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Initiative gegen Sperrung : Kein autofreies Museumsufer

Der Anwohner Herbert Schmoll hat die Gründung einer Bürgerinitiative gegen die Sperrung der nordmainischen Uferstraße initiiert. Bild: Lucas Bäuml

Bürger wehren sich gegen die Sperrung der nordmainischen Uferstraße in Frankfurt. Aber der Verkehrsdezernent hält nichts davon, lieber das südliche Mainufer zur Flanierzone zu machen.

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          Am gesperrten nördlichen Mainkai wird morgen die Rückeroberung der Straße gefeiert. Die Linken im Römer laden unter dem Motto „Reclaim the Streets – Platz für Menschen statt Autos“ ein. In Höhe des Eisernen Stegs soll es Musik, Vorträge und einen „aufblasbaren Hindernisparcours“ geben. In Sachsenhausen fragt man sich, ob dies das ganze Potential der seit August vom motorisierten Verkehr befreiten Straße ist: Radfahrstrecke, Trainingsfläche für E-Tretroller und Festplatz mit Hüpfburg. Ansonsten präsentiert sich das Asphaltband zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke bisher eher verwaist.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Was sich da Hibbdebach am Mainkai entwickelt oder auch nicht entwickelt, sehen Bürger und Ortsvertreter Dribbdebach, in Sachsenhausen, mit Verärgerung. Vor allem, weil der südmainische Stadtteil ganz klar die verkehrlichen Folgen der Straßensperre zu tragen hat. In der jüngsten Sitzung des für Sachsenhausen zuständigen Ortsbeirats 5 hatte Roland Limberg denn auch einen Gedanken ausgesprochen, der gemeinhin Anklang fand: „Es wäre besser, wenn statt des Nordufers die südmainische Uferstraße gesperrt würde.“

          „Das würde zur Museumslandschaft passen“, bekräftigte Limberg, der ehrenamtlicher Kinderbeauftragter des Ortsbeirats ist. Limberg ist bekannt dafür, aus seiner Sicht schlecht laufende Dinge beim Namen zu nennen: „Es ist komplett verkehrt, das Nordufer zu sperren.“ Der Abschnitt der Uferstraße sei nicht attraktiv, es gebe keine Läden, an denen Passanten oder Touristen entlang flanieren könnten. Gering sei die Zahl der ansässigen Gastronomiebetriebe, die Außenflächen bewirtschaften könnten. „Dort wird kein Flair und keine Gemütlichkeit entstehen“, sagte Limberg und stieß nicht auf Widerspruch.

          Flanieren zwischen den Museen besser

          Zustimmendes Kopfnicken erntete er aber für sein Bild, das er von einer autofreien südmainischen Uferstraße zeichnete: Zwischen den Museen könnte viel besser flaniert werden. Gastronomieflächen könnten vor den Ausstellungshäusern angelegt und von den Museumsgastronomien bewirtschaftet werden. Die Infrastruktur wäre vorhanden. Auf Sachsenhäuser Seite seien zudem die Flächen für Fußgänger und Radfahrer klar aufgeteilt. Für Radfahrer biete sich am Hochkai, auf ganzer Länge von Sachsenhausen, ein durchgängig in beide Richtungen sicher befahrbarer Radweg.

          Mit der Auffassung, dass das nördliche Mainufer weitaus weniger Potential biete, steht Limberg nicht allein: Der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße, Torsten Schiller, empfindet die Nachkriegsarchitektur der dortigen Bebauung wenig attraktiv. Die Auffassung teilt Herbert Schmoll, Sprecher der neu gegründeten Bürgerinitiative, die sich gegen die Nordufer-Sperre wehrt.

          Wohin mit dem Flohmarkt?

          Und dann wäre da noch die ungelöste Frage, wohin der Flohmarkt künftig ausweichen soll. Der Ortsbeirat 5 hat dazu einstimmig einen Antrag der SPD beschlossen. Die Ortsvertreter fordern, den alle zwei Wochen am Sachsenhäuser Ufer gastierenden Flohmarkt an das gesperrte Nordufer zu verlegen, um an diesen Tagen die Verkehrssituation in Sachsenhausen zu entspannen. Eigentlich hatte die Stadt schon längst Ersatzstandorte prüfen wollen. Den Vorschlag des Ortsbeirats hält unterdessen Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) für nicht praktikabel. Die Straße am südlichen Mainkai sei breiter, die nördliche Uferstraße biete zu wenig Stellfläche für den Flohmarkt, sagte er auf Anfrage. Zudem verkehre dort samstags die historische Hafenbahn.

          Der Flohmarkt solle aber auch nicht ganz an die Lindleystraße am Osthafen verbannt werden, wo er jetzt schon im Wechsel mit Sachsenhausen aufgebaut werde. „Es bieten sich andere Aufbauflächen im Stadtgebiet“, sagte Oesterling, ohne sie zu benennen. Verwundert äußerte sich der Stadtrat auch über die Forderung, statt des nördlichen besser das südliche Flussufer zu sperren. Dann würden Autofahrer noch mehr in die Gartenstraße und andere Wohnstraßen von Sachsenhausen ausweichen.

          Limberg nannte unterdessen einen anderen großen Vorteil, wenn das Südufer gesperrt würde. Dann wäre das Problem mit der viel kritisierten „Wand“ aus Reisebussen gelöst, die in langer Reihe bisher am Südufer parkten und die Blicke auf die gegenüberliegende Mainseite versperrten. Ohnehin sei der südmainische Tiefkai offenbar beliebter bei Flaneuren und jenen, die sich auf der Uferwiese niederließen. Die Blicke auf die Skyline, gerade wenn die Abendsonne hinter den Hochhäusern verschwinde, seien von Dribbdebach aus eben unschlagbar attraktiv.

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