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Volkshochschule Frankfurt : Geschriebene Kunst, gesungene Poesie

  • -Aktualisiert am

Anders als im Deutschen wird im Arabischen von rechts nach links gelesen. Bild: Picture-Alliance

Arabisch zu lernen ist keine Kleinigkeit. Trotzdem steigt die Nachfrage nach Kursen in der VHS. Als Motiv geben viele Teilnehmer den Kontakt zu Flüchtlingen an.

          Heute steht ein Diktat an, allerdings eines mit nur fünf kurzen Sätze, denn wir sitzen in einem Arabisch-Anfängerkurs der Volkshochschule (VHS). Der Lehrer Wael Amin fängt an zu diktieren. Nur wenige Silben später rufen die ersten der acht Kursteilnehmer „Langsamer!“. Amin wiederholt alles, er ist ein geduldiger Typ. „Für jedes Wort eine halbe Stunde“, scherzt er, während die Teilnehmer angestrengt auf ihr Blatt starren. Nach zwanzig Minuten und etlichen Klagerufen ist es schließlich geschafft.

          Der Einstieg in das Arabische ist schwierig. Eine Teilnehmerin sagt, dass sie sich wie eine Analphabetin fühle. Und das trifft in diesem Kontext auch zu, denn wer Arabisch lernt, der muss sich nicht nur ungewohnte Laute, sondern auch ein neues Alphabet aneignen. Dennoch nimmt an den Volkshochschulen bundesweit die Nachfrage nach Arabisch zu. 2015 stieg die Zahl der angebotenen Kurse auf mehr als 1500, in den drei Jahren zuvor hatte sie immer unter 1200 gelegen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch an der VHS in Frankfurt wider: Nach Jahren mit geringerer Nachfrage stieg die Zahl der Kurse zuletzt auf 32. Ähnlich in Mainz: Im Laufe der vergangenen drei Jahre nahm die Zahl der Kurse von 12 auf 19 zu.

          Die Sprache aus Liebe lernen

          Eine Statistik, welche die Gründe dafür aufzeigt, existiert nicht. Eine naheliegende Erklärung – jedoch nicht die einzige – sind die eingereisten Flüchtlinge, beziehungsweise die vielen Einheimischen, die ehrenamtlich oder beruflich mit den Migranten zu tun haben. Die Muttersprache knapp der Hälfte der volljährigen Asylbewerber im Jahr 2015 war Arabisch. Unter den fünf wichtigsten Herkunftsländern von Asylbewerbern sind drei mit Arabisch als Amts- oder Arbeitssprache: Syrien, Irak und Eritrea.

          Der berufliche Kontakt mit Flüchtlingen hat auch Sabine dazu veranlasst, sich für einen Arabisch-Kurs der VHS Frankfurt anzumelden. Sie ist Anfang fünfzig, will aber wie die anderen Teilnehmer, die an diesem Abend in einem Klassenraum der Bettinaschule das Diktat schreiben, mit dem Vornamen angesprochen werden. Sie arbeitet selbst für die Volkshochschule im Kundenservice und spricht dort oft mit Migranten, die Deutsch lernen wollen. Den Kurs bekommt sie als Fortbildung bezahlt. Doch der Beruf ist nicht der einzige Grund. Sie möchte nach Ägypten auswandern, zumindest für ein Jahr, erzählt sie.

          Ähnliche Motive hat eine Kursteilnehmerin, die als Ärztin im Gallus arbeitet und beruflich häufig in Kontakt mit arabischsprachigen Patienten kommt. Doch eigentlich lerne sie die Sprache aus Liebe zu Marokko, sagt die Dreiunddreißigjährige. Dort habe sie einige wunderbare Urlaube erlebt und liebenswürdige Menschen kennengelernt. Der einzige arabische Muttersprachler im Kurs ist Adil. Die Familie des gebürtigen Frankfurters kommt aus Marokko und spricht einen arabischen Dialekt. Der Dreiunddreißigjährige besucht den Kurs, um Hocharabisch zu lernen.

          Eine Kunst, mit der man ein Bild malt

          So wie Adil sprechen die meisten der über 300 Millionen arabischsprachigen Menschen einen Dialekt. Die Ausprägungen der Sprache in mehr als zwei Dutzend Ländern unterscheiden sich im Extremfall so stark, dass sich die Sprecher kaum verstehen können. Hocharabisch kann in solchen Fällen die Verständigung ermöglichen. Man könne sich das Verhältnis so vorstellen, wie es auch mit schweizerdeutschen Dialekten und dem Schweizer Hochdeutsch ist, erklärt ein Kursteilnehmer. Die Dialekte würden bloß gesprochen, das Hocharabische diene als Schriftsprache und für offizielle Anlässe, zum Beispiel in den Fernsehnachrichten.

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