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Nahverkehr : VGF-Tochter übernimmt Buslinien im Frankfurter Westen

  • -Aktualisiert am

Eine Tochter der Verkehrsgesellschaft Frankfurt hat sich bei einer Ausschreibung als günstigster Anbieter erwiesen Bild:

Entgegen vieler Voraussagen hat die städtische Frankfurter Verkehrsgesellschaft mit ihrer Tochter In-der-City-Bus die Ausschreibung für den Busverkehr im Frankfurter Westen gewonnen. Nur ein weiteres Unternehmen hatte sich auch beworben.

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          Entgegen vieler Voraussagen hat die städtische Frankfurter Verkehrsgesellschaft (VGF) mit ihrer Tochter In-der-City-Bus (ICB) die Ausschreibung für den Busverkehr im Frankfurter Westen gewonnen. Bei der europaweiten Ausschreibung des Bündels B, das die Buslinien im Frankfurter Westen umfasst, hatte sich neben der IBC nur ein weiteres Unternehmen beworben. Vermutlich haben die komplexen Routen dieses größten der vier Frankfurter Busbündel und der derzeitige Mangel an tüchtigen Fahrern weitere Busgesellschaften davon abgehalten, sich um den Auftrag zu bemühen.

          Schon bisher hatte die VGF mit Fahrern der ICB die Routen im Westen Frankfurts betrieben. Den Auftrag dafür hatte sie jedoch nicht über eine Ausschreibung erhalten, er war ihr als damaligem Monopolisten automatisch zugefallen. Von Dezember 2009 an fährt die ICB nun für fünf Jahre erstmals zu einem Preis, der sich im Wettbewerb herausgebildet hat. Er liegt 20 bis 30 Prozent niedriger als der bisherige.

          Das günstigste Angebot abgegeben

          Nach Angaben der städtischen Nahverkehrsgesellschaft Traffiq, die als Auftraggeber für die Frankfurter Verkehrsleistungen das Bündel ausgeschrieben hatte, hat die ICB das günstigste Angebot abgegeben. Ausschlaggebend war allerdings nicht allein der Preis, sondern auch die Qualität des Angebots. So wurde von den Anbietern unter anderem verlangt, dass ihre Fahrer die deutsche Sprache beherrschen. Um Dumpinglöhne zu vermeiden, wurde an die Busunternehmen ferner die Anforderung gestellt, ihr Fahrpersonal mindestens nach dem Tarif zu entlohnen, der zwischen dem Landesverband Hessischer Omnibusunternehmen und der Gewerkschaft Verdi ausgehandelt ist. Er liegt derzeit bei zehn Euro. Den Fahrern wird laut Traffiq-Geschäftsführer Hans-Jörg von Berlepsch ein einklagbarer Rechtsanspruch auf dieses Lohnniveau zugesichert.

          Im Bündel B dürfen laut Ausschreibung nur besonders umweltfreundliche Busse eingesetzt werden. Alle Fahrzeuge müssen zur Sicherheit mit Videokameras ausgestattet sein. Auch Barrierefreiheit und eine Klimaanlage werden verlangt. Wie die anderen Betreiber der Frankfurter Busbündel muss die ICB bestimmte Qualitätsstandards einhalten, welche die Traffiq überprüft. Wird der gesetzte Standard unterschritten, bekommt das Unternehmen bis zu fünf Prozent weniger Geld. Besonders gute Leistungen werden mit einer Zusatzzahlung von bis zu zwei Prozent belohnt.

          Angebot auf vielgenutzten Strecken erhöht

          Im Zuge der Ausschreibung hat die Traffiq alle Linien im Bündel B überprüft und auf vielgenutzten Strecken das Angebot erhöht. Fast zehn Prozent mehr Leistungen werden Berlepsch zufolge vom Dezember 2009 an angeboten. Schon die anderen Ausschreibungen hätten es ermöglicht, das Nahverkehrsangebot in der Stadt auszuweiten und gleichzeitig den städtischen Haushalt zu entlasten, sagte der Traffiq-Geschäftsführer. Beim Bündel B setze man nun den erfolgreichen Weg konsequent fort.

          Die bis heute von Gewerkschaften und linken Oppositionsparteien im Römer abgelehnte Ausschreibungspolitik im Busverkehr findet mit der Vergabe des Bündels B ihren vorläufigen Abschluss. Als erstes war 2004 ein Minibündel im Süden über eine Ausschreibung an eine Tochter der Bahn vergeben worden. Das Bündel D mit Linien im Osten und den Nachtbussen fiel 2005 an die ICB, das Bündel A im Norden und Nordosten 2006 an die Firma Alpina, eine Tochter des international tätigen Veolia-Konzerns. Danach verordnete sich der Magistrat wegen heftiger Proteste der VGF-Belegschaft und der Opposition im Römer eine Denkpause. 2008 wurde das Bündel C im Süden an das Unternehmen Sippel vergeben, das heute zum britischen Arriva-Konzern gehört. Mit dem Bündel B sind nunmehr alle Frankfurter Busverkehre in einer Ausschreibung vergeben worden.

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