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Nach Krawallen auf Opernplatz : Die große Räumung um Mitternacht

Ein Mitarbeiter der Frankfurter Stadtreinigung entfernt mit einer Schaufel Abfall vor der Alten Oper, nachdem Besucher den Platz verlassen mussten. Bild: dpa

Zum ersten Mal seit den Krawallen haben Stadt und Polizei den Frankfurter Opernplatz geräumt. Das Konzept ist aufgegangen. Eine größere Herausforderung gab es dennoch.

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          Es ist kurz nach 23 Uhr, als die Gruppe junger Männer beschließt, zu gehen. Normalerweise fängt um diese Zeit die Party am Opernplatz erst an. Dann füllt sich der Ort, der zu Frankfurts neuer Feiermeile geworden ist. So rasant, dass man es gar nicht greifen kann. Doch normal ist schon lange nichts mehr am Opernplatz. Schon gar nicht, nachdem es am vergangenen Wochenende zu Krawallen gekommen war, bei denen aus einer Menge von rund 800 Menschen heraus Polizisten angegriffen und mit Flaschen beworfen worden waren. 39 Personen wurden anschließend festgenommen. Nun, knapp eine Woche später, ist alles ganz anders. Denn die Stadt hat die vergangenen Tage genutzt, um gemeinsam mit der Polizei ein Sicherheitskonzept aufzustellen. Und das besagt: Um Mitternacht ist Schluss. Deshalb sagt einer der jungen Männer aus der Gruppe nun, lass uns mal „verlegen, die Location“. Und dann sind sie weg.

          Die große Räumung

          Der Opernplatz ist nicht mehr das, was er vor einer Woche noch war. Nicht mehr der Ort, an dem sich Nachtschwärmer treffen, das Bier im Gepäck. An dem sich Jugendliche am Brunnen verabreden, die Mädchen in engen Kleidern, die Männer in Jeans und muskelbetonten Shirts, die aussehen, als wollten sie später noch in den nächsten Club – wenn denn einer geöffnet hätte. Auch nicht der Ort, an dem sich arbeitende Frankfurter nach einem langen Bürotag auf ein Glas Wein auf die Stufen der Alten Oper setzen und zusehen, wie sich das Licht der Abendsonne im Lucae-Brunnen bricht. An diesem späten Freitagabend sind alle, die auf den Platz gekommen sind, vor allem gespannt, wie sie aussehen soll, die „große Räumung“.

          Während die üblichen Flaschensammler ihre Runden drehen, steht auch Alex auf dem Platz, gemeinsam mit Freunden. Die drei Männer kommen alle zwei Wochen, von der Randale haben sie nur gehört. „Wenn wir jetzt alle früher gehen müssen“, sagt der Einunddreißigjährige, der als Investmentbanker arbeitet, „ist damit ja niemandem geholfen“. Das, was am vergangenen Wochenende passiert sei, „ist nicht schön“. Dafür aber alle zu bestrafen, die ein wenig feiern wollen, „das ist nicht das, was ich mir unter einem demokratischen Staat vorstelle“. Stadt und Polizei hätten früher schon präsenter sein sollen auf dem Platz. Nicht erst jetzt. „Dann wäre das Ganze vielleicht gar nicht erst eskaliert.“

          Verstärkte Präsenz: Die Polizei verfolgt das Geschehen auf dem Opernplatz Bilderstrecke
          Frankfurter Opernplatz : Die große Räumung um Mitternacht

          An diesem Freitagabend steht die Polizei von Stadt und Land an jeder Ecke des Platzes. Bis in die Taunusanlage hinein, in der die Stadtpolizei eine Gruppe junger Männer kontrolliert, die auf den Bänken in einem der Plateaus sitzt und Marihuana raucht. Noch während die Stadtpolizisten die Ausweise der jungen, dunkelhäutigen Männer kontrollieren und nebenher auch ihren Aufenthaltsstatus abfragen, versammeln sich am Rand mehrere Personen und schauen zu. Zunächst noch still. Aber mit einem Plan. Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch niemand, dass im weiteren Verlauf der Nacht der Vorwurf des Racial Profilings auf dem Platz die Runde machen wird.

          Doch als Sicherheitsdezernent Markus Frank auf den Platz tritt, vor die Kameras, und sagt, er sei bisher sehr zufrieden, wie es läuft, baut sich vor ihm eine junge Frau auf, die ihm vorwirft, gezielt gegen Ausländer vorzugehen. „Das ist nicht cool, wenn migrantische Kinder kontrolliert werden“, ruft sie. Dann, bevor der CDU-Politiker antworten kann: „Werden Sie wegen Ihres Aussehens kontrolliert? Kontrollieren Sie doch lieber mal bei sich selbst. Kontrollieren Sie bei NSU 2.0.“ Frank bleibt ruhig, sagt, er finde es gut, wenn Kontrollen stattfänden. „Das dient der Sicherheit der Stadt.“

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