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Zum Tod von Monika Schoeller : Beglückendes Rätsel

Wer schaut aufmerksamer? Monika Scholler am 25. November vorigen Jahres vor Johann Joseph Schmellers Dichterporträt im Frankfurter Goethehaus Bild: Rainer Wohlfahrt

Sie war der Meinung, mit ihr sei nicht viel Staat zu machen. Das sahen die Autoren ihres Verlags ganz anders. Nach dem Tod von Monika Schoeller teilen sie ihre Erinnerungen.

          3 Min.

          Ihr 80. Geburtstag ist erst wenige Wochen her. Eine Festschrift hatten Autoren und Mitarbeiter des Fischer-Verlags Monika Schoeller zum 15. September zusammengestellt, die von Kollegen und Freunden nun, gerade erst erschienen, auch als Erinnerungsband gelesen werden muss. Gestern teilte der Fischer-Verlag mit, Schoeller sei am Buchmessendonnerstag nach kurzer, schwerer Krankheit in Filderstadt bei Stuttgart gestorben. Es ist die Heimatgegend der 1939 zur Welt gekommenen Verlegerin. Zur Leiterin eines der großen deutschen Publikumsverlage aber wurde die Tochter Georg von Holtzbrincks, der S. Fischer 1962 von der Tochter und dem Schwiegersohn des Gründers übernommen hatte, in Frankfurt. Schoeller studierte Sprachen, Kunstgeschichte und Germanistik, ehe sie erste Verlagsschritte bei Artemis, Winkler und Arche machte.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          1974 übernahm sie die Leitung des 1886 in Berlin gegründeten Fischer-Verlags, der mit Autoren wie Thomas Mann bis 1933 das führende Haus für deutsche Gegenwartsliteratur gewesen war, ehe seine Besitzer und viele seiner Autoren von den Nationalsozialisten ins Exil getrieben wurden. Seit der Nachkriegszeit ist der Verlag in Frankfurt ansässig, der 125. Geburtstag wurde unter Schoellers Führung 2011 im Kaisersaal des Römer gefeiert. Als dritte prägende Persönlichkeit des Verlags nach dem Gründer Samuel Fischer und dessen Schwiegersohn Gottfried Bermann Fischer stellte Schoeller den Verlag breiter und zeitgenössischer auf, sorgte für mehr Gegenwartsliteratur, Sachbuch und Kinderbücher, gleichzeitig aber auch für die vorbildliche Pflege des Erbes der klassischen Moderne. Nachdem der Verlag um die Jahrtausendwende in finanzielle Turbulenzen geraten war, hatte Schoeller sich 2002 aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen.

          Bis zuletzt aber war sie Vorsitzende der Geschäftsführung und arbeitete eng mit dem von ihr herangezogenen Kreis junger Geschäftsführer zusammen, auf den sie stolz war. Ihr galten aber auch der Respekt und die Zuneigung vieler Autoren und Mitarbeiter. Dabei beschrieb sie sich selbst als „nicht gesellschaftsfähig“. So formulierte sie es vor knapp einem Jahr, halb ernst und halb belustigt, bei einem ihrer letzten Frankfurter Auftritte. Damals empfing sie im Arkadensaal des Frankfurter Goethehauses, dessen Verwaltungsausschuss sie angehörte, die Maecenas-Ehrung des Arbeitskreises selbständiger Kulturinstitute.

          „Eine schmerzhafte Lücke in unserer Stadt“

          Tatsächlich trat Schoeller betont zurückhaltend auf. Der Schriftsteller Josef Haslinger berichtet in der ihr gewidmeten Festschrift von einem New Yorker Abend zur Förderung der Frankfurter Verlagswelt, auf dem es Mitgliedern der Frankfurter Delegation zu Beginn des Jahrtausends gelang, so zu tun, als sei der 1950 aus Fischer hervorgegangene Suhrkamp-Verlag von der nördlichen Mainseite Frankfurts einziger Verlag. Haslinger wurde immer ärgerlicher, Schoeller nicht: „Die Verlagsgeschichte, so bedeutete sie mir, werde nicht an einem einzigen Tag geschrieben, und schon gar nicht an einem Abend, an dem kein Buch erschienen ist, sondern nur Reden gehalten wurden.“

          Auf den ihr gewidmeten Seiten spricht die Geschichte des Fischer-Verlags von der Veröffentlichung von Doris Lessings „Goldenem Notizbuch“ ebenso wie von der „Schwarzen Reihe“ zur Erforschung des Nationalsozialismus und den historisch-kritischen Gesamtausgaben der Werke Manns, Kafkas und Hofmannsthals. Ihre noch immer nicht abgeschlossene Vollendung unterstützte sie mit eigenem Geld. Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) würdigte Schoeller gestern als eine der bedeutendsten Repräsentantinnen der internationalen Verlagswelt: „Sie hinterlässt eine schmerzhafte Lücke in unserer Stadt.“ Zu den Verlagsautoren, die Beiträge zur Festschrift verfasst haben, zählen Reiner Kunze, Christoph Ransmayr, Julia Franck und Arnold Stadler.

          „Stille, Absichtslosigkeit, Größe“ sah der Bergsteiger Reinhold Messner in ihr: „Sie ist wie ein Berg.“ Die Friedenspreis-Trägerin Carolin Emcke schreibt: „Wann immer eine Menge von Menschen um sie herum war, hat sie ein Gespräch hergestellt, als wären wir allein.“ Vielleicht sei Schoeller aus einem bestimmten Grund eher still: „Damit ihr nichts entgeht von dem, was wirklich wichtig ist.“ Jede Begegnung mit Schoeller sei ein „beglückendes Rätsel“ gewesen, fügt Judith Hermann hinzu, deren Erzählungsband „Sommerhaus, später“ 1998 zu den großen Erfolgen des Verlags wurde: „Ihr Schweigen und ihr Blick. Wie sie den Kopf hält, wenn sie lächelt, überhaupt – wie sie lächelt.“ Schoeller, fuhr Hermann fort, sei „ein Geheimnis“. Das wird sie bleiben.

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