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Neubaugebiete : Die Villa Kunterbunt steht im Nordosten

Erlebnispark: Der Frankfurter Bogen hat die höchste Spielplatzdichte in der Stadt Bild: Frank Röth

Als chaotisch lässt sich das Viertel beschreiben oder als wild und farbenfroh. Der Frankfurter Bogen ist unter den neuen Wohnvierteln das Quartier der Individualisten. In Preungesheim entsteht ein Stück Heimat für 5000 Menschen.

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          Ein Knirps malt mit Kreidestrichen eine zweite Spur aufs Pflaster: „Für Inleiner“ steht da, und gemeint sind die flinken Skater auf acht Rollen. Federbetten hängen aus den Dachfenstern, die Blumenbeete in den Vorgärten sind bepflanzt. Das Neubauviertel Frankfurter Bogen nähert sich nach fast zwanzigjähriger Planung langsam, aber sicher seiner Vollendung. Rund 3000 Menschen wohnen schon hier, 5000 Frankfurter sollen es einmal werden (Spezial: Die Stadt geht an die Grenze).

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Preungesheim liegt im Frankfurter Nordosten. Der Stadtteil hatte lange Zeit hart gegen sein Knast-Image zu kämpfen. Doch die Zeiten, als das Viertel allein mit seinen Haftanstalten assoziiert wurde, sind vorbei. Denn tatsächlich ist Preungesheim grün und einladend: Hinter der Justizvollzugsanstalt und der Karl-Kirchner-Siedlung beginnt der Frankfurter Bogen. Hier reihen sich Holz- an Putzfassaden, im Garten einer Villa Kunterbunt lehnt die Schubkarre am Zaun, ein Volvo-Kombi steht vor der Tür. Die Neigung der Dächer ist hier nicht streng abgestimmt, die Regenrinnen stoßen nicht immer aneinander. Ein bisschen wild wirkt das. Chaotisch und durcheinander würden die einen sagen, individuell und farbenfroh die anderen.

          Trotz Autobahn den Umzug nicht bereut

          Der Frankfurter Bogen hat nicht die einheitliche und manchmal monotone Struktur anderer Viertel, in denen große Bauträger ganze Reihenhaussiedlungen am Reißbrett planen. Das liegt an der Geschichte, die Planung reicht zurück in die achtziger Jahre. Der Frankfurter Bogen ist ein sogenanntes „Umlegungsgebiet“. Da der Zuschnitt und die Eigentumsstruktur der früheren Garten- und Ackerflächen im Osten von Preungesheim für die Entwicklung eines Wohngebiets nicht geeignet waren, wurden die Flächen neu sortiert. In einem gesetzlich geregelten Verfahren zum Austausch von Grundstücken wurde das Gebiet neu beplant. Die Eigentümer erhielten gemäß ihren früheren Anteilen Grundstücke zwischen den neuen Straßen und Plätzen zugewiesen. Ihr Vorteil: Der Wert ihrer Grundstücke stieg stark an. Der Vorteil für die Stadt: Sie musste nicht alle Grundstücke aufkaufen und konnte die grobe Entwicklung des Gebietes mit einem Bebauungsplan vorschreiben.

          Legoland: Die Welt am Frankfurter Bogen ist bunt

          Darüber hinaus hat der Bauherr weitgehend freie Hand. In der Folge entstand ein Viertel mit kleinteiliger Eigentümerstruktur und vielseitiger Bebauung. In größerem Umfang hat die Stadt hier auch Grundstücke zur Erbpacht angeboten, um gezielt junge Familien zu fördern. Vor acht Jahren hat der erste Bewohner seine Wohnung am Frankfurter Bogen bezogen.

          Auf dem Abenteuerspielplatz schubst ein Herr, der stark sächselt, seine Tochter auf der Schaukel an. „Nein“, sagt er, er wohne nicht hier. „Aber ich könnte mir gut vorstellen herzuziehen.“ Wenn auch nicht unbedingt direkt an die grüne Lärmschutzwand vor seiner Nase. Ein Grünstreifen trennt die am Rand liegenden Häuser von der A 661. Als der Stadtteil geplant wurde, verstärkte die Stadt den Lärmschutz. Dennoch ist das Rauschen der Autos deutlich zu hören. Frankfurt stößt hier besonders deutlich an seine Grenzen. Denn der Name „Frankfurter Bogen“ kommt nicht von ungefähr. Wie ein Halbmond schmiegt sich der Stadtteil in die Rundung der Autobahn.

          Eine junge Mutter sagt, sie habe den Umzug dennoch nicht eine Sekunde bereut. Die wichtigste Infrastruktur ist mittlerweile vorhanden. Der Frankfurter Bogen hat die wohl höchste Spielplatzdichte in der Stadt. Von den geplanten fünf Kindertagesstätten stehen schon drei. Nach jahrelangem Hin und Her ist eine architektonisch ansprechend gestaltete Grundschule mit Platz für bis zu 400 Schüler vorhanden. Den ersten Schultag in der neuen, mit Holz vertäfelten Schule feierten die Abc-Schützen vor einem Jahr noch zwischen Bauzäunen und Baggern. Sie soll zur Ganztagsschule ausgebaut werden. Eine Fläche für eine weiterführende Schule ist vorgesehen. Frühestens in zwei Jahren wird auch die Sportanlage im Süden des Baufelds fertig sein.

          Lange Geschichte der Anbindung

          Die Stadt hat versucht, die Infrastruktur möglichst frühzeitig anzubieten. Das ist im Frankfurter Bogen nicht in jeder Hinsicht gelungen. Zwar herrscht mittlerweile kein Mangel mehr an Kindertagesstätten und Spielplätzen. Aber eine vernünftige Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und Einkaufsmöglichkeiten vor der Haustür lassen noch auf sich warten. Der Gravensteiner Platz, das Herzstück des Bogens, liegt immer noch brach. Wenn alles klappt, soll hier bis Anfang 2009 ein kleines Einkaufszentrum stehen. Der Investor Christian Krawinkel sucht allerdings noch nach einem Generalunternehmer. Um zwei bis drei Monate werde sich der Baubeginn noch hinziehen, heißt es. Doch der Baubeginn verzögert sich nicht zum ersten Mal. Auf 11.000 Quadratmeter sollen ein Lebensmittelmarkt, 15 Läden und Arztpraxen sowie 41 Wohnungen entstehen.

          Die Pläne für die Anbindung der Trabantenstadt haben ebenfalls schon eine lange Geschichte. Das Vorhaben, den Frankfurter Bogen mit einer Straßenbahnlinie über die Friedberger Landstraße mit der Innenstadt zu verbinden, war schon 1996 beschlossen worden, aber lange nicht vorangekommen. Eigentlich sollte die erste Straßenbahn schon vor drei Jahren am Gravensteiner Platz halten. Bisher sind die Bewohner mit Bus und U-Bahn eine gute halbe Stunde unterwegs. Wenn die Straßenbahnlinie 18 endlich kommt, soll sich die Fahrzeit vom Grafensteiner Platz bis zur Konstablerwache auf unter 20 Minuten verkürzen. Mittlerweile haben die Bauarbeiten begonnen. Die erste Bahn soll im Dezember 2010 fahren und die Fahrt zum Weihnachtseinkauf erleichtern.

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