https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/nahverkehr-in-frankfurt-mit-dem-rollstuhl-durch-den-schweizer-kaese-1801403.html

Nahverkehr in Frankfurt : Mit dem Rollstuhl durch den Schweizer Käse

  • -Aktualisiert am
Erschwerter Zugang: Rollstuhlfahrer vor einem Nahverkehrszug
          4 Min.

          Petra Rieth hat es eilig. Flott und ohne anzuecken, bugsiert sie ihren roten Rollstuhl durch die Haustür. Sie hat ihn nicht der Farbe wegen gewählt: „Der ist besonders schmal“, erklärt sie. Eigentlich ist er nur ein Ersatzrollstuhl und, weil ungefedert, nicht oft im Einsatz. Aber auf Bequemlichkeit kommt es ihr heute nicht an. Petra Rieth will mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, mit dem Bus, der Straßenbahn, der U- und der S-Bahn. Und sie will ankommen. Für sie, die seit ihrer Kindheit auf den Rollstuhl angewiesen ist, beginnt die Planung schon bei der Wahl des eigenen fahrbaren Untersatzes.

          Die Sozialpädagogin und ihre Pflegehelferin sind ein eingespieltes Team. Vor allem, wenn es schnell gehen muss beim Einsteigen, brauchen beide nicht viele Worte zu wechseln. Bei der ersten Umsteigestation, dem Hauptbahnhof, beratschlagen die zwei aber dann doch. Den richtigen Wegweiser zum Lift entdecken sie erst auf den zweiten Blick. Nach Rieths Ansicht hängt das mit den unterschiedlichen Zuständigkeiten der Betreiber, der Deutschen Bahn AG und der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), zusammen. Ein einheitliches Konzept der Beschilderung fehle, sagt Rieth.

          Kleine Hindernisse

          Als Mitglied der Frankfurter Behindertenarbeitsgemeinschaft, die den Magistrat in Mobilitätsfragen berät, hört sie immer wieder von Problemen wegen Kompetenzstreitigkeiten. Die Deutsche Bahn hebt hervor, dass der Hauptbahnhof nach bundeseinheitlichem Standard beschildert sei. Das Problem besteht darin, dass Bahn und VGF für das Wegeleitsystem in ihren jeweiligen Bereichen jeweils selbst verantwortlich sind. Die beiden Systeme sind nicht vollständig aufeinander abgestimmt.

          Fast reibungslos verläuft Petra Rieths Straßenbahnfahrt zum Römer. Die in Frankfurt eingesetzten Niederflurbahnen machen’s möglich. Allerdings wäre Rieth am Römer, hätte sie einen schwereren Stuhl dabei, auf die ausfahrbare Rampe der Tram angewiesen. Auf dem Weg zur Schirn hat sie keinen Blick für Justitia, sie muss sich festhalten: „Hier hoppelt es barbarisch“, mokiert sich Rieth über das Pflaster. Im Laufe einer Tour durch die Stadt summieren sich freilich solche kleinen Hindernisse.

          Tägliches Ärgernis

          Manche der vielen gutgemeinten Lösungen sind nicht gerade ideal: „Was für den einen eine Erleichterung ist, kann für andere ein Hindernis bedeuten“, sagt Friederike Schlegel, Behindertenbeauftragte der Stadt. Als Beispiel nennt sie abgeflachte Bordsteinkanten: Sie seien für Rollstuhlfahrer gut, für Menschen mit Sehbehinderung stellten sie aber eine fehlende Orientierungshilfe dar. Als positive Entwicklung werten Rieth und Schlegel den schrittweisen Ausbau von U-Bahn-Stationen mit Fahrstühlen – besonders dringend sei jetzt die Fertigstellung des Lifts an der Alten Oper.

          Weitere Themen

          Zapfhahn zu

          Heute in Rhein-Main : Zapfhahn zu

          Radeberger schließt den Frankfurter Standort. Justizminister Poseck spendiert der Justiz eine Menge neue Stellen. Und Tarek Al-Wazir spürt trotz der Ablehnung des Volksbegehrens neuen Rückenwind für die Verkehrswende. Die F.A.Z.-Hauptwache

          Topmeldungen

          Sein Ruhm strahlt weniger ab: Wirtschaftsminister Habeck am Dienstag in Berlin

          AKW-Streckbetrieb : Was ist nun bei den Grünen los?

          Zwei Atomkraftwerke im Süden werden wohl bis zum April 2023 laufen. Für die grünen Wahlkämpfer im Norden kann das eine Chance sein – abgeräumt ist das Thema noch nicht.
          Russische Rekruten steigen in Krasnodar in einen Bus.

          Russische Rekruten : Mit eigenem Schlafsack in den Krieg

          Während Präsident Putin an diesem Freitag Russlands neueste Anschlüsse feiert, trübt vor allem der Unmut über die Mobilmachung die Stimmung.
          Demonstration in Magdeburg

          Proteste gegen Energiepreise : Ostdeutscher Unmut

          Vor allem in Ostdeutschland wächst der Zorn über steigende Energiepreise und den Kurs der Regierung im Ukrainekrieg. Von dieser Stimmung profitiert wieder einmal eine bestimmte Partei.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.