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Museum Giersch : Wunderbare Wandlung

Unser Haus, euer Haus: Das Stifterehepaar Giersch stellt das Museum (rechts), das seinen Namen trägt, künftig der Goethe-Universität zur Verfügung. Bild: Fricke, Helmut

Das Museum Giersch wird von der Goethe-Universität Frankfurt übernommen. Das Haus erhält von der Stiftung Giersch über 30 Jahre rund 27 Millionen Euro.

          100 Jahre ist die Frankfurter Goethe-Universität nun alt. Aus Sicht altehrwürdiger deutscher Hochschulen wie jener in Heidelberg (628 Jahre) und Köln (626) ist der Nachzügler damit gewissermaßen volljährig geworden. Aus der Vollendung des ersten Saeculums lässt sich auch das Recht ableiten, die eigene Geschichte institutionell zu würdigen, ohne dass das hochstaplerisch klänge.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Die Gelegenheit ist nicht ungenutzt verstrichen: Am Samstag, zur Zentenarfeier in der Paulskirche, hat Präsident Werner Müller-Esterl bekanntgegeben, dass die Goethe-Universität ein eigenes Museum bekommt. Es entsteht am Museumsufer, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Städel.

          Ganz neu ist das Haus allerdings nicht, es handelt sich eher um eine Umgründung: Aus dem Museum Giersch, das sich bisher vor allem durch die Präsentation deutscher Malerei aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert mit einem Schwerpunkt auf Künstlern aus der Region profiliert hat, wird zum 1. Januar 2015 das „Museum Giersch der Goethe Universität“.

          Uni wird für 30 Jahre Betreiber des Museums

          Ein Coup, zweifelsohne. Wer Carlo und Karin Giersch nach ihren Motiven fragt, erfährt, dass es ihnen wichtig ist, ihr Erbe zu ordnen - und das heißt im Fall des kinderlosen Ehepaars, die Zukunft ihrer Stiftung zu regeln. Das Museum am Schaumainkai in Sachsenhausen ist ihnen besonders ans Herz gewachsen. Es eng an die Universität zu binden liegt schon deshalb nahe, weil das Ehepaar Giersch hier ohnehin stark engagiert ist. Im Jahr 2002 schenkte es der Universität eine Villa als Gästehaus, am Riedberg ist das Giersch Science Center für 250 Forscher in den Naturwissenschaften, der Medizin, Mathematik und Informatik entstanden, dazu ist eine Graduiertenschule gekommen.

          Die finanziellen Details der Museumsübertragung sind schnell erklärt, und sie sind überaus vorteilhaft für die Goethe-Universität: Sie wird für 30 Jahre Betreiber des Museums; sie übernimmt das Personal, während die Stiftung für Dach und Fach zuständig bleibt, wie es schön altmodisch heißt, also für den Unterhalt der Immobilie. Aber nicht nur das, die Stiftung zahlt 500.000 Euro im Jahr. Insgesamt läuft es auf eine Förderung in Höhe von 27 Millionen Euro hinaus. Die Kunstsammlung bleibt im Eigentum der Stiftung, steht der Universität aber uneingeschränkt zur Verfügung.

          Keine Dauerausstellung der Uni geplant

          Etwas vager werden die Auskünfte, wenn man nach dem dahinterstehen Konzept fragt. Müller-Esterl sieht die Chance, als Bürgeruniversität stärker präsent zu sein in der Stadt. „Einen detaillierten Businessplan für das Museum haben wir noch nicht“, sagt der Uni-Präsident, dafür sei der Vertrag zu neu. Ein solcher Plan werde aber in den nächsten Wochen entstehen.

          Es wird jedenfalls vorerst keine Dauerausstellung der Universität in dem Museumsbau geben, obwohl die großartige Jubiläumsschau „Ich sehe wunderbare Dinge“, in der derzeit Preziosen aus den mehr als 40 Sammlungen der Universität und der ihr verbundenen Institute gezeigt werden, dazu wie gemacht erscheint. Das würde allerdings wohl voraussetzen, dass die Universität den Zugriff auf die einzelnen Sammlungen zentralisiert. „Die Sammlungen zusammenzuführen würde unsere Kräfte überspannen“, sagt Müller-Esterl. Vermutlich würde es auch auf Widerstand in den einzelnen Fachbereichen und Instituten stoßen.

          Stattdessen wird die vom „alten“ Museum Giersch für 2015 schon vorbereitete Ausstellung „Romantik im Rhein-Main-Gebiet“ wie geplant gezeigt werden. Überhaupt wird die personelle Kontinuität hoch sein. Museumsdirektor Manfred Großkinsky wird dem Haus noch fünf Jahre lang als künstlerischer Leiter vorstehen, bevor er in den Ruhestand tritt. Auch alle andere Mitarbeiter bleiben.

          Perspektivisch ist offenbar geplant, einen der Lehrstuhlinhaber am Kunsthistorischen Institut mit der Leitung des Hauses zu beauftragen. Das lässt sich auch aus Bemerkungen des Präsidenten schließen: „Wir haben durchaus Expertise für die Gestaltung von Ausstellungen bei uns im Haus“, sagte Müller-Esterl gestern auf Anfrage. Eine Aufgabe des Museums sieht er auch darin, den Studenten des Aufbaustudiengangs „Curatorial Studies“ Praxiserfahrungen zu verschaffen.

          Das dürfte ganz im Sinn der Stifter sein. Carlo Giersch weist gern und mit Stolz darauf hin, dass drei Direktoren bedeutender Museen in seinem Haus Praktikant oder Volontär gewesen seien. Er hat auch für das Universitätsmuseum große Vorbilder im Blick: In den Vereinigten Staaten habe jede bedeutende Universität eine solche Einrichtung. Und auch in Deutschland zähle man immerhin 28 Universitätsmuseen. Bonn ist vor kurzem dazugekommen, die Humboldt-Universität in Berlin und die Maximiliansuniversität in München richten gerade eigene Museen ein. Frankfurt ist also in bester Gesellschaft.

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