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„Trauriger Tag für Sport“ : Multifunktionshalle am Kaiserlei droht zu scheitern

Umbau Ost: Das Kaiserlei-Gebiet, aufgenommen im Juli 2019 Bild: dpa

Von einem traurigen Tag für den Profisport spricht der Frankfurter Fachdezernent. Denn die erhoffte Multifunktionshalle am Kaiserlei rückt in weite Ferne.

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          Ein Geruch von Gummi, Schweiß, Popcorn, Limo und Bier sollte durch die Halle wehen, die an der Grenze der Nachbarstädte im Stadtteil Kaiserlei geplant war – doch der Traum von einer großen Multifunktionsarena zwischen Offenbach und Frankfurt scheint ausgeträumt. Die Großsporthalle sollte den Eishockey-, Basket- und Volleyballvereinen bei Heimspielen als Arena dienen. Als Konzerthaus sollte das Gebäude großen Bands und Solokünstlern eine Bühne bieten. Doch daraus wird wohl nichts. Nachdem am Montag der aussichtsreichste Investor abgesprungen ist, steht der Frankfurter Sportdezernent Markus Frank (CDU) vor einem Scherbenhaufen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Arena sei „in weite Ferne gerückt“, teilte der Dezernent gestern mit. „Für den Profisport in Frankfurt ist es ein trauriger Tag.“ Das Konsortium Langano, zu dem auch der Veranstaltungskonzern Lagardère gehört, hat die Frist am Montag verstreichen lassen und kein finales Angebot abgeben. Die Stadt wollte mit Langano, der sich als aussichtsreichster von zwei Bietern herausgestellt hatte, zu einem Abschluss kommen. Frank und Baudezernent Jan Schneider (CDU) hatten wochenlang mit dem favorisierten Partner über die rechtlichen und betrieblichen Details und die Verkehrsanbindung verhandelt. Langano hatte auf die in der Römerkoalition umstrittene Bürgschaft verzichtet und wollte auch die volle Erbpacht für das Grundstück zahlen.

          „Alles war fertig“, sagt Frank. „Wir haben hart gekämpft und sind bis an die Grenze gegangen.“ Woran es am Ende gelegen hat, ist offenbar schwer zu sagen. Vermutlich waren in dem Bieterkonsortium nicht alle vollständig überzeugt. Für Frank, der sich für das Projekt stets vehement eingesetzt hat, ist das auch eine persönliche Niederlage. „Das ist schon schlimm, wenn man sich eingestehen muss, dass es nicht funktioniert.“

          Zweifel an der Seriosität des Projekts

          Der Koalitionspartner SPD will die schwache Stunde des Dezernenten offenbar ausnutzen. Die Fraktionsvorsitzende Ursula Busch teilt umgehend mit, dass die SPD nun das Konkurrenzangebot am Flughafen unterstütze. Dort hatten im vergangenen Jahr überraschend Investoren den Bau einer Mehrzweckhalle ins Spiel gebracht, die auf den Projektnamen „The Dome“ getauft wurde. In der Koalition, zu der neben CDU und SPD auch die Grünen gehören, gibt es Zweifel an der Seriosität dieses Projekts. Für Busch ist „The Dome“ allerdings wegen der Haushaltslage der Stadt die beste Wahl, denn bei dem Projekt am Flughafen sollen keine zusätzlichen Kosten auf die Stadt zukommen: „Nachdem sich unsere Befürchtung bewahrheitet hat, dass das Projekt am Kaiserlei nicht umsetzbar ist, müssen wir mit Volldampf an den Bau der Halle am Flughafen gehen“, sagt Busch. „Das sind wir schon unseren Löwen Frankfurt, den Fraport Skyliners und den United Volleys schuldig, die gerade jetzt Zukunftschancen brauchen.“ Der Sportdezernent habe nie einen guten Grund nennen können, warum eine Arena am Kaiserlei besser aufgehoben sei.

          Doch Frank will seinen Traum noch nicht ganz aufgeben. Nun soll der zweitplatzierte Bieter am Kaiserlei eine „echte Chance“ bekommen, meint der Dezernent. Allerdings hatte AEG Anschutz nicht die in der engen Ausschreibung der Stadt geforderte Mulitfunktionsarena, sondern den Bau eines auf Entertainment ausgerichteten Gebäudekomplexes samt Halle, Bürohaus und Theater angeboten. Das beißt sich mit den Erwartungen der Stadt. Frank ist zuversichtlich, dass AEG Anschutz nun noch einmal nachlegen will. „Wenn er richtig einsteigt, dann wird er dafür richtig Zeit brauchen.“ Frank würde dem Bieter also für ein finales Angebot mehrere Monate geben.

          Es fragt sich nur, ob die Koalitionspartner so viel Geduld mitbringen. Die Grünen halten sich bedeckt. Die CDU-Fraktion stärkt ihrem Dezernenten den Rücken: Frank habe das Projekt mit viel Fingerspitzengefühl und im engen Kontakt mit den Vereinen vorangetrieben. „Wenn nun Gespräche mit dem zweiten Bieter beginnen oder andere Bewerber ein tragfähiges Konzept vorstellen, dann ist die CDU-Fraktion dafür offen“, sagt die sportpolitische Sprecherin Sybill Meister. Unüberwindbare Planungshindernisse für den Kaiserlei erkennt sie – anders als die SPD-Fraktion – jedenfalls nicht.

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