https://www.faz.net/-gzg-a1paw

Nach Krawallen auf Opernplatz : Die große Räumung um Mitternacht

So geht das weiter, den ganzen Abend lang. Nach und nach kommt ein Politiker nach dem anderen auf den Platz. Zuerst Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen). Schließlich lässt sich auch der Oberbürgermeister sehen, nachdem er zuvor über das Presseamt der Stadt eine Mitteilung hat herumschicken lassen, dass er extra seinen Urlaub unterbrochen hat. Peter Feldmann (SPD) sagt, er wolle keine „Krawalltouristen“. Und er sei „extrem optimistisch, dass die Stadt die Situation auf dem Opernplatz wieder in den Griff bekommen wird“. Irgendwann ist Feldmann kaum noch zu verstehen. Eine andere junge Frau, die wie viele andere auf dem Platz mutmaßlich zu der Gruppe „Migrantifa“ gehört, hat sich mit ihren Anhängern etwa zwei Meter neben dem Oberbürgermeister aufgestellt und ruft „No justice“. Die Menge antwortet: „No peace“. Dann folgt Beifall. Die Menge tobt.

Der Jubel geht im nächsten Moment jedoch schon wieder unter, als aus dem Lautsprecherwagen um kurz vor Mitternacht die erste Durchsage zu hören ist, dass der Platz demnächst verlassen werden muss. Ein Polizist liest die Allgemeinverfügung der Stadt vor. Es hört kaum jemand hin. Das ist aber auch nicht nötig. Denn die meisten der rund 500 Menschen, die an diesem Abend auf den Opernplatz gekommen sind, wissen, was dort drin steht. Um Mitternacht beginnt das Betretungsverbot. Niemand darf mehr auf den Platz. Um ein Uhr müssen schließlich alle den Ort verlassen. Dann wird er abgesperrt.

Inzwischen sind zwei Lichtwagen des Technischen Hilfswerks auf den Platz gefahren und haben etwa zehn Meter hohe Stangen ausgefahren, an denen Lampen angehen so hell wie Flutlichter in einem Stadion. „Das ist schon ziemlich ungemütlich“, sagt eine junge Frau, die sich mit Freunden auf ein Glas Wein auf die Treppen der Alten Oper gesetzt hat. „Aber ich kann es verstehen. Nach der Aktion vom vergangenen Wochenende bleibt der Stadt nichts anderes übrig.“

Konkreter Verdacht

Die Polizisten, die in kleinen Trupps auf dem Platz verteilt herumstehen, haben unterdessen einen Großteil der Besuche „gescannt“ – auf der Suche nach weiteren Tatverdächtigen, die am vergangenen Sonntagmorgen, als die Situation gegen drei Uhr eskalierte, dabei waren, als Flaschen gegen die Polizisten flogen. Mehrere junge Männer haben sie an diesem Freitagabend ausfindig gemacht, die von der Optik her jenen Männern ähneln, die auf den Videos zu sehen sind, die als Beweismaterial dienen. Bei den meisten wird die Tatbeteiligung noch geprüft. Bei einem von ihnen jedoch besteht ein konkreter Verdacht. Die Beamten haben den Mann am Rande des Opernplatzes aufgegriffen und seine Personalien festgestellt. Polizeipräsident Gerhard Bereswill ist ebenfalls da, um sich persönlich anzuschauen, ob das Sicherheitskonzept funktioniert. Er sagt, es sei „erklärtes Ziel, zu schauen, ob man weiterer Täter habhaft wird“. Mit dem Verlauf des Abends sei er zufrieden. Er habe bisher „nur vernünftige Menschen gesehen“.

Tatsächlich geht das Konzept am Ende auf. Mit den Flutlichtern fahren auch die Kehrmaschinen der Frankfurter Stadtreinigung auf den Platz. Die Mitarbeiter der FES sammeln den Müll auf, der an diesem frühen Morgen überschaubar ist. Am Ende bleibt nur ein Mann am Brunnen sitzen. In aller Seelenruhe. Langsam nähern sich einige Polizisten, fordern ihn freundlich auf, dass auch er jetzt gehen muss. „Gleich“, sagt der Mann, zückt sein Handy und zählt die Sekunden. Dann ist es punkt ein Uhr. Er steht auf und geht.     

Weitere Themen

Wie man eine Bierflasche auftreten kann Video-Seite öffnen

Geht doch : Wie man eine Bierflasche auftreten kann

Es gibt viele Möglichkeiten, Bierflaschen aufzumachen. Mit dem Feuerzeug, am Bierkasten oder auch mit dem zwölfer Schraubschlüssel aus der Werkzeugkiste. Es geht aber auch spektakulärer, wie F.A.Z.-Redakteurin Marie Lisa Kehler zeigt.

Topmeldungen

Beim Grillfest der SPD in Rostock: Ministerpräsidentin Schwesig

Schwesig im Wahlkampf : Als stünde sie allein im Ring

Beflügelt durch die Beliebtheit der Ministerpräsidentin steht der SPD in Mecklenburg-Vorpommern ein historischer Sieg bevor. Wie ist das Manuela Schwesig gelungen?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.