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Nach Anschlag in Halle : Schutz der Frankfurter Synagoge erhöht

Vor der Synagoge im Frankfurter Westend: Auch hier hält die Polizei Wache. Bild: Helmut Fricke

Nach dem Anschlag in Halle reagieren auch Sicherheitsbehörden in anderen Städten mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Auch die Jüdische Gemeinde selbst will in diesen Zeiten besonders wachsam sein.

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          Nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle hat die Polizei auch in Frankfurt die Sicherheitsvorkehrungen an jüdischen Einrichtungen verschärft. Ein Sprecher der Frankfurter Polizei teilte mit, man habe vor allem die Präsenz der Sicherheitskräfte „der Situation angepasst“. Ähnlich wurde auch in anderen hessischen Städten verfahren. Die Entscheidung, auch in Hessen auf die Geschehnisse in Halle zu reagieren, wurde bereits kurz nach der Tat getroffen, um für den Fall vorbereitet zu sein, dass es auch in Hessen zu Anschlägen kommt, wie es aus Sicherheitskreisen hieß. Auch Spezialeinheiten sollen sich in Bereitschaft gehalten haben. Für sogenannte Amok- oder Terrorlagen gibt es zudem speziell geschulte Interventionskräfte, die auch mit entsprechender Bewaffnung und Schutzausrüstung ausgestattet sind.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für ganz Hessen habe man sichergestellt, dass die polizeiliche Präsenz gewährleistet sei, sagte am Abend ein Sprecher des Innenministeriums. Man stehe „in engem Austausch mit den Behörden in Sachsen-Anhalt“. Die Polizei hatte vorsorglich zu einer bundesweiten Fahndung aufgerufen, als noch unklar war, ob es sich um mehrere Täter handelte. Sowohl die Landes-, als auch die Bundespolizei kontrollierte sämtliche Verkehrswege im Rhein-Main-Gebiet. Wie aus Sicherheitskreisen zu hören war, wurden am Nachmittag auch Flüge aus Berlin und Halle am Frankfurter Flughafen überprüft.

          Am Nachmittag äußerte sich die Jüdische Gemeinde in Frankfurt zu dem Anschlag in Halle. Die Gemeinde sei sich schon immer darüber bewusst gewesen, dass ihre Einrichtungen Ziel von Attacken werden können, sagte Vorstandsmitglied Leo Latasch dieser Zeitung. „Deshalb sind wir immer äußerst wachsam gewesen.“ Die Synagoge, das Gemeindezentrum oder das Philanthropin stünden schon seit langem unter Polizeischutz und verfügten über Sicherheitseinrichtungen.

          Bevölkerung reagiert bestürzt

          Latasch glaubt, dass zumindest in Frankfurt der Schutz der Gemeindeeinrichtungen ausreichend sei. Wie er weiter berichtete, tauscht sich die Jüdische Gemeinde regelmäßig mit der Polizei aus. Nach den Todesschüssen in Halle sei noch einmal jedem deutlich geworden, dass Schutzmaßnahmen für die Jüdische Gemeinde und ihre Einrichtungen weiterhin unentbehrlich seien und auf hohem Niveau fortgeführt werden müssten. Von Normalität könne noch lange nicht die Rede sein. Zu den als bedroht betrachteten Institutionen zählen nicht nur Einrichtungen der Jüdischen Gemeinde, wie etwa der jüdische Kindergarten, sondern auch das Jüdische Museum. Dieses ist ein Institut der Stadt Frankfurt. Besucher müssen eine Sicherheitsschleuse passieren, bevor sie das Museum betreten dürfen.

          Auch die Frankfurter Bevölkerung reagierte bestürzt auf die Tat in Halle. Am Abend fanden gleich zwei Mahnwachen in Frankfurt statt. An der Synagoge der Jüdischen Gemeinde im Frankfurter Westend versammelten sich etwa 25 Personen. Die Grünen-Fraktion im Frankfurter Römer hatte zu der spontanen Mahnwache eingeladen. Vorstandssprecherin Beatrix Baumann sagte, man wolle Entsetzen und Betroffenheit über die Tat in Halle zum Ausdruck bringen, sich aber auch schützend vor die Jüdische Gemeinde stellen, die währenddessen in der Synagoge einen Gottesdienst abhielt. Die Mahnwache sei seitens der Gemeinde „als gute Geste“ positiv aufgenommen worden, sagte Baumann.

          Unterdessen hatten sich auch auf dem Römerberg etwa hundert Menschen versammelt. Sie waren einem Aufruf der Deutsch-Israelischen Gesellschaft gefolgt. Laut Claudia Korenke, Vizepräsidentin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, ist es für Juden in Deutschland „nahezu alltäglich, Gewalt zu erleben“. Man werde sich dafür einsetzen, „dem kriminellen Treiben ein Ende zu setzen“. Dazu fordere man die Solidarität jeden Bürgers.

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