke Konkurrenten.

          Als sich Mitte Mai Hoteldirektoren und Eigentümer, Marketing-Manager und Konzernchefs zu einem Kongress trafen, der Zustand und Zukunft des Hotelgewerbes in Frankfurt und dem Umland auslotete, tagten sie im Stadthaus. Der Veranstaltungsort am Rande der neuen Altstadt symbolisiert eine der regionalen Besonderheiten, die zu dem noch immer anhaltenden Boom der Branche in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet beitragen und zum Optimismus ihrer Protagonisten, dass er anhalten werde.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Denn die neue Altstadt, das Ensemble rekonstruierter Häuser zwischen Dom und Römer, beliebt bei Touristen, ist vielleicht nicht der wichtigste Baustein für die Auslastung hiesiger Beherbergungsbetriebe im Allgemeinen, gewinnt aber an Bedeutung. Dies umso mehr, als ein Trend, der in jüngerer Vergangenheit eingesetzt hat, sich zu verstetigen scheint: Von einem Ziel besonders für Geschäftsreisende wird die Stadt mehr und mehr zu einem Ort, der interessant für Urlauber ist.

          Positive Entwicklung

          „Der Wandel vom vornehmlichen Geschäftstourismus-Standort auch zur Freizeitdestination hält an“, sagt Daniela Bense, Marktanalystin bei dem auf die Vermittlung von Hotelgeschäften spezialisierten Frankfurter Immobilienberatungsunternehmen Dr. Lübke & Kelber. In einem neuen Bericht, der das hiesige Geschehen analysiert, bewertet das Unternehmen das vergangene Jahr überwiegend positiv. Es stützt seine Einschätzung auf amtliche Statistiken und auf Zahlen, die eine auf Datensammlung spezialisierte Firma geliefert hat. Diese wiederum hat Angaben aus 55 Hotels mit 12.000 Zimmern zusammengetragen.

          Obwohl im vergangenen Jahr keine Internationale Automobilausstellung stattfand, wurde mit einem Anstieg auf erstmals mehr als zehn Millionen Übernachtungen eine Marke überschritten, die zu knacken die städtische Tourismus- und Kongressgesellschaft und auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) schon seit einigen Jahren angestrebt hatten.

          Ein paar Tropfen Wasser schwimmen dennoch im Wein: Mit 100,50 Euro lag Bense zufolge die in der Kettenhotellerie erzielte Durchschnittsrate des Zimmerpreises 2018 geringfügig unter der von 2017. Der Erlös je verfügbarem Zimmer lag mit 69,60 Euro unter dem von 2017 (74,20) und von 2016 (71,30).

          Frankfurt im Konkurrenzkampf

          In dem Bericht gibt es noch ein weiteres Indiz für eine zarte Trübung des insgesamt sonnigen Bildes: Es ist das Wort „konstant“. Die Bettenauslastung in Frankfurt, schreibt Dr. Lübke & Kelber, habe sich 2018 „konstant bei knapp über 52 Prozent“ gehalten und sei deutlich niedriger als in Berlin (61,5 Prozent), München (60,5) und Hamburg (59,4). Ein Grund: das stetig wachsende Angebot. Habe es in Frankfurt im Juli vergangenen Jahres in den Hotels, Pensionen und Gasthöfen 53.635 Betten gegeben und damit 4255 mehr als zum gleichen Zeitpunkt 2017, seien es Ende 2018 schon 56.092 gewesen. Benses Kollege Morten Hahn, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens, fasst die Situation der hiesigen Hotellerie in einem Satz zusammen: „Frankfurt profitiert von steigender Nachfrage und leidet unter Konkurrenz.“

          Bei dem Kongress im Stadthaus erwarteten die Teilnehmer mehrheitlich, dass die Wachstumskurve, bezogen auf die Reisenden nach Frankfurt, weiter nach oben zeigen werde. Es herrsche die Annahme vor, dass das auch für die Auslastung der Häuser gelten werde, hieß es mehrfach. Der Kölner Hotelier Thomas Althoff etwa, der demnächst an der Frankfurter Neckarstraße ein „Ameron“-Boutique-Hotel mit 133 Zimmern eröffnen wird, sagte, er folge mit dieser Marke einer „Premium-Städte-Strategie“. Frankfurt „als Eintritt nach Europa für viele internationale Gäste“ gehöre zweifelsfrei in diese Kategorie.

          Mehrere neue Hotels

          Außer dem „Ameron“ ebenfalls noch in diesem Jahr aufmachen sollen ein Holiday Inn Express im Frankfurter Westend mit 162 Zimmern und das chinesische Diaoyutai Mansion mit 214 Zimmern. Im nächsten Jahr wird, als eines von sieben größeren Hotels, deren Eröffnung für 2020 vorgesehen ist, ein „Niu Air“ mit allein 344 Zimmern an der Leonardo-da-Vinci-Allee eröffnen.

          Wie viele Herbergen braucht die Stadt, wie viele verträgt sie? 298 Hotels und Pensionen mit 57.099 Betten gab es laut Statistischem Landesamt im Mai dieses Jahres in Frankfurt. Seit Ende Juni, als im Ostend das „Lindley Lindenberg“ eröffnet wurde, sind es noch mehr. Das Haus, das sich wie seine zwei Schwesterbetriebe in der Stadt als Ort für eine Gästegemeinschaft bezeichnet und mit einem jungen, unkonventionellen Luxus möbliert ist, hat 100 Zimmer, und darauf, dass auch die Betten in diesen oft belegt sein werden, können die Inhaber hoffen.

          Wie hoch dürfen die Hotelbetreiber insgesamt ihre Hoffnungen schrauben angesichts der Tatsache, dass bis 2023 auch laut Lübke & Kelber ein Zuwachs von 6000 Zimmern in Frankfurt zu erwarten ist? Analystin Bense sagt, sie rechne mit jeweils rund fünf Prozent mehr Übernachtungen je Jahr in der Stadt bis dahin. „Wenn wir von diesem verhaltenen Anstieg ausgehen, wird die Belegung in den Betrieben bei rund 70 Prozent stagnieren.“ Nach 2023 würden sich „Belegung und Zimmerraten positiv entwickeln“, fügt sie hinzu. „Der Markt wird den Anstieg kompensieren.“ Wie sie das wissen kann? Hellsehen könne sie natürlich nicht, sagt Bense. Ihre Einschätzungen gründeten „auf der historischen Entwicklung“.

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