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Mondlandung : Die Nacht, in der niemand schlief

Mondsüchtige Frankfurter: Gemeinsames Fernsehgucken Bild: dpa

Die erste Landung von Menschen auf dem Mond ließ heute vor 40 Jahren auch die Menschen in Frankfurt und der Region staunen. Die Begeisterung ist Geschichte, doch Raumfahrt trägt auch in Rhein-Main ein klein wenig zum Wirtschaftswachstum bei.

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          Die Frankfurter Stadtwerke wussten es ganz genau. Um 4 Uhr in der Früh am 21. Juli 1969 war der Stromverbrauch in der Stadt um ein Viertel höher als sonst, und auch der Wasserverbrauch fiel merklich größer aus. Kein Wunder. Die Stunden vom 20. auf den 21. Juli 1969 sollten in die Geschichte eingehen als die Nacht, in der niemand schlief. Am Sonntagabend war die Mondfähre auf dem Erdtrabanten gelandet, um 3.56 Uhr deutscher Zeit betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond, das Fernsehen sendete ununterbrochen, und auch die Frankfurter wollten sagen, sie seien dabei gewesen, wenigstens vor dem Bildschirm.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          „Frankfurt ist mondsüchtig“, schrieb die F.A.Z. tags drauf und berichtete, wie sich Menschen zum gemeinsamen Fernsehgucken im Amerika-Haus versammelt hatten, wie sie vor den Geräten in den Elektronikgeschäften stehen blieben, wie Unternehmen ihre Schichtpläne änderten, wie in einem Buchladen an der Hauptwache die Landkarten vom Mond ausgingen. Oberbürgermeister Willi Brundert gratulierte dem amerikanischen Generalkonsul, die amerikanischen Soldaten in der Stadt freuten sich, dass ihr Präsident den Montag zum Nationalfeiertag erklärt hatte, ein Hotel bot eine Kraftbrühe namens „Wernher von Braun“ an. Am Abend weigerte sich ein Frankfurter Tankwart, einen Kunden zu bedienen. „Kommen Sie lieber mit rein, in zwei Minuten starten die beiden wieder“, rief er dem verdatterten Autofahrer zu.

          Heimische Unternehmen für die Raumfahrt

          Der Mond also hatte Frankfurt genauso im Griff wie überhaupt nahezu die ganze Welt. „Die ersten Menschen auf dem Mond“, titelte die F.A.Z. nüchtern und tags drauf „Die Astronauten auf dem Rückflug zur Erde“, weiter hinten dann fand sich noch ein kleinerer Beitrag mit der Überschrift „Bonn erinnert schüchtern an irdische Probleme“. Die drängten dann aber sowieso bald wieder nach vorne, denn die Mondbegeisterung nahm ebenso rasch ab, wie sie gekommen war.

          Phantasien löst die Raumfahrt freilich auch heute noch aus, und ein klein wenig profitiert auch Rhein-Main von diesem Wirtschaftszweig. „Aufbruch zu den Sternen“ heißt eine Broschüre über die Luft- und Raumfahrt in diesem Bundesland, die die Hessen-Agentur vor wenigen Tagen veröffentlicht hat. Sie erinnert an das Europäische Raumfahrt-Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt, von dem aus Forschungssatelliten gesteuert werden, aber auch an die Produkte verschiedener heimischer Unternehmen für die Raumfahrt. So seien zahlreiche Satelliten und Raumsonden mit Getrieben von Harmonic Drive aus Limburg ausgestattet, Schunk in Heuchelheim entwickele Werkstoffe für die Raumfahrttechnik, Polymere von Ticona aus Kelsterbach würden unter anderem für die Befestigung von optischen Geräten in Satelliten eingesetzt.

          Mit dem Finger in den Mondstaub

          Heraeus wies dieser Tage aus Anlass des Mondflug-Jubiläums darauf hin, dass es auch auf dem Erdtrabanten vertreten sei: „Apollo 11“ nahm einen Laserreflektor mit, der aus 100 Tripelprismen aus Quarzglas besteht, das von dem Hanauer Konzern geliefert wurde. Das Gerät dient bis heute der Bestimmung der Entfernung zwischen Erde und Mond, indem ein Laserstrahl auf die Reflektoren gerichtet und die Zeit gemessen wird, bis das Licht wieder die Erde erreicht hat.

          Mindestens einmal hat auch ein echter Mondfahrer Frankfurt besucht. Eugene A. Cernan war 1999 zu Gast in der Commerzbank. Er zählte zur bisher letzten Crew, die den Mond betreten hat, 1972 war das. Cernan sagte damals, gerne flöge er noch einmal – schon um die Initialen des Vornamens seiner Tochter Teresa Dawn noch einmal zu sehen, die er mit dem Finger in den Mondstaub geschrieben habe.

          In gewisser Weise hat es Frankfurt sogar zu einem eigenen Astronauten gebracht, denn hier wurde 1958 Thomas Reiter geboren, der aber eher Neu-Isenburg zugerechnet wird, wo er aufwuchs und 1977 Abitur machte. Reiter war zuletzt 2006 im Weltall, auf der Weltraumstation ISS. Nur auf dem Mond war er nie. „Ich würde was drum geben“, hat er einmal gesagt, „ich habe als Elfjähriger damals nachts die Mondlandung bei Nachbarn gesehen, die als Erste einen Farbfernseher hatten.“ Es war eben die Nacht, in der niemand schlief.

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