https://www.faz.net/-gzg-abyxp

Palästinenser-Demo : Moderatere Töne bei Protest gegen Israel in Frankfurt

Abermals protestierten in Frankfurt Palästinenser gegen Israel: Am Römer blieb es ruhiger als vor einer Woche an der Hauptwache. Bild: Lakuntza, Nerea

In Hessen fanden am Samstag abermals Demonstrationen gegen Israel statt. Es blieb deutlich ruhiger als in den vergangenen Tagen. In Gießen gingen Menschen „Pro Israel“ auf die Straße.

          2 Min.

          Etwa 800 Menschen haben am Samstagnachmittag auf dem Frankfurter Römerberg gegen die Politik Israels protestiert. Die Palästinensische Gemeinde Hessen hatte dazu aufgerufen, um für Menschenrechte einzutreten und sich „gegen die Entweihung der Al-Aqsa Moschee einzusetzen“. 

          Theresa Weiß
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Demonstration, für die die Stadt strenge Auflagen erlassen hatte, blieb weitgehend friedlich. Vereinzelt tauchten in der Menge Schilder auf wie „Fuck Apartheid, Colonialism, Occupation“ oder eine Landkarte mit dem Umriss Israels, jedoch mit palästinensischen Flaggenfarben übermalt.

          Eine gute Wahl

          Sichern Sie sich F+ 3 Monate lang für 1 Euro je Woche und lesen Sie alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Die Demonstration wurde von hunderten Polizisten begleitet. Sie standen an allen Wegen zum Römerberg, rund um den Metallzaun, von dem die Kundgebung begrenzt wurde, und an Zufahrtsstraßen. Ein Sprecher der Polizei wollte sich nicht zur genauen Mannschaftsstärke äußern, sagte jedoch, sie sei so aufgestellt, dass sie „Präsenz zeigen und bei Störungen adäquat reagieren“ könne.

          Von der starken Präsenz der Beamten, die nach Angaben des Sprechers auch die Redebeiträge aufzeichneten und überprüften, um später mögliche Straftaten verfolgen zu können, fühlten sich einige Teilnehmer „eingeschüchtert“.

          Moderatere Redebeiträge

          Mehrmals forderte die Polizei per Lautsprecher auf, die Corona-Abstände einzuhalten, es blieb jedoch ruhig, abgesehen vom Pfingstgeläut der Nikolaikirche, das von 17:30 Uhr an eine halbe Stunde zur Unterbrechung der Veranstaltung führte. 

          Die Hygieneregeln wurden weitgehend eingehalten: Ein Demonstrant mit Palästina-Fahne am Römer.
          Die Hygieneregeln wurden weitgehend eingehalten: Ein Demonstrant mit Palästina-Fahne am Römer. : Bild: Lakuntza, Nerea

          Die Redebeiträge fielen meist moderater aus als in der Woche zuvor. Die Redner forderten, Israel nicht unhinterfragt zu unterstützen, und humanitäre Hilfe in Gaza zuzulassen. Der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Hessen sprach vom Gerechtigkeitsgrundsatz des Korans: „Das Leben eines Wehrlosen, egal ob Palästinenser oder Israeli, ist so viel wert wie die ganze Menschheit.“ Er forderte beide Seiten, sowohl Israel als auch die Hamas auf, ihre Feindschaft zu beenden. Immer wieder mischten sich jedoch auch unversöhnlichere Stimmen darunter. „Intifada bis zum Sieg“ oder „Israel kennt keine Menschenwürde“ schallte dann über den Platz. 

          Unter lautem Jubel und zu den Klängen arabischer Musik entrollten schließlich ein paar Dutzend Demonstranten eine riesige Palästina-Flagge, die sie über ihren Köpfen durch die Menge trugen. Nahe der Rednertribüne tanzten Menschen, die Polizei unterbrach das Treiben mit einer weiteren Durchsage. Die Menge lichtete sich wieder, und eine letzte Rednerin trat auf die Bühne. Sie erzählte von einer Freundin in Gaza, die seit Wochen Angst habe, von einer Bombe getroffen zu werden. „Free, free Palestine“ tönte über den Platz.

          Am Rand stand ein einzelner Mann, der eine kleine Israelfahne in der Hand hielt, „um Flagge zu zeigen“, wie er sagte. Er meinte, die Demo sei eine Provokation. Wenige Minuten später war die Veranstaltung vorbei, und die Teilnehmer verließen den Römerberg. In der Mitte wurde noch weitergetanzt.

          300 Demonstranten „Pro Israel“ in Gießen

          In Gießen versammelten sich derweil bei einer Kundgebung mit dem Titel „Pro Israel“ nach Polizeiangaben etwa 300 Menschen. Bei einer weiteren, pro-palästinensischen Demonstration zählten die Beamten etwa 70 Teilnehmer. Ein Sprecher berichtete von friedlichen Verläufen.

          Mit Fahnen: Es gingen auch wieder Menschen pro Israel auf die Straße.
          Mit Fahnen: Es gingen auch wieder Menschen pro Israel auf die Straße. : Bild: dpa

          Am Freitag war im Gaza-Konflikt eine Waffenruhe in Kraft getreten. Israel und die im Gazastreifen herrschende Hamas hatten sich unter Vermittlung Ägyptens darauf nach einem elftägigen Schlagabtausch verständigt. In mehreren deutschen Städten hatte es in den vergangenen Tagen antisemitische und anti-israelische Demonstrationen gegeben. Dabei wurden auch Israel-Flaggen angezündet.

          Weitere Themen

          Wie man eine Bierflasche auftreten kann Video-Seite öffnen

          Geht doch : Wie man eine Bierflasche auftreten kann

          Es gibt viele Möglichkeiten, Bierflaschen aufzumachen. Mit dem Feuerzeug, am Bierkasten oder auch mit dem zwölfer Schraubschlüssel aus der Werkzeugkiste. Es geht aber auch spektakulärer, wie F.A.Z.-Redakteurin Marie Lisa Kehler zeigt.

          Topmeldungen

          Armin Laschet nach der Präsidiumssitzung der CDU am Montag in Berlin

          Laschet in Not : Warten auf die Wende

          Die launige Stimmungsdemokratie tut Laschet nicht den Gefallen einer „Wende“ durch die Medien. Auf die konnte sich die CDU noch nie verlassen. Aber das war und ist nicht die Schwäche der Union, sondern ihre Stärke.
          Frank Plasberg wollte anhand von Leitfragen die Unterschiede zwischen den Parteien deutlich machen.

          TV-Kritik Hart aber fair : Die Nato wird wohl nicht aufgelöst

          Frank Plasberg hat sich kurz vor der Wahl etwas Besonderes ausgedacht. Mit Leitfragen will er die Unterschiede zwischen den Parteien deutlich machen. Doch am Ende entgleitet es ins Aberwitzige.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.