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Im Gespräch: Marie Lisa Kehler : „Beim Zieleinlauf hab’ ich Rotz und Wasser geheult“

Finisher: Marie Lisa Kehler, hier bei einem Trainingsläufchen, hat ihren Marathon hinter sich Bild: Francois Klein

Zum ersten Mal ist Kollegin Marie Lisa Kehler 42,195 Kilometer gelaufen. Kurz danach haben wir telefoniert. Und uns über Salty Peanut, Po-Muskulatur und den Mann mit dem Hammer unterhalten.

          2 Min.

          Du hast gerade deinen ersten Marathon geschafft. Herzlichen Glückwunsch! Wie selig bist du jetzt?

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ich hab’ Rotz und Wasser geheult, als wir in die Festhalle eingelaufen sind.

          Schon während des Laufs?

          Ja. Irgendwann bei Kilometer 41 wurde an der Strecke „Don’t stop me now“ gespielt. Da wusste ich, okay, jetzt schaff’ ich’s. Bis Kilometer 38 war ich schweinearrogant. Bis dahin bin ich total locker gelaufen. Ich hatte eine Freundin dabei, wir haben uns unterhalten, alles war gut. Und dann hat’s mich niedergegrätscht.

          Marathonläufer fürchten den Mann mit dem Hammer. Du hast ihn also getroffen?

          Ja, definitiv. Bei Kilometer 38 war er plötzlich da.

          Was hat er gemacht?

          Bis dahin bin ich rumgehüpft und hatte nix. Es ging mir total gut. Ich hätte bis dahin vielleicht sogar noch etwas schneller laufen können, aber ich wollte lieber mit meiner Freundin zusammenbleiben. Wir haben uns so prima zusammen durchgequatscht.

          Wie war das jetzt mit dem Hammer-Mann?

          Die Po-Muskulatur links hat zugemacht. Ich wusste gar nicht, dass das geht.

          Von einem Schritt auf den anderen?

          Ja. Es tat einfach so weh, dass ich nicht wusste, wie ich die letzten vier Kilometer laufen sollte. Wir haben uns dann hinter einen der Pace-Maker-Engel geklemmt. Das war ’ne Kölsche Jung’, der hat sehr viel gelabert und mich abgelenkt. Der hat mir sozusagen den Hintern wieder freigeredet.

          Wie ätzend war der Regen für dich?

          Ich komme ja aus dem Sauerland, und im Sauerland kennt man Regen. Das ist eigentlich mein Traum-Laufwetter. Dass es angefangen hat zu regnen, fand ich ziemlich gut. Alle anderen hassen es, aber für mich ist Regen perfekt.

          War es nicht zu kalt?

          Nein, ich bin ja die ganze Zeit gelaufen. Das ging schon alles. Richtig doll hat es auch erst in der letzten halben Stunde geregnet. In den Stunden vorher war das eher ein leichter Nieselregen.

          In welcher Zeit bist du denn durchgekommen?

          Ich weiß es gar nicht. Ich bin, glaube ich, mit der einzigen Frau gelaufen, die wie ich keine Laufuhr dabei hatte. Ich nehme an, wir waren irgendwo bei 4:20 Stunden. (Es waren 4:17:02 netto.)

          Waren die 42,195 Kilometer so, wie du Sie dir vorgestellt hast?

          Ich habe vorher nur Horror gehabt. Ich bin ein kleiner Zweifler, ich habe seit drei Nächten nicht geschlafen. Und heute Morgen war mir total übel. Und die ersten fünf Kilometer fand’ ich richtig blöd.

          Die ersten fünf?

          Ja. Es war mir alles zu hektisch irgendwie. Ich habe auch mein Tempo nicht richtig gefunden. Wir waren erst in einer Gruppe unterwegs, und die anderen sind so schnell losgelaufen. Als ich mich dann von denen getrennt hatte, ging’s eigentlich. Und je länger der Lauf dauerte, desto besser habe ich mich gefühlt.

          Was tut dir jetzt weh?

          Die Fußgelenke und mein Magen. Ich hab’ während des Laufs so viele von diesen pappsüßen Gels gegessen, das war unglaublich. Zweimal Cola, einmal Orange, einmal Salty Peanut.

          Salty Peanut? Oh Gott.

          Und dann hatte ich noch einen Espresso-Shot und zwei Bananen. Ich habe die Startgebühr wieder reingefuttert.

          Was machst du jetzt noch?

          Meine Schwester ist überraschend gekommen. Wir werden alle sicher noch eine ganze Weile zusammensitzen.

          Und Alkohol?

          Bierchen auf jeden Fall. Da habe ich so lange drauf verzichtet.

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