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Neue Gemeinde : Liberale Muslime streben nach Frankfurt

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Religiöse Vielfalt: Ein Mann betet in einer Frankfurter Moschee im Bahnhofsviertel. Bild: Helmut Fricke

Die Vielfalt muslimischen Lebens ist groß in Frankfurt - 42 Gebetshäuser verschiedenster Gemeinden gibt es. Das Spektrum wird bald noch breiter werden.

          Die ohnehin schon große Vielfalt muslimischen Lebens in Frankfurt könnte in diesem Jahr um eine Facette reicher werden: In der Stadt will eine Gemeinde des Liberal-Islamischen Bunds Fuß fassen. Ein Anfang ist schon gemacht: Im vergangenen Jahr gründete sich die Gemeinde Rhein-Main, die rund 30 Mitglieder treffen sich bisher in Hofheim.

          Nun wollen sie einen Standort in Frankfurt finden und die Kontakte zu möglichen Kooperationspartnern wie dem Rat der Religionen, zu anderen muslimischen Gemeinden und zur Öffentlichkeit verstärken, wie Annika Mehmeti ankündigt. Sie ist für die Koordination der Gemeinden des Liberal-Islamischen Bunds zuständig.

          Den Bund gibt es seit 2010; er hat seinen Sitz in Köln und wird von den Religionspädagoginnen Lamya Kaddor und Rabeya Müller geführt. Außer in Köln und Rhein-Main gibt es Gemeinden in Berlin und Stuttgart. Sollte das Vorhaben in Frankfurt gelingen, würden jene Muslime ein neues Angebot bekommen, die ihren Glauben zwar leben wollen, aber nicht in traditionell geprägten Moscheen.

          Ditib der größte Moscheeverband

          Insgesamt gibt es 42 Gebetshäuser in der Stadt, wie aus einer Liste des Amts für multikulturelle Angelegenheiten hervorgeht. Die meisten Gemeinden sind sunnitisch, drei sind schiitisch. Zwei gehören zur Ahmadiyya-Gemeinschaft; diese errichtete 1959 auch die erste Moschee in Frankfurt, an der Babenhäuser Landstraße in Sachsenhausen. Derzeit wird vor allem an zwei Zentren gebaut: an der Hazrat-Fatima-Moschee in Hausen und der Taqwa-Moschee im Gutleutviertel.

          Eine Sonderstellung nehmen im muslimischen Spektrum wegen unterschiedlicher Lehrmeinungen außer der Ahmadiyya-Gemeinde auch die Aleviten ein, die in Frankfurt seit 1989 ein Kulturzentrum haben. Heute zählt dessen Trägerverein nach eigenen Angaben rund 800 Mitglieder und spricht schätzungsweise 11.000 Menschen an.

          Zu den größeren Gebetshäusern und Treffpunkten gehört die Merkez-Moschee im Bahnhofsviertel, die vom türkisch geprägten Ditib-Verband betrieben wird, der auch Versammlungsräume in Bonames und Höchst unterhält. In Deutschland unterhält Ditib als größter Moscheeverband rund 900 Ortsgemeinden.

          Milli Görus soll Muslimbrüdern nahestehen

          Daneben gibt es in Frankfurt etliche kleinere Vereinigungen, die ebenfalls eher ethnisch geprägt sind. Zu den wenigen Gemeinden, in denen nur auf Deutsch gepredigt wird, gehört die IIS-Moschee im Gallus. Viele marokkanische Vereine sind – gemeinsam mit anderen Gruppen – in dem in Frankfurt ansässigen Deutsch-Islamischen Vereinsverband zusammengeschlossen. Sieben türkische Gemeinden Frankfurts sind seit 2010 in einer Arbeitsgemeinschaft miteinander verbunden.

          Zu ihr gehören auch zwei Gemeinden von Milli Görüs. Diese Strömung wird vom hessischen Verfassungsschutz als islamistisch eingestuft. Das habe den Kontakten der Arbeitsgemeinschaft etwa zur Polizei aber nicht im Weg gestanden, so ihr Sprecher Hüseyin Kurt.

          Im Blick hat der Verfassungsschutz auch das Europäische Institut für Humanwissenschaften, dem er vorhält, der Muslimbruderschaft nahezustehen, ebenso wie der Rat der Imame und Gelehrten in Deutschland, den es in Frankfurt seit 2004 gibt. Den Vorwurf, dort werde radikalislamisches Gedankengut gelehrt, weist das im Ostend ansässige Institut zurück. Das im Frühjahr 2014 versprochene Signal der Transparenz, ein Tag der offenen Tür, lässt weiter auf sich warten.

          Anti-Radikalisierungsarbeit immer wichtiger

          Zu einem wichtigen Ort muslimischen Denkens haben sich die Islam-Studien an der Goethe-Universität entwickelt. Es gibt zwei Bachelor- und zwei Masterstudiengänge mit zusammen etwa 400 Studenten. Von März an will sich das Uni-Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam in einem Projekt mit Moscheen der Salafismus-Prävention widmen. Inzwischen hat das Frankfurter Amt für multikulturelle Angelegenheiten auch eine Stelle für Antiradikalisierungsarbeit ausgeschrieben. Auf sie war lange gewartet worden.

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