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Moscheebau : „Ernstfall für die Religionsfreiheit“

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Ayatollah Ramazani (l.) und Sabahattin Türkyilmaz (r.), der Imam der Gemeinde, bei der Grundsteinlegung in Frankfurt-Hausen Bild: dpa

In Frankfurt-Hausen ist der Grundstein für eine Moschee gelegt worden. Die Gemeinde nennt sie einen Motor der Integration. Gegen den Bau hatte eine Bürgerinitiative massiv protestiert.

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          Als Mittel gegen die Bildung muslimischer Parallelgesellschaften und „Motor der Integration“ hat der Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde, Ünal Kaymakci, an diesem Samstag die neue Moschee im Frankfurter Stadtteil Hausen bezeichnet. Bei einer Feier zur Grundsteinlegung für die Moschee, neben der die Gemeinde auch ein Wohnhaus errichten will, sagte er, Parallelgesellschaften entwickelten sich eher in Hinterhofmoscheen, in denen es keinen Kontakt zur Gesellschaft gebe. Das werde nun anders: „Der Austausch ist unumgänglich.“

          Bisher hat die Gemeinde aus türkischen und pakistanischen Schiiten eine kleine, in einem Hinterhof gelegene Moschee im Stadtteil Griesheim. Das neue Gebäude ist dagegen als repräsentative Moschee geplant. Das gesamte Bauvorhaben soll rund drei Millionen Euro kosten. Etwa 300.000 Euro an Spenden sind bislang gesammelt worden. Der Rest soll über Kredite finanziert werden. Gegen den Bau hatte eine Bürgerinitiative massiv protestiert. Auch aus der benachbarten russisch-orthodoxen Gemeinde kam Widerstand. Insgesamt habe es aber mehr Zustimmung für das Projekt gegeben als Ablehnung, sagte Kaymakci.

          Grundstein für Dialog und Annäherung

          An der Feier nahmen gestern auch mehrere Repräsentanten aus der Politik, des Islam und der Kirchen teil. Für die Landesregierung sagte der stellvertretende Ministerpräsident und Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP), er wünsche der Moschee „eine gesegnete Zukunft“. Deutschland sei ein Einwanderungsland, aber auch ein Land mit einem zu respektierenden Wertesystem, zu dem Religionsfreiheit, Gleichberechtigung von Mann und Frau und die Freiheit des Einzelnen gehörten. Der Bau sei der „Ernstfall“ für die Religionsfreiheit, sagte der katholische Stadtdekan Raban Tilmann.

          So soll die Moschee einmal aussehen

          Die Frankfurter Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) sagte, Moscheen gehörten zu Frankfurt, weil Muslime zu dieser Stadt gehörten. Es müsse eine Offenheit für Moscheen geben, aber auch eine Offenheit in Moscheen. Beim Bau weiterer Moscheen in der Stadt sei ein „strukturiertes Vorgehen“ nötig. Dabei müssten die Sorgen von Nachbarn sehr ernst genommen werden. Zu Kontroversen wie der um die Hausener Moschee komme es, weil Religion „keine harmlose Angelegenheit“ sei, sagte die evangelische Pröpstin Gabriele Scherle.

          Athenagoras Ziliaskopoulos, griechisch-orthodoxer Pfarrer und Vorsitzender des Rates der Religionen in Frankfurt, sagte, die neue Moschee und die gegenüberliegende russisch-orthodoxe Kirche seien wie ein „Tor zur Stadt“. Dieses Bild wollte sich Georg Poloczek vom Gemeinderat der russisch-orthodoxen Gemeinde auf Anfrage nicht spontan zu eigen machen. Am Dialog führe aber kein Weg vorbei, hob er hervor. Ein Forum dafür ist der christlich-islamische Arbeitskreis in Hausen, dem auch die Moscheegemeinde angehören soll.

          Scheich Sabahattin, der Imam der Gemeinde, sagte, mit dem Grundstein für das Gebäude werde auch ein Grundstein für Dialog und Annäherung gelegt.

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