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Deutsche Bank in Frankfurt : Auf Gedeih und Verderb

Die Deutsche Bank steht für Internationalität: Hier am Standort Neu Delhi. Jetzt möchte es das Kreditinstitut mit einem Kurswechsel versuchen. Bild: EPA

Die Deutsche Bank hat in der Vergangenheit zunehmend global gedacht. Frankfurter Lokalpatriotismus war jüngst weniger zu spüren. Das könnte sich jedoch bald ändern.

          Die Deutsche Bank hat es Frankfurt in den vergangenen Jahrzehnten nicht leichtgemacht. Lange her sind die Zeiten, in denen Hermann Josef Abs, Übervater der Deutschen Bank alten Stils, als vielfacher Mäzen auftrat. Nach ihm war unter den Bankchefs eigentlich nur noch Rolf Breuer der Stadt zugewandt, wurde gar als „Mr.Finanzplatz“ gefeiert. Doch je globaler sich das Kreditinstitut aufstellte, desto weiter entfernte es sich von der Mainmetropole; in der Zeit Josef Ackermanns wurde mit einem Umzug der Zentrale nach London und Amsterdam geliebäugelt, wurde die Olympiabewerbung New Yorks unterstützt, wiewohl sich auch Frankfurt um die Spiele 2012 beworben hatte, waren die Spitzenleute immer weniger in der Stadt zu sehen. Zuletzt pflegte die Bank die innigsten Beziehungen noch zur Frankfurter Staatsanwaltschaft, wenn auch unfreiwillig.

          Und trotzdem bleiben die Deutsche Bank und der Finanzplatz auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden. Nach wie vor ist das vor 149 Jahren gegründete Kreditinstitut das größte am Ort und das bekannteste der Mainmetropole in der Welt. So viele Großbanken hat Frankfurt außerdem nun auch wieder nicht, als dass die Stadt den Verlust einer weiteren durch fortgesetzte Management-Fehler leicht verschmerzen könnte.

          Paradoxerweise kann der Neuanfang, wie Christian Sewing ihn nun plant, insofern zur Stärkung der Rolle Frankfurts im Konzern führen, als dass sich die Deutsche Bank nun wieder stärker auf den Heimatmarkt besinnt. So wird man am Finanzplatz aufmerksam verfolgen, ob es gelingt, den Konzern einerseits auf eine solide Grundlage zu stellen, andererseits aber eine Übernahme durch einen zwangsläufig im Ausland sitzenden Konkurrenten zu verhindern, in dessen Folge Frankfurt nur eine Art Hauptfiliale bleiben würde.

          Glaubhaft wird der mit schmerzlichen Arbeitsplatzverlusten einhergehende Neustart aber nur, wenn die Bank zurück zu alten Tugenden findet, zu Rechtstreue und einem anständigen Umgang mit den Kunden. Selbst dann wird es Jahre dauern, bis die Skandale in Vergessenheit geraten sind. Wer an einem neuen Bild der Bank arbeiten möchte, sollte nicht vergessen, dass es eine Zeit gab, in der sie innige Beziehungen zu der Stadt pflegte, in der sie seit ihrer Neugründung 1957 den Sitz hat. Die alten Zeiten, zu denen die Deutsche Bank jetzt in gewisser Weise wieder aufbricht, waren auch in diesem Punkt nicht die schlechtesten.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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