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Wiesbaden wieder am Bahnnetz : Züge rollen wieder

  • -Aktualisiert am

Wieder per Zug erreichbar: Wiesbaden ist wieder ans Bahnnetz angebunden. Bild: Marcus Kaufhold

Monatelang war Wiesbadens Hauptbahnhof nicht per Zug anfahrbar. Nach der Havarie der Salzbachtalbrücke und deren Sprengung ist er nun aus seiner Isolation befreit und wieder in das Verkehrsnetz integriert.

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          Pünktlich um 3.18 Uhr verließ die S8 in der Nacht zum Mittwoch als erster planmäßiger Zug die Landeshauptstadt in Richtung Hanau. Mehr als sechs Monate nach der Havarie der Salzbachtalbrücke und der daraufhin gesperrten Gleise unter der Brücke ist der Wiesbadener Hauptbahnhof wieder am Bahnverkehrsnetz. Vor allem für die Pendler auf den drei S-Bahn-Linien 1, 8 und 9 des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) bedeutet das eine enorme Erleichterung. Zwischen Wiesbaden und Frankfurt hatte sich die Fahrtzeit nach der Sperrung nahezu verdoppelt.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Seit dem 18. Juni war der Bahnhof nur noch mit Niedernhausen über die Trasse der Ländchesbahn (Linie RB21) verbunden. Die fünf wichtigeren Gleisstränge gen Frankfurt, Flughafen und Mainz verliefen allesamt unter der Salzbachtalbrücke hindurch und waren daher blockiert. Nach der Sprengung und Räumung der Brückentrümmer hatte die Autobahn GmbH der Bahn am 4. Dezember das aufwendig geschützte Gleisfeld zum Neubau von 500 Meter Schienen und 6,6 Kilometer Oberleitungen übergeben.

          Die Bahn hat das seinerzeit ausgegebene Ziel erreicht, den Hauptbahnhof noch vor Weihnachten an den Verkehr wieder anzufahren. Damit verkehrt nun auch die von Vias betriebene Rheingaulinie RB10 wieder regulär mit Halt im Hauptbahnhof. Das gilt ebenfalls für die Regionalbahnlinien 33 des Verkehrsunternehmens Vlexx und 75 der HLB. Der Fernverkehr spielt im Kopfbahnhof Wiesbaden mit weniger als zehn Prozent eine untergeordnete Rolle.

          Bahnhofsmieter entlastet

          Außerhalb von Pandemiezeiten zählt die Bahn an den täglich 500 Zügen in Wiesbaden rund 44.000 Ein- und Aussteiger. Diese Zahl solle möglichst bald wieder erreicht werden, sagte der Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, André Kavai, anlässlich der Wiederinbetriebnahme. Mit der Wiederaufnahme des Zugverkehrs endet der sogenannte Ersatzverkehr mit Bussen wie zwischen Biebrich und dem Hauptbahnhof. Eine Ausnahme ist die Buslinie X26 von und nach Hofheim, die bis auf weiteres fortgeführt wird.

          Während der mehr als sechs Monate währenden Isolationszeit kam die Bahn den rund 20 Mietern von Geschäften und Imbissbuden im kaum frequentierten Bahnhofsgebäude finanziell entgegen. Konkrete Zahlen nennt die Bahn dazu aber nicht. Laut Bahnhofsmanager Benjamin Schmidt gab trotz heftiger Umsatzeinbußen aber keiner der Bahnhofsmieter auf. Der Bahn-Bevollmächtigte für Hessen, Klaus Vornhusen, lobte die Anstrengungen aller Beteiligten, den Bahnverkehr schnellstmöglich wieder aufnehmen zu können. Die Bahn sei auf die Autobahn GmbH, die für die Salzbachtalbrücke zuständig ist, zwar „ein bisserl grantig“. Die Umlenkung der Fahrgastströme in dieser Ausnahmesituation habe unter dem Strich gut funktioniert, aber „wir wollen das nicht noch einmal erleben.“

          „Das Tor in die Region und in die Welt ist wieder offen“, sagte Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD). Wiesbaden habe „ein Stück Normalität“ zurückgewonnen. Mende, selbst bekennender Eisenbahn-Fan und in seiner Jugend fleißiger Leser des Bahn-Kursbuchs, sprach vom „Comeback des Jahres“ für den Bahnhof, aber auch von einer „extremen Zumutung für die Fahrgäste“. Langfristig wünsche er sich zudem mehr Fernverkehrsverbindungen für Wiesbaden.

          „Vorgezogenes Weihnachtfest“

          Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Die Grünen) nannte die Rückkehr zum Regelfahrplan ein „vorgezogenes Weihnachtsfest“ für alle Pendler. Mit der bestmöglichen Bewältigung der Folgen der Havarie, der schnellen Einrichtung des Ersatzbusverkehrs und der kurzfristigen Aufwertung und Stärkung der Wiesbadener Bahnhöfe Biebrich, Schierstein und Ost habe Wiesbaden auch gezeigt: „Wir können Krise“. Dieser Mittwoch sei der „Tag eins für den Wiederaufbau der Verkehrsinfrastruktur“ in Wiesbaden.

          Nach Ansicht des aus den organisierten Citybahn-Befürwortern hervorgegangenen Vereins „Wiesbaden neu bewegen“ darf der wiedererlangte Status Quo vor der Brückensperrung kein Anlass sein, die Hände in den Schoß zu legen. Vielmehr seien verbesserte Angebot notwendig, um die Bahnfahrer für die entbehrungsreiche Zeit zu entschädigen, meint Vereinsvorsitzender Wito Harmuth. Dazu gehörten Taktverdichtungen und eine Fahrplanstabilisierung auf der Regionalbahnlinie 10, die den Rheingau über Wiesbaden mit Frankfurt verbindet.

          Freigeräumt: Die Gleise unterhalb der gesprengten Salzbachtalbrücke.
          Freigeräumt: Die Gleise unterhalb der gesprengten Salzbachtalbrücke. : Bild: dpa

          Notwendig sei ferner eine gute Bahnverbindung nach Rheinland-Pfalz, zum Beispiel durch die Verlängerung der S6 aus Richtung Mannheim und Worms über Mainz nach Wiesbaden. Auch die Sanierung und der barrierefreie Ausbau der übrigen Wiesbadener Bahnhöfe sei dringend. Der Zustand des Bahnhofs Biebrich zeige, wie stiefmütterlich der Bahnverkehr in Wiesbaden lange behandelt worden sei. Dringend verbesserungswürdig sei zudem die Fahrgastinformation.

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