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Nach internem Streit : Die CDU kehrt zusammen

Lange Sitzung: Bis weit nach Mitternacht haben die Mitglieder der CDU-Nordend im Haus der Volksarbeit diskutiert. Bild: Michael Kretzer

Seit zwei Jahren kommt die CDU im Frankfurter Nordend nicht zur Ruhe. Jetzt gibt es schon wieder einen neuen Vorsitzenden. Und alle hoffen, dass es bald besser wird.

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          Von Ruhe und Frieden will Bettina Wiesmann nicht sprechen, aber wenigstens von einem „unaufgeregten Wechsel“. So kommentiert die Bundestagsabgeordnete jedenfalls die Vorstandswahl in ihrem CDU-Stadtbezirksverband im Nordend am Montagabend. Fünf quälend lange Stunden bis nachts um halb eins dauerte die Sitzung im Haus der Volksarbeit. Von den knapp 170 Mitgliedern des Stadtbezirksverbands waren etwa 50 erschienen. Wer die parteiinternen Querelen im Nordend aus den vergangenen zwei Jahren kennt, durfte allerdings auch nicht mit einer kurzen Sitzung rechnen.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Stadtbezirksverband hat nun einen neuen Vorsitzenden. Er heißt Thomas Dittrich, ist 62 Jahre alt und hat als Führungskraft in einem Versicherungsunternehmen gearbeitet, wie er sagt. Dittrich löst Nils-Christian Grafflage ab, einen 44 Jahre alten Mann, dessen überraschender Sieg vor zwei Jahren einen Spalt im Stadtbezirk offenbart hatte.

          „Warum soll ich mich dann noch abrackern?“

          Damals sprachen manche von einem Putsch gegen den langjährigen Vorsitzenden Rainer Krug. Der hatte sich in der Frage, wer für das Nordend und die umliegenden Stadtteile zur Landtagswahl 2018 antreten sollte, für eine Kandidatin ausgesprochen, die von Wiesmann favorisiert wurde. Grafflage wiederum zählte damals zum Lager von Veronica Fabricius, die ebenfalls für die CDU in den Landtag einziehen wollte. Der Streit, begonnen mit der Abwahl Krugs, eskalierte wenige Monate später auf offener Bühne bei der Kandidatenkür. Die gewann schließlich ein Mann – beide Frauen unterlagen. In den Landtag gewählt wurde er im Herbst 2018 allerdings auch nicht.

          Grafflage sagt, er habe auf eine abermalige Kandidatur verzichtet, weil er mehr Zeit für Beruf und Familie haben wolle. Er habe den Verband „durchaus engagiert geführt“, ihn aber auch durch eine „ruckelige, holprige Zeit“ begleitet. Hinzu komme, dass er in den zurückliegenden Straßenwahlkämpfen selbst immer seltener Argumente für eine Wahl der CDU habe nennen können. „Warum soll ich mich dann noch abrackern?“ Grafflage warb am Montagabend für Dittrich als Nachfolger, Bettina Wiesmann dagegen empfahl die CDU-Fraktionsvorsitzende im Ortsbeirat 3 Claudia Erhardt – „in einem flammenden Plädoyer“, wie Grafflage sagt. Dittrich gegen Erhardt – das war quasi die Fortsetzung des alten Lagerkampfes. Am Ende setzte sich Dittrich mit 28 zu 22 Stimmen gegen Erhardt durch.

          Doch wer nun annahm, das Grafflage-Fabricius-Lager würde sich komplett durchsetzen, sah sich getäuscht. Obwohl drei der fünf Bewerber für einen Stellvertreterposten von dort kamen, wurde nur eine, Annegret Stolberg, gewählt. Die beiden anderen, unter ihnen Fabricius, unterlagen gegen Wiesmann und Erhardt, die nun beide Vize-Vorsitzende sind. Fabricius wurde am Ende mit einem guten Ergebnis noch Beisitzerin; für die acht Posten gab es 14 Interessenten. Grafflage glaubt: „Da hat die Qualität der Vorstellungsreden den Ausschlag gegeben.“ Bettina Wiesmann findet: In Summe ist das eine ausgewogene Aufstellung.“ Sie hoffe nun auf eine sach- und teamorientierte Zusammenarbeit mit großer Transparenz.

          „Mit harten Bandagen gekämpft“

          Der neue Vorsitzende Dittrich, der sich nach eigenen Worten „für eine Befriedung“ hatte nominieren lassen, hofft ebenfalls, dass sich die Lage im Nordend nach zwei Jahren Scharmützel endlich wieder beruhigt. „Da wurde teilweise schon mit harten Bandagen gekämpft“, berichtet er. Dittrichs Ziel ist es, das Profil der Partei zu schärfen. Dazu seien mehr Daten über die Wähler und ihre Entscheidungen nötig. Außerdem müssten die Jugendlichen über Instagram stärker angesprochen werden. Er habe mit Freude gesehen, dass Wiesmann an dem Abend auf ihn zugekommen sei. „Ich glaube, wir kriegen das hin.“

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