https://www.faz.net/-gzg-7q9yv

Mundanis Stadtschule Frankfurt : Schulleiter entlassen, Eltern bestürzt

Muss die Mundanis-Schule verlassen: Schulleiter Detlev Drascher Bild: Gyarmaty, Jens

Die private Mundanis-Schule in Frankfurt trennt sich von einem ihrer Gründer und Schulleiter Detlev Drascher. Zudem stehen der Realschulzweig und Neubaupläne in Frage.

          3 Min.

          An der Mundanis Stadtschule Frankfurt hat ein schon länger schwelender Konflikt zur Trennung von Schulleiter Detlev Drascher geführt. Der Träger, die SRH Schulen GmbH, begründet die Kündigung und sofortige Beurlaubung mit unterschiedlichen Auffassungen über die Zukunft der privaten Bildungsstätte. Die personelle und pädagogische Kontinuität werde „durch das erfahrene und hoch engagierte Lehrpersonal gewährleistet“. Davon sind allerdings längst nicht alle Eltern und Lehrer überzeugt. Nach Informationen dieser Zeitung kämpft die Schule mit wirtschaftlichen Problemen und wird möglicherweise auch den Plan aufgeben, ein neues Schulgebäude in der Frankfurter City West zu errichten.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Drascher hatte die Mundanis-Schule vor vier Jahren zusammen mit einigen Mitstreitern gegründet. Seine jetzige Entlassung wurde unter den Eltern mit Bestürzung aufgenommen. „Wir sind fürchterlich aufgebracht“, sagte Gabi Schmitt vom Elternbeirat am Dienstag. Trotz der vorangegangenen Konflikte zwischen Eltern und Schulleitung auf der einen und dem Schulträger auf der anderen Seite komme die Nachricht völlig überraschend. Mit Drascher verliere die Schule „Herz und Seele“. Im Sinne der Schüler müssten alle Beteiligten aber nach vorne schauen. „Wir wollen, dass sich die Schule stabilisiert und bestehen bleibt.“ Weitere Informationen erhofften sich die Eltern von einem Gespräch mit Vertretern der SRH, das gestern Abend stattfand und zu Redaktionsschluss noch andauerte.

          Drascher war zuvor an der Anna-Schmidt-Schule

          Die Mundanis-Schule war 2010 aus einem Streit an der Anna-Schmidt-Schule hervorgegangen. Auch dort war es zu Querelen mit dem Trägerverein und zur Kündigung des Schulleiters gekommen. Als dessen damaliger Stellvertreter verließ Drascher daraufhin die älteste Frankfurter Privatschule, um zusammen mit gleichgesinnten Eltern und Lehrern die Mundanis-Schule zu gründen. Als Partner und Kapitalgeber dafür fanden sie die SRH Holding, eine Stiftung mit Sitz in Heidelberg, die mit mehreren Tochterunternehmen unter anderem private Hochschulen und Krankenhäuser betreibt.

          Die Gründer im Jahre 2010: Bobbel Jacobs, Detlev Drascher, Kalliopi Charitonidou und Daniel Frech (v.l.).

          Derzeit besuchen die Mundanis-Schule etwa 350 Kinder und Jugendliche, das zugehörige Kinderhaus bietet weitere 72 Plätze. Nach Angaben von SRH entwickelt sich der Grundschulzweig gut, während es für das im Aufbau befindliche Gymnasium offenbar weniger Nachfrage gibt. Weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind laut SRH die Anmeldungen für den zu diesem Schuljahr eröffneten Realschulzweig.

          Unklarheit über neuen Standort verärgert Eltern

          Ein Sprecher der Holding sagte am Dienstag, „mit einer Handvoll Schüler“ könne man einen Schulzweig nicht fortführen. Die SRH sei zwar kapitalstark, aber „kein Subventionsbetrieb“. Langfristig müsse sich die Mundanis-Schule selbst tragen. Zur Zukunft des Gymnasial- und Realschulzweigs wollte sich der Sprecher nicht dezidiert äußern, er hob lediglich hervor, dass die bestehenden Klassen fortgeführt würden. „Kein Kind wird die Schullaufbahn abbrechen müssen.“

          Zur Unruhe unter der Elternschaft hatte in den vergangenen Monaten außer einer Schulgelderhöhung auch die Unklarheit über den künftigen Standort geführt. Derzeit befinden sich Schule und Kinderhaus in einem ehemaligen Bürogebäude in der Nähe des Westbahnhofs, das nur über einen kleinen Pausenhof und sehr begrenzte Sportmöglichkeiten verfügt. Eltern und Schulleitung hatten deshalb auf einen Neubau gedrungen, den die SRH auch in Aussicht stellte. Der Kaufvertrag für eine Liegenschaft in der City West nahe dem jetzigen Standort stehe kurz vor dem Abschluss, teilte die Stiftung im April auf Anfrage dieser Zeitung mit.

          Angeblich noch mehr Kündigungen

          Inzwischen spricht SRH allerdings nur noch davon, „Optionen zur Optimierung des Schulgebäudes oder zur Errichtung eines Neubaus“ zu prüfen. Der Sprecher sagte, es sei in Frankfurt schwer, ein geeignetes und bezahlbares Grundstück zu finden, und man wolle die Schule „nicht in ein finanzielles Risiko stürzen“. Die Kündigung Draschers begründete er auch mit Wünschen aus der Elternschaft. Das Gründerteam habe „tolle Arbeit geleistet, aber es werden Änderungen gewünscht, und die wollen wir umsetzen“.

          Drascher widersprach auf Anfrage der Darstellung, es gebe eine breite Unzufriedenheit mit der pädagogischen Leitung. Tatsächlich ist aus der Elternschaft vor allem Kritik an der Schulgelderhöhung, der ungeklärten Standortfrage und der Geschäftsführung des Schulträgers zu hören. Unbestätigten Angaben zufolge soll es eine Reihe von Kündigungen geben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Frau mit Maske überquert die Straße im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Im Hintergrund ist ein Stoppschild auf die Wand gemalt: „Nicht ein Toter mehr!“

          Liveblog zum Coronavirus : Mehr als 300.000 Infizierte in Amerika

          Leichte Hoffnung für Italien: Die Zahlen der täglichen Toten ist gesunken +++ Die schwangere Verlobte des britischen Premiers Johnson litt nach eigenen Angaben unter dem Coronavirus +++ Sánchez will Ausgangsbeschränkungen in Spanien verlängern +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.